Mittwoch, 23.10.2019

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Infrastruktur im Bereich Neumarkt anpassen

Erreichbarkeit öffentlicher Einrichtungen war ein Thema des Planungsverbandes Regensburg - 14.04.2019 10:26 Uhr

Die Grafik wirkt ermutigend: In der „Region 11“ sind die meisten Einrichtungen und Dienstleister zumindest mit dem Auto schnell erreichbar. Ist man mit den „Öffentlichen“ unterwegs, sieht die Sache weniger gut aus. © Grafik: Spiekermann & Wegener/ NN- Infografik


Im regionalen Planungsverband Regensburg werden für die sogenannte Region 11, die von der geografischen Mitte Bayerns bis an die Grenze zur Tschechischen Republik reicht, das Zentrum des Dreiecks zwischen München, Nürnberg und Pilsen bildet und die Gebiete der Landkreise Cham, Neumarkt, Regensburg, den größten Teil des Landkreises Kelheim sowie die kreisfreie Stadt Regensburg umfasst, grundsätzliche Fragen erörtert.

Darunter war bei der letzten Sitzung im Saal des Neumarkter Landratsamtes auch die Fortschreibung des Kapitels "Soziale und kulturelle Infrastruktur". Dessen Erstfassung stammt aus dem Jahr 1988 – und ist folgerichtig allein aus Sicht der demografischen Entwicklung längst überholt.

Anfang August 2018 wurde vom Planungsverband die zeitgemäße Neuaufstellung des Themenkomplexes beschlossen und die Erstellung eines Gutachtens durch ein externes Fachbüro in Auftrag gegeben. Dabei sollte die Versorgungslage bei Einrichtungen und Dienstleistungsangeboten der sozialen Infrastruktur in der Oberpfalz analysiert werden.

In der aktuellen Sitzung stellte der promovierte Ingenieur Björn Schwarze auszugsweise die Ergebnisse dieses Gutachtens vor, das der Verbandsmitgliedern zeitnah auch komplett gedruckt vorgelegt werden soll. Gegliedert in die Themenbereiche "Bildung und Erziehung", "Gesundheit", "Betreuung und Beratung" sowie "Sonstige Dienstleistungen" haben Schwarze und sein Team eine Art Atlas für die Region 11 erstellt – vom Nahversorger bis zur (Fach-)Arztpraxis, vom Postamt bis zur weiterführenden Schule.

Dazu gehört auch ein grafisch aufbereiteter Erreichbarkeits-Index, aus dem verschiedene wichtige Eckpunkte hervor gehen: Einerseits ist in den genannten Kreisen die Erreichbarkeit vieler Anlaufpunkte des täglichen Lebens sehr gut. Man erreicht Supermärkte oder Grundschulen mit dem Auto oftmals in nur fünf Minuten; auch bei komplexeren Anforderungen, etwa wenn es um den Besuch von Gymnasium und Realschule geht oder um den Termin bei einem Fachmediziner, bleibt die Fahrzeit in der überwiegenden Zahl der Fälle deutlich unter einer Stunde – sofern man auf den Pkw setzt.

Dr.-Ing. Björn Schwarze stellte die Ergebnisse seines Gutachtens vor. © Hans von Draminski


Denn sofern man auf den ÖPNV angewiesen ist, verlängert sich die Frist, die man unterwegs zubringen muss, je nach Wohnort drastisch bis hin zur Unerreichbarkeit. Schwarzes Fazit daraus: Im ländlichen Raum ist das eigene Auto immer noch so gut wie unverzichtbar, weil das Netz der "Öffentlichen" nach wie vor nicht feinmaschig genug ist, alle Bedürfnisse adäquat abzudecken.

Dramatische Situation

Noch dramatischer könnte sich die Situation gestalten, wenn sich das in einigen Gebieten schon deutlich bemerkbar machende Sterben der Landarztpraxen fortsetzt. Gerade angesichts steigender Seniorenzahlen – die Zahl der über 75-Jährigen wird in naher Zukunft in der Region 11 durchschnittlich um mehr als 45 Prozent steigen – erscheint die Entwicklung alarmierend. In einem "Wegfall-Szenario", bei dem nur noch der jeweils zweitnächste Standort angesteuert werden kann (weil die Hälfte der Angebote aus dem einen oder anderen Grund wegfällt), tun sich voraussichtlich empfindliche Versorgungslücken auf.

Wie Björn Schwarze auf seine Zahlen gekommen ist? Bestehende Prognosen zur Demografie (Bevölkerungsentwicklung) wurden ausgewertet und hochgerechnet. Dies beinhaltet zwar die Möglichkeit, dass sich manche Entwicklungskurve anders als jetzt vorhergesagt gestalten könnte. In welche Richtung der Zug fährt, bleibt gleichwohl sehr ungewiss. Anpassungen also programmiert.

HANS VON DRAMINSKI

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