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Gier nach Bärlauch lässt Sammler in Buchberg rabiat werden

Die Jagd nach dem würzigen Trendgemüse treibt seltsame Blüten - 20.04.2021 09:38 Uhr

Ungefähr seit der Jahrtausendwende ist der Bärlauch bei uns ein begehrtes Wildgemüse. Er dient als willkommene Alternative für Knoblauch oder Schnittlauch.

16.04.2021 © Foto: Klaus-Dieter Schreiter


Ab und zu wird dann doch ein lohnender Bärlauch-Grund preis gegeben. Darunter auch das eine oder andere Fleckchen im Landkreis, das als Geheimtipp gilt. Zumindest, bis er im Internet offenbart wurde. Probleme mit wild gewordenen Sammlern gab es auch schon in Forchheim oder in Roth.

Allgemein bekannt scheint das Vorkommen am Buchberg bei Reichertshofen zu sein. Einige Sammler "von außerhalb" sind dort heuer bereits unangenehm aufgefallen. Bis in den Buchenwald hinein, über Stock und Stein, seien sie mit dem Auto gefahren, erzählt man sich im Dorf.

Die Gier nach dem Kraut

Die Gier nach dem Kraut treibt seltsame Blüten. "Die Sammler plündern immer die selben Plätze, wo es mal viel Bärlauch gab", sagt der Reichertshofener Max Schmidt. "In die Randbereiche, wo er auch noch steht, geht keiner rein." Er selbst streut sich auch mal gern Bärlauch aufs Frischkäsebrot.

Und wundert sich dabei immer wieder, dass früher, auch in seiner Kindheit, als im Frühjahr fast der ganze Wald am Südhang des Buchbergs eine grüne Bärlauchwiese war, kein Mensch das Lauchgewächs in der Küche genutzt hat. "Das Wissen darum ist offenbar irgendwann verloren gegangen."

Vor 25 Jahren hipp geworden

Vor rund 25 Jahren sei dann der Bärlauch, der früher im Jahr sprießt als Schnittlauch und auch intensiver schmeckt, plötzlich hip geworden. "Damals hat auch der Schuhbeck mit ihm gekocht."

Damit sich die Bestände nach der Ernte bis zum nächsten Frühjahr wieder erholen können, rät Max Schmidt dazu, nicht alle Blätter einer Pflanze wegzunehmen, sondern die kleineren stehen zu lassen. "Ganz abgerupft stirbt sie, weil sie keine Photosynthese mehr betreiben kann."

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In den Auwäldern der Donau bei Ingolstadt und Neuburg fühlt sich die Verwandte des Knoblauch besonders wohl, weiß der Reichertshofener. "Da gibt es tonnenweise Bärlauch." Die oft befürchtete Verwechslung mit dem giftigen Maiglöckchen, das ebenfalls eine weiße Blüte hat, hält Schmidt aber für eher unwahrscheinlich. "Maiglöckchen kommen erst im Mai, der Bärlauch als erste Würzpflanze des Jahres hingegen schon viel früher."

NICOLAS DAMM

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