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Sonntag, 15.09.2019

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Mit Kunst gegen Schmierereien am Mariensteig

Immer wieder verunstalten Kritzeleien den Durchgang, ein Wandgemälde soll Sprayer ausbremsen - 29.05.2019 16:00 Uhr

Am Mariensteig wütet in unschöner Regelmäßigkeit die Spraydose. Künftig könnte sich der Durchgang zwischen Pfister- und Badstraße in einer ganz anderen Art und Weise präsentieren. © Hans-Joachim Winckler


Der Durchgang gehört zum Elternhaus seiner Frau, wo er bereits seit 60 Jahren lebt. Bis in die sechziger Jahre war es ein Tor, das hinaus aus dem Alltag leitete. Hier zogen im Sommer die Fürther aus der dicht bebauten Innenstadt hinunter zum Flussbad in der Rednitzaue. Geschaffen hat den Durchgang zwischen Pfister- und Badstraße mit seinen 46 Betonstufen der Fürther Architekt Conrad Egelseer im Jahr 1908. Als gefragtes Fotomotiv repräsentiert der Mariensteig seither Fürths Schokoladenseite. Aber auch als Filmkulisse musste er schon viele Male herhalten. Eindrucksvoll inszeniert wurde er erst im vergangenen Jahr mit einer Licht- und Klanginstallation im Rahmen der Jubiläumsaktion "Fürther Glanzlichter".

Allerdings wird ihm übel zugesetzt. "Die Wände werden als öffentliche Pinnwand missbraucht", klagt Quartiersmanagerin Alexandra Schwab. Seit Beginn ihrer Tätigkeit vor 19 Jahren begleitet sie die Sorge um den Mariensteig. Bei einer 14 000 Euro teuren Renovierung mit Fördermitteln aus dem Programm Soziale Stadt sind bereits Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern angebracht worden, um zu verhindern, dass im Durchgang die Notdurft verrichtet wird. Mit Erfolg, wie Alexandra Schwab berichtet.

Nun will sie dafür sorgen, dass sich aich die Wände wieder sehen lassen können. Im Gespräch mit den Hausbesitzern hatte sich herauskristallisiert, dass sie aus Altersgründen nicht mehr selbst für den Unterhalt sorgen können. An den kunstvoll bemalten Toilettenhäuschen bei der Kleinen Mainau und im Stadtpark, der Pumpenstation am Dambacher Talübergang, an der Friedhofsmauer, einer Fassadenrückseite neben dem Fußweg In der Berten oder der Trafostation an der Julius-Hirsch-Halle wird deutlich, dass Graffiti auch reizvoll sein können.

Jugendhaus mischt mit

Gemeinsam mit Vertretern der Denkmalpflege, der Bauverwaltung und des Jugendhauses Hardhöhe sucht Schwab nun nach Möglichkeiten einer künstlerischen Gestaltung des Mariensteigs. Auch der städtische Baubeirat hat das Projekt bereits wohlwollend begutachtet. Thematisch soll der Übergang von der Stadt in die Landschaft dargestellt oder eine Flussspiegelung in Vorwegnahme der nahen Ufer-Idylle ausgestaltet werden.

Das Jugendhaus Hardhöhe ist beteiligt, weil es sich schon lange um die Ehrenrettung junger Graffitikünstler bemüht. Davon zeugen inzwischen zahlreiche Auftragsarbeiten an öffentlichen Gebäuden. Wie Jugendhausleiter Sebastian Fischer berichtet, ist eine Bemalung langfristig billiger als das ständige Beseitigen wilder Kritzeleien. Für Anregungen zum Perfektionieren der Malerei sorgen Sessions im Jugendhaus.

Keine Einwände gegen das Bemalen des Mariensteigs hat der stellvertretende Stadtheimatpfleger Lothar Berthold. Das beste Mittel gegen illegale Graffiti sind in seinen Augen immer noch hochwertige Gemälde. Mit dem Denkmalschutz der Wohnhäuser hält Berthold die Malerei für vereinbar. Kein Verständnis hat er ohnehin für kleinliche Einschränkungen im Detail, wenn ganze erhaltenswerte Gebäude mangels Kapazitäten der Denkmalbehörden nicht unter Schutz gestellt werden.

Deutlich mehr Flächen für legale Graffiti-Werke sollen im Stadtgebiet nach dem Willen der SPD-Stadtratsfraktion freigegeben werden. Die Verwaltung ist beauftragt, nach geeigneten Flächen Ausschau zu halten. Vor allem Unterführungen, zum Beispiel an der Stadtgrenze oder auch den Luisentunnel, hat die SPD dabei im Blick.

Erfahrungen in anderen Großstädten hätten gezeigt: Dort, wo es legale Möglichkeiten zum Sprühen gibt, gehen die Zahlen der illegalen Schmierereien an anderen Orten deutlich zurück. 

Volker Dittmar

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