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Auch Issoire steckt in der Corona-Krise

Die Menschen in Neumarkts Partnerstadt haben noch strengere Ausgangsbeschränkungen als hier - 01.04.2020 13:50 Uhr

Momentan wäre auch in Issoire ein Mittagessen im Grünen mit den Freunden aus Neumarkt, wie hier beim Partnerschaftsjubiläum im Sommer 2016, nicht möglich. © Foto: Alexandra Haderlein


Neumarkts Partnerstadt Issoire liegt zwar (noch?) abseits der Pandemie-Zentren im Elsass und den angrenzenden Regionen im Osten unseres Nachbarlandes. Aber der Corona-Virus und die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen auf das Leben der Menschen beherrschen die Meldungen der örtlichen Zeitung "La Montagne".

Die sind nämlich strenger als bei uns. Seit dem 24. März dürfen sich die Franzosen höchstens einen Kilometer von der eigenen Wohnung entfernen. Zum Nachweis muss jeder Jogger und Spaziergänger ein ausgefülltes Formular mit seiner Adresse bei sich tragen. "La Montagne" hilft mit dem Artikel "So berechnen Sie den Umfang eines Kilometers um Ihr Haus". Ein Tipp, der bares Geld sparen kann. Denn das Überschreiten der Ein-Kilometer-Zone kostet 135 Euro. Und dass französische Polizisten erstens nicht mit sich handeln lassen und zweitens die République Française unbarmherzig jeden Cent eintreibt (notfalls mit saftigen Säumnis-Zuschlägen), weiß jeder, der einmal dort falsch geparkt hat.

Soweit sind wir in Deutschland noch nicht. Aber ansonsten gleichen sich die Erfahrungen. Es gibt Erlebnisberichte aus der häuslichen Isolation und aus dem Home-Office (das dort "télétravail" heißt).

Experten warnen vor erhöhtem Alkoholkonsum (illustriert mit einer entzückenden älteren Dame, die ihrem Balkon-Nachbarn zuprostet), Lehrer und Schüler erzählen vom Unterricht per Internet. Es haben sich Nachbarschaftshilfen gebildet, die für Ältere oder eingeschränkte Menschen Einkäufe erledigen. Auch eine islamische Moschee-Gemeinde bietet ihre Hilfe an.

Daheim essen wie im Restaurant

Die meisten Geschäfte und Gastronomen haben geschlossen. Sie bieten nun Abhol- und Lieferdienste an. "Damit machen wir nicht den Umsatz, den wir eigentlich benötigen", sagt Gastwirt Georges Almeida. Aber einige Menschen hätten ihn darum gebeten. Sie wollten nicht selber kochen, sondern essen "wie in einem Restaurant". Er werde solange weitermachen, wie seine Lieferanten liefern können und die Umstände es zulassen.

Ein Flügel des Paul-Ardier-Krankenhauszentrums wurde speziell für Patienten mit Covid-19 eingerichtet. Schwere Fälle werden verlegt zur Uni-Klinik Clermont-Ferrand. Ach ja: Für die Kinder des Pflegepersonals haben die Kitas Notfallgruppen eingerichtet.

Schutzmasken sind auch in Issoire ein großes Thema. Die Lage hat sich entspannt, seit zwei Lieferungen in der Region eingetroffen sind – eine für das Krankenhaus und eine für die Pflegeheime. Und seit Beginn der Corona-Krise haben viele Schneiderinnen begonnen, Stoffmasken herzustellen und zu verschenken. Doch jetzt gehen ihnen die Vorräte aus und sie bitten um Stoff-Spenden.

Nur eines findet kaum öffentliche Beachtung. Dabei ist es eine politische Sensation. Denn zum ersten Mal in der Nachkriegszeit wurde ein Bürgermeister von Issoire in der ersten Runde der Kommunalwahlen gewählt. Am 15. März holte Bürgermeister Bertrand Barraud 66,73 Prozent der Stimmen und musste somit nicht in die Stichwahl.

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