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Erster ASV-Sieg auf hochkarätiger Tennis-Bühne

Weibliche Bayernliga-Aushängeschilder aus Neumarkt bezwingen DRC Ingolstadt - 29.06.2020 14:40 Uhr

Das 18 Jahre alte Mannschaftsküken Sanja Licinar konnte ihr Einzel gegen Ingolstadt nicht gewinnen, durfte sich aber mit den Mannschaftskolleginnen des ASV Neumarkt über einen unverhofften Sieg freuen. © Foto: Fritz Etzold


Die körperlichen Anstrengungen eines knapp zweistündigen Einzel-Duells in drückender vormittäglicher Schwüle spürte das Küken der Mannschaft erst hinterher. Zu sehr hatte sich Sanja Licinar zuvor in eine Aufholjagd verbissen, dabei immer wieder mit sich selbst geschimpft und dann doch nicht aufgegeben.

Behauptete sich die 18-Jährige einst beim FC Holzheim als Verteidigerin gegen die männliche Konkurrenz in der Fußballjugend, kommt auf dem Tennisplatz bisweilen ein stürmisches Gemüt zum Vorschein. "Ich wünschte, ich könnte mich in manchen Situationen besser beherrschen und muss daran arbeiten, positiv zu bleiben. Das kommt wahrscheinlich mit der Erfahrung", erklärt Licinar. Wie groß der Schritt vom kämpferischen und kraftvollen Nachwuchstalent, das vor drei Jahren erste Einsatzluft bei den Damen schnupperte, zur Stammspielerin in der dritthöchsten Spielklasse ist, zeigte sich gegen den DRC Ingolstadt auf besondere Art.

Ungewohnte Rolle

Statt wie gewohnt sie selbst war es nun  ihre sechs Jahre jüngere Herausforderin, die auf Position vier unbekümmert aufspielen konnte. Weil die Wolfsteinerin das Heft des Handelns mit zu viel Gewalt zurückerlangen wollte und dabei überdrehte, ging der erste Satz deutlich verloren. "Die Mädels müssen eben noch lernen, sich und ihre Energie im Zaum zu halten", kommentierte Trainer Walter Otto milde schmunzelnd.

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Um den Druck nicht zusätzlich zu erhöhen, sieht der Neumarkter Tennislehrer davon ab, seine Schützlinge direkt auf den Platz zu begleiten. "Da helfen sie sich untereinander." Otto begleitet die aktuell beste Generation der Vereinsgeschichte seit dem Grundschulalter, verweist stolz auf den Zusammenhalt seiner Gruppe, auch verkörpert durch die in Eigenregie organisierte einheitliche Wettkampf-Kleidung aus weißem Oberteil und rotem Rock.

Mit Mannschaftsführerin Alexandra Kiesl auf der Bank und unter den bestätigenden Aufmunterungen des Vaters hievte sich Sanja Licinar dann tatsächlich mühsam aus ihrem Loch. Dass sie in einem auf beiden Seiten fehlerbehafteten Finale hauchdünn an einem dritten Durchgang vorbeischrammte, akzeptierte die 18-Jährige, die parallel zum Berufsalltag im Verkauf eine Weiterbildung im sportlichen Sektor anstrebt, einigermaßen gefasst.  "Tennis ist schon ein Psycho-Spiel. Beim einen oder anderen Ball hätte es nur etwas Glück gebraucht. Das war schon mal viel besser als im ersten Saisonspiel. Und ein paar kommen ja noch."

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Zu diesem Zeitpunkt allerdings hätte der allgemeine Spielverlauf Anlass zur Enttäuschung gegeben. Im Gegensatz zum 2:7-Auftakt beim Titel-Favoriten in Fürth bedeutete die Aufstellung der ohne hochkarätige Auslands-Verstärkung angereisten Ingolstädterinnen eine realistische Siegchance für den Aufsteiger, der vor zwei Jahren ohne Punktgewinn gescheitert war sich beim neuerlichen Anlauf nicht auf dem formell garantierten Klassenverbleib ausruhen will. Glatte Erfolge von Kiesl und Marie-Celine Dohle nährten früh Hoffnungen auf einen Coup, ehe Sanja Licinar den Kürzeren zog und Franziska Lerzer in der Spitzenpaarung einen heftigen Dämpfer einstecken musste.

Anschließend nahm Übungsleiter Walter Otto mit zunehmender Sorge zur Kenntnis, wie den Gastgeberinnen eine vielversprechende Ausgangsposition für die Doppel zu entgleiten drohte. Ein kurzer Regenschauer bescherte zumindest Franziska Bräunlich die nötige Frische, während Melanie Renner lange nicht auf Betriebstemperatur kam. Beim Stand von 3:3 entlud sich die gesamte Spannung in einer beeindruckenden mentalen Vorstellung der Neumarkterinnen, die alle Doppel zum 6:3 holten. Der gemeinsame Golf-Ausflug am Vortag sollte Teamgeist und Nervenstärke nicht geschadet haben.

Ergebnisse: Einzel (3:3): Franziska Lerzer — Alicia Dinkelmeyer 1:6, 1:6; Alexandra Kiesl — Victoria Rauscher 6:0, 6:1; Melanie Renner — Emilia Schründer 4:6, 6:3, 5:10; Sanja Licinar— Valerie Witt 3:6, 5:7; Franziska Bräunlich — Lilly Häuslinger 4:6, 7:6, 10:8; Marie Celine Dohle — Romina May 6:3, 6:0.
Doppel (3:0): Lerzer/Renner — Dinkelmayer/Witt 1:6, 6:4, 0:6; Kiesl/Licinar — Rauscher/May 6:4, 6:1; Bräunlich/Dohle —
Schründer/Häuslinger 7:5, 6:3.

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