Viele Pfleger und Ärzte in Isolation

Masken bald weg? Hilferuf aus fränkischer Klinik - "Da schrillen alle Alarmglocken"

Tobi Lang
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16.3.2022, 12:45 Uhr
Die Pandemie beherrscht derzeit die Normalstationen an Frankens Kliniken. Infizierte müssen aufwendig isoliert werden - und das, obwohl das Coronavirus nur nebensächlich diagnostiziert wird. 

© Marijan Murat, dpa Die Pandemie beherrscht derzeit die Normalstationen an Frankens Kliniken. Infizierte müssen aufwendig isoliert werden - und das, obwohl das Coronavirus nur nebensächlich diagnostiziert wird. 

Manfred Wagner meldet sich per Videobotschaft, wie so häufig in den letzten Monaten. "Das hier ist ein Hilferuf aus den Kliniken", sagt der Pandemiebeauftragte der Fürther Klinikums, der sich zuletzt zum heimlichen Social-Media-Star gemausert hat. Regelmäßig lädt der Mediziner kurze Sequenzen wie die am Mittwoch hoch. Die Pandemie ist nicht vorbei, warnt Wagner. "Bei mir schrillen wirklich alle Alarmglocken", sagt er, "wenn sich Politiker vor Kameras stellen und sagen, wir können alles lockern, denn wir orientieren uns an der Belegung der Intensivstation."

Die Situation in Fürth ist, wie im Rest Frankens auch, weiter angespannt. Das hat mehrere Gründe. Auf den Normalstationen landen seit Anfang März wieder mehr Patienten - nicht wegen Corona, sondern anderer Erkrankungen. Die Betroffenen müssen aber dennoch isoliert werden. "Wir haben einen immensen Aufwand", sagt Wagner. Zwei Stationen seien derzeit nur mit Infizierten belegt. "Die fehlen uns in der normalen Versorgung."

170 Pfleger und 60 Ärzte abgemeldet

Das große Problem in Fürth ist aber ein anderes. "Stand heute haben wir 170 Pflegekräfte und 60 Ärzte, die uns krank ausfallen", rechnet Wagner vor. Die Hälfte davon müsse wegen einer Coronainfektion passen. Das betrifft alle Bereiche am Klinikum. "Auf vielen anderen Stationen fehlen uns Betten, die wir schließen müssen, weil wir zu wenig Personal haben." Aktuell verschiebe man wieder geplante Operationen.

Der Fokus auf die Intensivstationen sei falsch, warnt Wagner. Dort sei die Lage verhältnismäßig stabil. In Fürth werden derzeit nur zwei Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Aber jede Lockerung, jede Öffnung, könnte das Infektionsgeschehen anheizen. "Das führt zu einer weiteren Dramatisierung ind Verschlimmerung der der Situation", sagt Wagner.

Bayern hat bereits reagiert - und den für Mitte März geplanten "Freedom Day" abgesagt. Besonders bei der Maskenpflicht gelten vorerst weiter strenge Regeln. Wagner, sagt er in seiner Videobotschaft, wolle keine Panik verbreiten. "Aber wir fahren auf der letzten, ich würde sagen allerletzten Rille."

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