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Bedarf an Krankenhausbetten steigt weiter

Kein Verständnis für Forderung nach Klinik-Schließungen — Im Landkreis rechtzeitig die Weichen gestellt - 04.01.2012 10:15 Uhr

Nach der Sanierung wurde aus dem früheren Freystädter Krankenhaus ein Seniorenzentrum. Dank der rechtzeitigen Bereinigung der Krankenhauslandschaft gab es hohe Zuschüsse für Neumarkt und das Klinikum ist heute gut aufgestellt. © Etzold


„Gerade am Beispiel der Kliniken Neumarkt und Parsberg können wir nur bestätigen, dass die Krankenhäuser ihre Hausaufgaben gemacht haben“, pflichtet Landrat Albert Löhner Thomas Reusche vom Vorstand der Deutschen Krankenhausgesellschaft bei. Und kritisiert wie auch Irene Vorholz vom Deutschen Landkreistag, dass ein Abbau von Klinik-Betten vor allem den ländlichen Raum treffen würde.

„Diese Äußerungen Straubs sind völlig deplatziert“, äußert auch Alfons Bauer, stellvertretender Vorstand des Neumarkter Klinikums, seinen Unmut. Tatsächlich müsse nicht abgebaut, sondern aufgestockt werden. Konkret ist geplant, die Intensivstation um sechs auf insgesamt 22 Betten auszubauen, zusätzlich soll eine neue Station „Intensivüberwachungspflege“ mit rund 20 Betten geschaffen werden (wir berichteten).

Immer mehr Patienten

Bauer belegt entsprechende Planungen auch mit Zahlen: So habe es im Schnitt der letzten fünf Jahre einen jährlichen Patientenzuwachs von 1,7 Prozent gegeben, vergangenes Jahr wurden 21700 Menschen aufgenommen. Und die Prognosen lassen erwarten, dass die Zahlen weiter steigen. Denn während derzeit von 128000 Landkreis-Bewohnern knapp 30000 Menschen älter als 60 Jahre sind, werde der Anteil bis zum Jahr 2020 — bei gleichbleibender Einwohnerzahl – auf 36000 steigen. Und mehr ältere Menschen bedeuten sicherlich nicht weniger Kranke, so Bauer.

Landrat Löhner erinnert an die großen Anstrengungen, die in den letzten Jahren unternommen worden seien, um wirtschaftlich zu sein. Mit Erfolg: Im Gegensatz zu vielen anderen Häusern, die mit Verlusten leben müssen — laut Krankenhausgesellschaft sind 65 Prozent der deutschen Kliniken in die roten Zahlen gerutscht — schreibt Neumarkt Jahr für Jahr ein Plus.

Die Grundlagen dafür seien nach Löhners Worten schon vor über zwei Jahrzehnten gelegt worden. Bereits 1988 — Löhner war damals Bürgermeister in Berching – habe es Gespräche gegeben, ob das frühere Stiftungskrankenhaus Berching überhaupt als Belegkrankenhaus zukunftsträchtig geführt werden kann. Als dann

1990 vom Kabinett das erste Bayerische Geriatrieprogramm beschlossen wurde, waren die weiteren Schritte schnell klar: Nicht mehr benötigte Akut-Betten konnten — mit staatlicher Unterstützung — in Reha-Betten umgewandelt werden, der Landkreis wurde mit ins Boot geholt, das Haus umgebaut und erweitert und schließlich 1996 unter die Regie der Helios-Kliniken gestellt.

Schnell folgte das Krankenhaus in Freystadt, das ohnehin nicht im bayerischen Krankenhausplan aufgenommen war, sondern lediglich einen Versorgungsplan mit den Krankenkassen ausgehandelt hatte. Aus dem Krankenhaus wurde ein Alten- und Pflegeheim, im Oktober 1997 schließlich wurde das runderneuerte „Seniorenzentrum Freystadt“ eingeweiht.

Dank dieser frühzeitigen Bereinigung der Krankenhauslandschaft — in Parsberg wurden die Weichen für

ein internistisches Fachkrankenhaus gestellt — war der Weg frei für die Eingruppierung des Neumarkter Kreiskrankenhauses in Versorgungsstufe drei, einem Haus der Schwerpunktversorgung. Damit gab es auch grünes Licht aus dem Sozialministerium für die beabsichtigte Generalsanierung — mit der entsprechenden finanziellen Unterstützung. Während viele andere Krankenhäuser zu einer Zeit investieren mussten, als sich der Staat aus

der Krankenhausfinanzierung nahezu komplett zurückgezogen hatte, bekam Neumarkt für die insgesamt fünf Bauabschnitte noch Zuschüsse zwischen 85 und 90 Prozent.

Mit der Umwandlung in ein selbstständiges Kommunalunternehmen wurden auch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um möglichst flexibel auf die Herausforderungen des Gesundheitssystem reagieren zu können. Löhner: „Heute sind wir mit leistungsfähigen, am Bedarf orientierten Einheiten optimal aufgestellt“. 

JÜRGEN DENNERLOHR

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