Wachstum Nürnbergs ist gestoppt

Neue Zahlen: So viele Menschen leben künftig in der Region

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Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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25.8.2021, 14:10 Uhr
Bei schönem Wetter ist die Karolinenstraße in Nürnberg gerne mal völlig überfüllt (hier auf einem Foto, das vor der Corona-Pandemie entstand), zuletzt wuchs die Bevölkerungszahl der Stadt deutlich. Damit ist nun aber voraussichtlich Schluss.

Bei schönem Wetter ist die Karolinenstraße in Nürnberg gerne mal völlig überfüllt (hier auf einem Foto, das vor der Corona-Pandemie entstand), zuletzt wuchs die Bevölkerungszahl der Stadt deutlich. Damit ist nun aber voraussichtlich Schluss. © Günter Distler

Wer auf die Karte mit der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung in Bayern bis zum Jahr 2033 blickt, erkennt sofort: Von den angestrebten gleichwertigen Lebensverhältnissen ist der Freistaat noch weit entfernt. Und Jahr für Jahr entfernt er sich weiter davon.

Während vor allem Nordostoberfranken, das nördliche Unterfranken und die Gebiete entlang der Grenze zu Tschechien immer mehr auszubluten drohen, zieht es die Menschen weiter dorthin, wo es ohnehin schon eng ist und die Wohnungspreise explodieren.

Oberfranken blutet aus

Vor allem also nach Oberbayern und in die Landeshauptstadt München. Bis zum Jahr 2033 soll sich die Bevölkerungszahl in dem Regierungsbezirk im Vergleich zu 2019 um 6,6 Prozent erhöhen. Besonders viele Menschen wird es laut der aktuellen Prognose des Landesamtes für Statistik in die Landkreise Ebersberg und Dachau ziehen. Für die Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn wird ein Einwohnerplus von 23,3 Prozent erwartet.

Ganz anders sieht es laut dem nun veröffentlichten Demographie-Spiegel des Landesamtes, der alle drei Jahre neu errechnet und publiziert wird, in Oberfranken aus. Während Stadt und Landkreis Bamberg sowie der Landkreis Forchheim mit einer stabilen Bevölkerungszahl rechnen dürfen, blutet Nordostoberfranken zunehmend aus.

Kaum Zuzüge gibt es entlang der Grenzen zu Thüringen, Sachsen und Tschechien, viele junge Leute verlassen die Region. Bis zum Jahr 2033 wird Oberfrankens Einwohnerzahl laut Prognose um satte 4,2 Prozent auf dann 1,02 Millionen Menschen schrumpfen. Nur in 20 Gemeinden wird die Bevölkerung zunehmen (mit 7,6 Prozent am deutlichsten in Hetzles im Landkreis Forchheim), mehr als die Hälfte der Kommunen muss jedoch künftig mit weniger Einwohnern zurechtkommen.

Hilft die Digitalisierung den abgehängten Regionen?

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betont bei der Vorstellung der Prognose im Landesamt für Statistik in Fürth, wie wichtig die Impulse sind, die von der bayerischen Behördenverlagerung in strukturschwache Landesteile ausgehen. Doch auch er weiß: Sie ist nur ein kleiner Tropfen auf den immer heißer werdenden Stein.

„Langfristig einen vielleicht sogar noch größeren Effekt erwarte ich mir von der Digitalisierung und dem Trend zum Homeoffice“, meint er. Die gewaltigen Umwälzungen der Arbeitswelt durch die Corona-Pandemie könnten Bayern also unverhofft bei der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse helfen, das Leben außerhalb der Ballungsräume attraktiver machen und die völlig überhitzte Situation vor allem in München zumindest etwas abkühlen.

Fürth und Schwabach wachsen deutlich

In Nürnberg ist das Wachstum dagegen schon nahezu gestoppt. Hier wird bis zum Jahr 2033 sogar ein minimales Minus von 0,1 Prozent auf dann 518 040 Einwohner erwartet.Erlangen soll immerhin noch von 112.530 auf 114.100 Einwohner anwachsen, Fürth sogar von 128.500 auf 134.960 und Schwabach von 40.980 auf 42.430.

Rekordgewinne in Mittelfranken werden mit 22,2 Prozent für Hagenbüchach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) und mit 21,3 Prozent für Adelsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) erwartet, während der Zuwachs im Regierungsbezirk insgesamt bei 1,7 Prozent liegen soll.

Rekordverluste in der Region werden für Höttingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (-10,7 Prozent), Hemmersheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim (-11,6 Prozent) und Pretzfeld im Landkreis Forchheim (-8,0 Prozent) prognostiziert.

Landkreis Neumarkt legt zu

Für die Oberpfalz wird mit einem leichten Zuwachs von 1,4 Prozent gerechnet, der vor allem auf das Konto der Regionen Regensburg und Neumarkt geht. Im Landkreis Neumarkt können voraussichtlich vor allem die Gemeinden Deining (+15,7 Prozent) und Mühlhausen (+10,1 Prozent) zulegen. In der Grenzregion zu Tschechien werden hingegen deutliche Verluste erwartet. Die genauen Zahlen für jede Kommune Bayerns sind auf den Internetseiten des Landesamtes für Statistik abrufbar.

Insgesamt hat sich das Bevölkerungswachstum in Bayern durch die Corona-Pandemie deutlich abgeschwächt, vor allem weil die Zuwanderung erschwert wurde. Das Wanderungssaldo verringerte sich von einem Plus von 55.000 Menschen im Jahr 2019 auf nur noch 31.000 Menschen. Weil in Bayern zugleich mehr Menschen sterben als geboren werden, wuchs die Bevölkerung nur um 15.500. Schon für das Jahr 2021 wird wieder eine Steigerung erwartet, insgesamt schwächt sich der Trend aber ab.

Während die Bevölkerung Bayerns von 2005 bis 2019 noch um 5,3 Prozent wuchs, wird bis zum Jahr 2033 nur noch ein Zuwachs von 2,6 Prozent auf dann fast 13,5 Millionen prognostiziert. Zugleich wird die Bevölkerung immer älter. Während im Jahr 2019 noch 20,5 Prozent der Bayern mindestens 65 Jahre alt waren, werden es 2033 schon 25,5 Prozent sein.

Prognosen sollen Kommunen bei der Planung helfen

„Diese Entwicklungen sind nicht in Stein gemeißelt und können sich zum Beispiel durch die Ausweisung neuer Baugebiete ändern. Sie sind aber ein wichtiges Steuerungs- und Planungsinstrument für künftige Entscheidungen in den Kommunen“, betont Innenminister Herrmann.

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