Freitag, 28.02.2020

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"Es wird kein reines Pflegeheim geben" in Lauterhofen

Potenzieller Träger und fachkundige Bürgerin berichten über geplante Einrichtung in Lauterhofen. - 01.01.2020 09:55 Uhr

Laut CSU-Marktrat Xaver Lang sei der Vertragsinhalt bei der Marktgemeinderatssitzung Mitte Dezember noch unbekannt gewesen und Informationen über den Investor fehlten. Der Marktgemeinderat vertagte deshalb eine Entscheidung (wir berichteten). Die Spekulationen der Bürger schossen daraufhin ins Kraut – manch einer sah in Lauterhofen eine vollstationäre Pflege in Form eines Alten-/Pflegeheims entstehen.

Tages- statt vollstationäre Pflege

Eveline Igl-Kraus will nun für Klarheit sorgen. Die Lauterhofenerin ist seit über 25 Jahren als Lehrerin für Pflegeberufe tätig und bekommt als diese viel aus den Einrichtungen im Landkreis mit. Sie weist darauf hin, "dass in Lauterhofen kein Alten- beziehungsweise Pflegeheim geplant ist. Es geht lediglich um eine Tagespflege und ein betreutes Wohnen."

Armin Bauer bestätigt dies auf NN-Nachfrage. Er ist Geschäftsführer der Pflege daheim GmbH aus Wiesenfelden östlich von Regensburg. Angedacht ist derzeit, dass sein Unternehmen die Trägerschaft nach der Umsetzung in Lauterhofen übernimmt. Doch anders als die Lehrerin für Pflegeberufe, Eveline Igl-Kraus, sieht Armin Bauer keine Notwendigkeit für ein an das Betreute Wohnen angedocktes Pflegeheim: "Die Senioren werden im Drei-Schicht-Betrieb im Betreuten Wohnen gepflegt."

Es sei also rund um die Uhr jemand für die geplanten 18 Plätze im Betreuten Wohnen (in WG-Form beziehungsweise eigenen Wohnungen) sowie die 15 Plätze der Tagespflege anwesend.

Das Personal dazu stellt die Pflege daheim GmbH selbst – überwiegend Pflegehilfskräfte (ohne Ausbildung) für das betreute Wohnungen; sowie Pflegefachkräfte für die Tagespflege. Weil sich die Pflege daheim GmbH wie alle Pflegedienstleister in Deutschland schwer tut, Personal zu finden, sucht sie ebenfalls im Ausland.

Hohe Fluktuation gefürchtet

Eveline Igl-Kraus fürchtet, dass die Pflegekräfte aufgrund fehlender Anerkennungen hierzulande "im wiederkehrenden Rhythmus" zurück in ihre Herkunftsländer gehen müssen, "um dann erneut in Deutschland arbeiten zu dürfen".

Armin Bauer widerspricht: "Innerhalb der EU gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die Arbeitskräfte dürfen permanent hier arbeiten. Aber natürlich kann es sein, dass jemand, der zuhause Familie hat, nach vier Wochen Schichtdienst für vier Wochen nach Hause fährt." Die langjährige Pflegelehrerin sieht nicht in der Herkunft des Personals ein Manko: "Im Gegenteil: Ich empfinde Menschen mit Migrationshintergrund, die ich ausbilde, als Bereicherung. Aber gerade ältere Menschen benötigen Bezugspersonen, zu der sie Vertrauen aufbauen können." Das gehe nur, wenn das Personal nicht so oft wechselt.

Ängste aufgegriffen

Eine weitere Angst der Lauterhofener greift sie ebenfalls auf: dass sich Otto-Normalbürger das Betreute Wohnen oder gar das sogenannte Appartementwohnen in Lauterhofen gar nicht leisten können.

Der Pflege-daheim-Geschäftsführer Armin Bauer verweist auf seine Einrichtung in Rettenbach (Landkreis Cham): "Die Versorgung, zu der Miete, hauswirtschaftliche Versorgung und Essen gehört, kostet dort 1300 Euro im Monat. Die Pflegekosten rechnen wir gesondert über die Pflegeversicherung ab."

Das letzte Wort in dem Vorhaben ist wie gesagt aber eh noch nicht gesprochen: Obwohl Bürgermeister Ludwig Lang schon bei der Marktgemeinderatssitzung Mitte Dezember warnte, "dass uns dieses Projekt durch die Finger rinnt", wenn man sich nicht sofort entscheide, sprach sich der Marktgemeinderat daraufhin für eine Vertagung aus.

Es bestehe aber, so das Fazit des Gremiums, "ausdrücklich" Einverständnis mit der Einrichtung einer Wohnanlage für Pflegedienste inklusive Tagespflege.

 

ALEXANDRA HADERLEIN

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