Ideen zur Rettung des Dorfladens gesucht

1.2.2018, 15:36 Uhr
Mit einer Fragebogen-Aktion sollen die Wünsche und kreativen Anregungen der Kunden gesammelt werden, damit der Dorfladen in Oberwiesenacker weiter bestehen kann.

Mit einer Fragebogen-Aktion sollen die Wünsche und kreativen Anregungen der Kunden gesammelt werden, damit der Dorfladen in Oberwiesenacker weiter bestehen kann. © Foto: Jutta Riedel

Bürgermeister Bernhard Kraus lud die Bürger der Umgebung ein in die Wirtschaft, "von der Hoffnung beseelt", im Gespräch Impulse zur Rettung des Ladens zu erhalten. Kraus äußerte sich "positiv überrascht" über die stattliche Anzahl der Bürger. "Ein gutes Zeichen", meinte Kraus, "man sieht, das Thema bewegt hier". Der Dorfladen in Oberwiesenacker sei privat organisiert – Betreiber des Ladens ist das Ehepaar Feihl –, und damit "eigentlich nicht seine Aufgabe." Doch, so Kraus weiter, "wir kümmern uns um jeden Ort und schauen immer, wie wir die Versorgungssituation auf dem Land verbessern können".

So verwies er auf das neue Baugebiet "Zum Setzer", das in ein paar Jahre besiedelt sein wird. Es soll dann nicht heißen, es sei nicht alles getan worden für den Erhalt des Ladens. In erster Linie geht es Kraus darum, die Leute zu "sensibilisieren" und abzufragen, inwieweit ein Dorfladen in Oberwiesenacker weiterhin gewünscht wird. Die jetzige Kombination mit der Gastwirtschaft beurteilt Kraus als "prinzipiell sehr günstig".

Grundsätzlich anders sind die Rahmenbedingungen beim Dorfladen in Deusmauer. Dort hatte die Stadt das alte Schulgebäude gekauft, der Laden ist als Genossenschaft organisiert. Die Bürger hatten Anteile gezeichnet und Eigenkapital von 40 000 Euro zusammengebracht, zusätzlich gab es ein Darlehen von der Stadt (das zurückgezahlt werden muss), und Zuschüsse aus der Städtebauförderung.

Ein finanzielles Engagement für ein Privatunternehmen seitens der Gemeinde sei gesetzlich nicht erlaubt, so Kraus, außerdem sei der Laden "zum Tode verurteilt", wenn er nur mit Zuschuss der Gemeinde überleben könne. Aber: "Flankierende Maßnahmen und allgemeine Unterstützung können wir schon leisten", schloss er an, "alles, was wir legal tun dürfen, machen wir".

Kraus will mit den Eheleuten Feihl einen Fragebogen ausarbeiten, um Wünsche zu Öffnungszeiten, Sortiment und Angebot einzuholen. Jeder Haushalt bekommt einen Fragebogen, die Ergebnisse werden dann öffentlich bekanntgegeben.

Kraus bot ebenfalls an, den Unternehmensberater Wolfgang Gröll zu engagieren, der auch bei der Gründung des Dorfladens in Deusmauer beraten hatte. Die Kosten dafür könnte die Stadt übernehmen.

Der Laden soll weiter in privater Hand bleiben. Das Gebäude herauszulösen, sei nicht möglich. Kritisch sieht Kraus die Möglichkeit, den Laden zu verpachten, da müsse ja erst einmal die Pacht erwirtschaftet werden.

In Eigenregie

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es den Dorfladen, zunächst von drei Bauern betrieben, die hier ihre Produkte verkaufen wollten, sagt Chefin des Gasthofs, Berta Feihl. Das Ehepaar Feihl hatte damals eigens einen Ladenraum an den Gasthof angebaut.

Etwa 2001 haben die Bauern dann aufgehört, weil sich das Unterfangen nicht rentiert habe. Ein neuer Pächter wurde nicht gefunden, so entschlossen sich die Eheleute, den Laden in eigener Regie weiterzuführen mit Beschäftigten aus dem Ort. Drei Frauen wechseln sich bislang hier ab. Zu Beginn gab es wechselnde Öffnungszeiten, in den letzten fünf Jahren bis Ende 2017 war der Laden die ganze Woche über geöffnet, seit Januar 2018 versuchsweise von Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 8 bis 11.30 Uhr und samstags von 7 bis 11 Uhr.

"Im Prinzip" werde der Laden schon gut angenommen, umgesetzt werde auch viel, bestätigt die Chefin, aber vom Umsatz bleibe angesichts der Kosten kaum etwas übrig. Wirklich gut sei der Laden nie gelaufen, aber es blieb immer ein bisschen übrig. 2016 allerdings hatte das Geschäft Verlust verzeichnet, der aus der Privatkasse gestemmt werden musste. Berta und Georg Feihl hoffen jetzt auf Anregungen aus der Bevölkerung. Einstweilen wird der Laden noch nicht zugesperrt, versichert Georg Feihl. "Wir möchten schon, dass es weitergeht, aber nicht, wenn wir draufzahlen müssen".

Das Einzugsgebiet für den Laden umfasst Ober- und Unterwiesenacker mit Ober- und Unterweickenhof. Insgesamt sind das knapp 700 Bürger, in der Altersstruktur gut gemischt.

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