Samstag, 27.02.2021

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Millionen-Projekt: Franken bekommt Museums-Aushängeschild

"Museum für Franken" entsteht auf der Würzburger Festung Marienberg - 29.05.2018 05:57 Uhr

Wer bisher von der Alten Mainbrücke auf die Festung Marienberg gelangen will, hat einen beschwerlichen Fußmarsch vor sich. Künftig könnte eine Seilbahn oder ein Aufzug auf das Plateau hinaufführen.

28.05.2018 © Andreas Bestle, CTW


Längst verloren geglaubt war die Abteikirche von Münsterschwarzach, die eigentlich schon Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation zerstört wurde. Doch dank digitaler Technik soll dieser fränkische Schatz ab dem Jahr 2027 im "Museum für Franken" virtuell wiederauferstehen.

"Wir haben die 'Sammlung Eckert' mit vielen Architekturzeichnungen Balthasar Neumanns. Und auch die Entwürfe für die Deckenmalereien sind erhalten. So ist es möglich, ganze Bauten virtuell zu rekonstruieren", verdeutlicht Erich Schneider, Gründungsdirektor des "Museums für Franken". Besucher sollen dank digitaler Technik das Gefühl bekommen, durch das Gotteshaus zu schreiten.

Noch dauert es knapp zehn Jahre, bis das Museum auf der Festung Marienberg hoch über Würzburg eröffnet wird. Doch schon jetzt träumt Schneider davon, wie es einmal aussehen könnte. Und es sind nicht nur Träume, von denen er erzählen kann.

Umzug in die größere Kernburg

Denn nachdem das ehemalige Mainfränkische Museum, am 1. Januar 2017 zu einer staatlichen bayerischen Einrichtung wurde, hat er gemeinsam mit der Bauverwaltung einen ersten Bauantrag mit grobem Raumkonzept vorgelegt.

Der Plan: Das Mainfränkische Museum soll ausziehen aus den Räumen im Zeughaus und in der Echterbastei der Festung und künftig in der Kernburg deutlich mehr Platz erhalten. 4500 bis 5000 Quadratmeter Dauerausstellungsfläche, 500 bis 800 Quadratmeter für Wechselausstellungen und 3500 Quadratmeter Depots sind geplant, dazu ein großes, multifunktionales Foyer mit Vortragsräumen und museumspädagogischen Angeboten.

Vor allem aber soll sich das Mainfränkische Museum mit seinen reichhaltigen Beständen zur unterfränkischen Kunst- und Kulturgeschichte wandeln in ein gesamtfränkisches Museum.

"Uns fehlen die Bestände"

Besucher bewundern Tilmann Riemenschneiders Eva, die im künftigen Museum in einem zweigeschossigen Saal präsentiert werden soll.

28.05.2018 © Katja Krause


"Das geht nicht mit einem Federstreich. Uns fehlen weitgehend die Bestände zum Wirken der Markgrafen von Ansbach und Bayreuth, wir tun uns schwer mit den Fürstbischöfen von Eichstätt, auch mit der Reichsritterschaft", räumt Schneider ein.

Eine hochkarätige Sammlung mit 80 Werken des Holzbildhauers Tilman Riemenschneider gibt es schon auf der Festung — doch zu der Zeit gab es in Franken eben auch Veit Stoß, Adam Kraft und Albrecht Dürer. Schneider denkt über Gastspiele, Leihgaben und Wechselausstellungen nach, über einen regen Austausch mit anderen Museen, um auch das historische Geschehen in Ober- und Mittelfranken mit hochwertigen Exponaten darstellen zu können.

Blick auf brennende Stadt

Wie schon das Mainfränkische Museum dient auch das künftige "Museum für Franken" gleichzeitig als Würzburger Stadtmuseum . Die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 soll nicht nur durch ein Modell erlebbar werden, sondern auch durch Kriegsgeräusche, Bilder der Luftaufklärung und vor allem durch (virtuelle) Bilder der brennenden Stadt, auf die man durch die Museumsfenster blicken kann.

Von Frankenapostel Kilian bis in die Gegenwart soll die künftige Dauerausstellung die wichtigsten Etappen fränkischer Geschichte erzählen. Besonders viel Raum ist für die Bildhauerzeit und die Zeit von 1750 bis 1850 eingeplant. "Diese Epochen haben das Bild von Franken maßgeblich geprägt", meint Schneider.

Er will massiv eingreifen in die Räume, Wände herausreißen und etwa einen zweigeschossigen Saal schaffen, in dem die Riemenschneider-Skulpturen nicht mehr nur auf Augenhöhe präsentiert werden können, sondern, wie ursprünglich in den Kirchen, hoch über den Köpfen der Besucher.

Erich Schneider ist der Gründungsdirektor des Museums für Franken.

28.05.2018 © Katja Krause


Dabei hilft es den Museumsmachern, dass die Festung im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Im Inneren gibt es wenig historische Substanz, auf die Rücksicht genommen werden muss.
Trotzdem wird die Baustelle eine außergewöhnlich schwierige. Große Baufahrzeuge passen nicht durch die engen Tore der Festung. "Wir werden ein System von Kränen brauchen, die sich die Lasten gegenseitig zureichen", erläutert Schneider.

Die Architekten stehen mittlerweile fest. "Hoskins Architects" und "Ralph Appelbaum Associates", die gerade das Wiener Weltmuseum umgestaltet haben, sollen sich nun an die Feinkonzeptionierung machen, bevor die Pläne dann Anfang 2020 dem Finanzausschuss des bayerischen Landtags vorgelegt werden und dieser die Mittel freigibt.

"Ich stelle mir das Museum als Erlebnisort vor, der schon im Innenhof mit Liegestühlen und einer Theaterbühne beginnt. In einer 300 Quadratmeter großen Zukunftswerkstatt sollen außerdem aktuelle gesellschaftliche Themen behandelt werden", sagt Schneider.

Ungewöhnliches Ticket-System

Für die Eintrittskarten würde der Museumsdirektor gerne ein außergewöhnliches System installieren. "Wir sollten von niemandem verlangen, länger als eineinhalb bis zwei Stunden im Museum bleiben zu müssen", meint er. Deshalb sollen Tickets angeboten werden, mit denen man zum Beispiel zweimal an einem Wochenende das Museum besuchen kann, ohne zweimal den vollen Preis zahlen zu müssen. Auch ein zeitabhängiges Preissystem wie in Parkhäusern könnte Schneider sich vorstellen.

Martin Müller Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern E-Mail

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