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Freitag, 19.07.2019

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Main-Donau-Kanal: Viele Schiffe noch in der Warteschleife

Schleuse ist zwar wieder in Betrieb, aber der Stau löst sich nur langsam auf - 20.06.2019 05:54 Uhr

Vor zwei Wochen war die Schleuse Riedenburg so stark beschädigt worden, dass der Schiffsverkehr auf dem Main-Donau-Kanal komplett stillstand. © Matthias Balk/dpa


Eines von der Sperrung betroffenen Schiffe ist die MS Excellence Baroness, die eigentlich nach Passau fahren sollte. Doch auch dem Abschluss der Reparaturarbeiten in Riedenburg saß das 110 Meter lange Flusskreuzfahrtschiff, das in Basel gestartet und mit 142 Passagieren nahezu ausgebucht war, immer noch an der Anlegestelle Maria-Hilf in Berching fest.

"Für diese Passagiere haben wir noch Busfahrten nach Regensburg und Stadtführungen organisieren können, aber die darauffolgende Reise ist ein Totalausfall", berichtet Michael Maeder, Produktmanager des Veranstalters, der Reisebüro Mittelthurgau Fluss- und Kreuzfahrten AG. Am 8. Juni hätte die MS Excellenz Baroness eigentlich circa 130 neue Passagiere in Passau aufnehmen sollen, doch deren Buchungen mussten komplett storniert werden.

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Stau auf dem Kanal: Schleusen-Panne legt Schiffsverkehr lahm

Vor knapp zwei Wochen hatte ein Passagierschiff auf dem Main-Donau-Kanal das Schleusentor an der Schleuse Riedenburg so stark beschädigt, dass sie nicht mehr geschlossen werden kann. Seitdem stauen sich die Schiffe auf dem 160 Kilometer langen Main-Donau-Kanal. Von 108 angestauten Schiffen stehen 60 davon bei Nürnberg.


"Teilweise konnten wir diese Kunden noch auf andere Schiffe umbuchen, aber dem Großteil müssen wir den Reisepreis erstatten", sagt Maeder. Dazu kommt, dass Teile der Crew in Passau hätten abgelöst werden sollen, nun aber in Berching die Stellung halten müssen und entsprechend Überstunden aufbauen.

Bustransfer organisiert 

Nicht ganz so schlimm hat es den Eigner der A-Rosa Silva erwischt, die auf ihrer Tour von Köln nach Regensburg eine Zwangspause am Nürnberger Europakai einlegen musste. "Wir haben die Liegezeit bei dieser vorletzten Etappe verlängert und für unsere Gäste einen Bustransfer nach Regensburg für individuelle Stadtbesichtigungen organisiert", erzählt Alexander Borchardt, Pressesprecher der A-Rosa Flussschiff GmbH.

Darüber hinaus erhalten diese Passagiere ein Kompensationsangebot, sollten sie noch einmal eine Reise von diesem Anbieter buchen. Inzwischen hat die A-Rosa Silva gewendet und befindet sich bereits auf ihrer nächsten Reise zurück nach Köln.

Nichtsdestoweniger ist auch der A-Rosa Flussschiff GmbH ein erheblicher Schaden entstanden, und die Frage ist nun, wer dafür gerade stehen muss. Wie berichtet, hatte vor zwei Wochen ein Passagierschiff bei der Einfahrt in die Schleuse bei Riedenburg das Schleusentor so stark beschädigt, dass es sich nicht mehr schließen ließ. Die Wasserschutzpolizei Beilngries vermutet, dass der Unfall aus Unachtsamkeit geschehen ist, die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

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Ausnahmezustand am Hafen: Nürnberg übt den Katastrophenfall

Am Samstag haben Nürnberger Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Rettungsdienste und des THW den Katastrophenfall geübt. Das Übungsszenario war der Brand eines Großtanks mit insgesamt zwölf Verletzten am Nürnberger Hafen. Insgesamt waren 900 Personen beteiligt. Um die Lage weiter zu verschärfen, kollidierte ein besetzter Nahverkehrsbus mit der Hafenbahn. Als Teil der Übung wurden die Verletzten auch in die Nürnberger Krankenhäuser gebracht.


Zurzeit werden laut Schifffahrtssachbearbeiter Harald Göhring vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Nürnberg die Speichersysteme des havarierten Schiffs ausgelesen, in denen alle Manöver und Fahrparameter aufgezeichnet werden. Mit Hilfe dieser Daten werden dann Gutachter analysieren, ob menschliches Versagen, vielleicht sogar grobe Fahrlässigkeit der Besatzung, oder irgendein technischer Fehler für den folgenreichen Schaden verantwortlich sind.

Die für die Schleuse Riedenburg zuständige Behörde wird die Reparaturkosten in sechsstelliger Höhe auf alle Fälle bei dem Eigner des Fahrgast-Kabinenschiffs, das am 5. Juni eine Spundwand der Schleuse gerammt hatte, geltend machen. "Sein Schiff hat den Schaden verursacht, ihm schicken wir die Rechnung", sagt Göhring. Für die durch den Stau auf dem Main-Donau-Kanal verursachten Kosten dagegen müssten die betroffenen Binnenschiffer und Reiseveranstaltung den Unfallverursacher eigenständig in Regress nehmen.

Diffizile Reparaturarbeiten

14 Tage lang hatten Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes und insgesamt acht Fremdfirmen im Schichtbetrieb gearbeitet, um die beschädigte Schleuse wieder funktionsfähig zu machen. Unter anderem musste eine aufwendige Spezialverankerung in den Beton eingebaut und ein sechs Meter langer und in drei unterschiedlichen Werken gefertigter Kantenschutzholm montiert werden. Trotz der technisch überaus diffizilen Reparaturarbeiten konnte die Schleuse am Donnerstag sogar einige Stunden früher als ursprünglich veranschlagt wieder in Betrieb genommen werden.

Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich der Verkehr in den nächsten drei Tagen normalisieren wird. "Unsere Leitzentralen für die Schleusensteuerung arbeiten ab jetzt Tag und Nacht in doppelter Besetzung, damit wir den Stau schnellstmöglich auflösen können", teilte die Leiterin der Abteilung Schifffahrt mit.

Kapitäne vor Ort befürchten hingegen, dass es mehrere Wochen dauern könnte, bis sich die Schiffskolonnen in beide Richtungen auflösen werden. Immerhin dauert jeder Schleusenvorgang mindestens eine halbe Stunde, denn die auf dem Main-Donau-Kanal verkehrenden Schiffe sind bis zu 135 Meter lang. Zum Rangieren in der Schleusenkammer bleiben den Schiffsführern oft nur wenige Zentimeter. Und wenn da irgendetwas schief läuft, können die Auswirkungen erheblich sein – so wie vor zwei Wochen geschehen. 

André Ammer

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