Schwerer Krankheit erlegen

Er war der Architekt des neuen Neumarkt: Johannes Berschneider ist gestorben

MOTIV: Portrait Wolfgang Fellner´, Redaktionsleiter NMN, Mitarbeiterportrait ; FOTO: Berny Meyer; honorarpfl. ABRECHNUNG: Pauschale ( ) / Einzeltermin ( X )..RESSORT: Lokales ZEITUNG: NN Ausgabe: HA ..DATUM: 27.07.2016; © BERNY 27.07.2016 Juli / berny-meyer@t-online.de / 0170 2015199 /..raiffeisen spar+kreditbank,91191 lauf ,kto. 247294, blz 76061025 / ..berny meyer, etlaswind 17, 91338 igensdorf..finanzamt forcheim, ..steuernummer 217/251/10410 steuer id 63-741-880-254........
Wolfgang Fellner

Neumarkter Nachrichten

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12.7.2022, 07:38 Uhr
Der bekannte Pilsacher Architekt Johannes Berschneider - hier mit seiner Frau Gudrun bei der Feier seines 60. Geburtstages - ist am Sonntag verstorben.

© Fritz-Wolfgang Etzold, Fritz-Wolfgang Etzold Der bekannte Pilsacher Architekt Johannes Berschneider - hier mit seiner Frau Gudrun bei der Feier seines 60. Geburtstages - ist am Sonntag verstorben.

Er hat Neumarkt ein frisches Gesicht gegeben: Wer das Oeuvre von Johannes Berschneider studiert, kommt bald zu diesem Urteil. Wohl kein anderer hat in der Jurastadt an prominenter Stelle so viele Bauten realisiert oder saniert wie der Architekt aus Pilsach mit Ehefrau Gudrun und seinem versierten Team.

Dazu zählt der Neubau des Unteren Tores, die Sanierung des Rathauses, das neue Willibald-Gluck-Gymnasium, der Busbahnhof, die FOS/BOS, die Turnhalle der Knabenrealschule, das Maybach-Museum, als Krönung das Museum Lothar Fischer. Und Wohnhäuser und Geschäftsbauten. Oder den Burgis-Kiosk für Messen und Volkfeste oder das goldene Bratwurtshäusel am Oberen Markt in Neumarkt. Und wenn er Zeit hatte, griff er zum Pinsel und malte - die Ergebnisse waren in mehreren Ausstellungen auch im Reitstadel zu sehen.

Pilsach treu geblieben

Johannes Berschneider wurde am 31. Mai 1952 in Pilsach geboren. Seiner Heimat blieb er bis zuletzt treu. Er absolvierte im Jahr 1978 ein Diplom in Innenarchitektur an der Fachhochschule Rosenheim und arbeitete im Anschluss für vier Jahre bei Wilhelm und M. Schlegtendal in Nürnberg. 1984 diplomierte er in Architektur bei Oswald Peithner an der Fachhochschule Regensburg. Ab 1984 war er Mitglied im Büro Berschneider & Knychalla. Im Jahr 2002 gründete er mit Ehefrau Gudrun das eigene Büro Berschneider + Berschneider in Pilsach.

Neben der erfolgreichen Arbeit als Architekt setzte sich Johannes Berschneider vor allem für den Dialog mit der Öffentlichkeit ein. Zum einen engagierte er sich im BDA, in dem er seit 1986 Mitglied war, zudem war er seit 2003 in der Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer. 2004 trat er dem bund deutscher innenarchitekten (bdia) bei. Den Vorsitz des Treffpunkts Architektur Niederbayern Oberpfalz (TANO) hatte er seit 2008 inne. Der Verband deutscher Innenarchitekten ernannte Berschneider ob seines Einsatzes 2021 zum Ehrenmitglied.

Bevölkerung für Architektur begeistert

Zum anderen rief er vor 21 Jahren die Vortragsreihe Architektur + Baukultur ins Leben, die seither Laien und Fachpublikum gleichermaßen begeistert und sechs Mal jährlich bis zu 300 Besucher nach Neumarkt lockt. Vortragsort ist das von Berschneider mit viel Liebe zum Detail sanierte Maybach-Museum. Im selben Jahr gründete er den ArchitekTourbus. Die Initiative, bei der auf einer Rundfahrt durch die Region unterschiedlichste Projekte diverser Bauphasen besichtigt und diskutiert werden, ist von zahlreichen anderen Büros übernommen worden und erfreut sich bayernweit großer Beliebtheit.

Idee vielfach übernommen

Auch die seit Jahren stattfindende und vielfach adaptierte Aktion „Baustelle betreten“ ist eine Idee von Johannes Berschneider. Hier können unterschiedliche Bauprojekte vor Fertigstellung besichtigt werden. All diese Initiativen haben den für viele abstrakten Bereich der Architektur als wichtigen Teil des eigenen Umfelds und der eigenen Kultur greifbar gemacht, lobte Matthias Franz, Vizepräsident des bdia, bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft vor einem Jahr: „Sie haben die Öffentlichkeit immer für Innenarchitektur und Architektur begeistert.“

In den wenigen stillen Stunden, die ihm blieben, griff Johannes Berschneider zum Pinsel und malte. Oft nächtelang, wie er bei einer Vernissage einmal verriet. 

In den wenigen stillen Stunden, die ihm blieben, griff Johannes Berschneider zum Pinsel und malte. Oft nächtelang, wie er bei einer Vernissage einmal verriet.  © FRITZ-W.ETZOLD, NNZ

Da war Johannes Berschneider schon schwer krank. Er litt an der Krankheit ALS, die nicht heilbar ist. Nerven und Muskeln werden unwiederbringlich geschädigt. ALS steht für amyotrophe Lateral-sklerose, eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Durch die Schädigung der zweiten Motoneurone kommt es zu zunehmender Muskelschwäche, die mit Muskelschwund einhergeht.

Diagnose lautete ALS

Architekt Johannes Berschneider aus Pilsach hat die Diagnose ALS im April 2020 erhalten. Angefangen hatte es mit leichten Gehbeschwerden zu Beginn des Jahres, sagte er in einem bewegenden Interview mit den Neumarkter Nachrichten. Die Ursache für die Beschwerden wurde anfangs nicht gefunden. Mitte April kam dann die Diagnose ALS.

Johannes Berschneider damals: "Ich habe bisher ein nahezu selbstbestimmtes Leben führen dürfen. Jetzt geht’s andersrum. Ich habe mein Schicksal angenommen und versuche, so lange es geht, eben das Beste draus zu machen. Eigentlich hab ich’s gut: unser Haus, unser Garten, unsere Mitarbeiter und vor allem eine tolle, starke Frau. Das hilft."

Im Rollstuhl zum Richtfest

Seither hat sich die Krankheit verschlimmert. Trotzdem nahm der Architekt noch am Leben teil, so gut es ging. Zuletzt kam er im Rollstuhl zum Richtfest des Hochschul-Baues im Herzen Neumarkts, am Residenzplatz. Keine Frage, aus wessen Büro die Pläne dafür stammen. Am 31. Mai dieses Jahrs hatte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Jetzt ist er am Sonntag, 10. Juli, verstorben.

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