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Keine Biotop-Bäume, kein Dachs: Sengenthaler Gemeinderat lässt Vorplanung für Heuweg erstellen

Der Gemeinderat ist sich einig: Der Ausbau des Hohlweges am Winnberg soll angegangen werden - 04.04.2021 08:38 Uhr

Der Hohlweg sei bei nassem Wetter schlecht zu befahren, zudem sei er vor Jahren schon einmal verbreitert worden, erklärte Revierförster Alexander Mann dem Sengenthaler Gemeinderat. Wesentlich breiter müsse er gar nicht werden.

31.03.2021 © Foto: Wolfgang Fellner


Die Stimmung war im Vorfeld der Sitzung massiv angespannt. "Gerüchte und Lügen" seien im Umlauf, beklagten nicht nur Sengenthaler Gemeinderäte. Bürgermeister Brandenburger, der darum wusste, baute vor. Er dulde keine Störung der Sitzung, sagte er Richtung gut gefülltem Zuhörerraum. Er werde von seinem Hausrecht Gebrauch machen und jeden, der störe, der Halle verweisen. Außerdem: "Es ist untersagt, Ton- oder Videoaufnahmen von der Sitzung zu machen."


Hohlweg: Ausbau-Pläne sorgen für Protest


Danach hatte Alexander Mann das Wort, der Revierförster auf dem Winnberg. Der rekapitulierte den bisherigen Verlauf ausführlich: Die Jagdgenossen seien auf ihn zugekommen, dass die Waldbesitzer mit der Erschließung des Hanges nicht mehr zufrieden seien. Es fehle ein Weg, der ganzjährig befahrbar sei, um ins Holz zu kommen. Letztlich blieb als Variante nur, den Hohlweg auszubauen; der Weg am Bahndamm sei zu feucht, ein neuer Weg quer durch den Hang nicht realisierbar.

Waldbesitzer sind für Ausbau des Hohlwegs

Die Waldbesitzer seien letztlich mit dem Ausbau des Hohlwegs oder Heuwegs, wie er heißt, einverstanden gewesen. Dies sei auch die einzige Möglichkeit, vom Anger herunter ins Gelände zu kommen, zumal die Bauern für diese Fläche auch eine Grunddienstbarkeit besitzen.

Der Hohlweg sei kein Lebensraum, der in die FFH-Kartierung falle, sagte Mann. Der Heuweg sei bei nassem Wetter schlecht zu befahren, zudem sei er vor Jahren schon einmal verbreitert worden. Wesentlich breiter müsse er nun gar nicht werden, nur stellenweise massiv angehoben und mit einer Deckschicht befestigt, damit das Gefälle geringer werde und das Wasser ihn nicht weiter ausspüle wie bisher.


Naturfreunde kämpfen gegen den Ausbau


"Es geht da nicht um Gewinn-Maximierung", griff Mann einen Vorwurf aus einem Leserbrief auf. Die Bauern zögen derzeit mit ihren Traktoren die Stämme einzeln den Berg hinauf. Das ramponiere den Weg zusätzlich, koste viel Zeit und sei eine Umweltbelastung, "wenn die Traktoren unter Vollgas den Hang hinauf müssen". Das Holz aber müsse raus, da sei der Käfer drin. Geschehe dies nicht, sei da bald der Wald weg. "Die Waldbesitzer sind verpflichtet, das Käferholz herauszuschaffen."

Der Weg werde 3,5 Meter breit, links und rechts Bankette von jeweils 0,5 Metern, dazu ein Spitzgraben an der Hangseite, um das Wasser abzuleiten. Alle 50 Meter werde es zudem Querrinnen geben; zum einen, um das Wasser abzuleiten, zum anderen, damit der Weg nicht mehr davon geschwemmt werde. Was die Felsen angehe: "Es kann sein, dass da ein Stück weg muss." Aber "es wird nichts verschüttet oder gesprengt". Es handle sich um weichen Sandstein, "geht da die Baggerschaufel dagegen, fällt der in sich zusammen". Der Heuweg sei auch kein Bodendenkmal, sagte Mann, das sei auch kein natürlich gewachsener Fels. "Den Weg haben wir vor Jahren schon verbreitert."

Keine Biotop-Bäume, kein Dachs

Es gebe dort keine Biotop-Bäume und einen Dachs habe er auch noch nicht gesehen, sagte er, bezugnehmend auf Behauptungen der Naturfreunde, die gegen den Ausbau kämpfen. Es mache keinen Sinn, einen neuen Weg zu bauen, sagte er mit Blick aufArgumente von Grünen und Bund Naturschutz: Der Eingriff in den Wald sei dadurch viel massiver: "Es wäre Wahnsinn, was da gebaut werden müsste."

"Die Situation ist so verfahren", sagte Raimund König vom Arbeitskreis Natur und Umwelt Sengenthal. Es seien so viele Gerüchte in die Welt gesetzt worden. Er empfahl, sich mit den Gegnern des Projektes zusammenzusetzen, sie aufzuklären, was geplant sei, "dann kann man ihnen den Wind aus den Segeln nehmen".

Das wollte Revierförster Mann so nicht stehen lassen: "Wir haben mit allen gesprochen, wir hatten viele Anrufe und haben uns für jeden Zeit genommen, ihnen alles erklärt, was wir vorhaben". Die wussten alle, es werde kein Bauschutt verfüllt, sagte er, es werde keine Sprengungen geben. Einer der Anrufer habe ihm am Ende aber klipp und klar erklärt: "Wir werden alles tun, um das zu verhindern."

"Da wurden wider besseres Wissen Behauptungen in die Welt gesetzt", sagte Bürgermeister Brandenburger. Er zitierte aus einem offenen Brief. Da heißt es, dass Sengenthal schon dreimal im Bayerischen Rundfunk war wegen des Planes, den Hohlweg auszubauen. Das könne man auch auf Bundesebene haben, sollte die Gemeinde nicht von den Plänen lassen. Brandenburger: "Da könnte man schon von Nötigung sprechen."

"Da ist der Käfer drin"

"Da ist der Käfer drin, in zehn Jahren ist der Hang kahl", sagte ein Rat, der dort Wald besitzt: "Ich weiß nicht, ob wir das wollen." Die Replik galt einer Rätin, die sich dagegen aussprach, "den Schwerlastverkehr auch noch in den Wald zu holen". Er habe, sagte der Rat, kein Problem, das Thema zu diskutieren, "normal, nicht aber mit Lügen". Angrenzend an den Hohlweg geht der benutzte Weg derzeit weiter über seinen Privatgrund: "Ich kann den schon auch mit einer Schranke für die Reiter sperren", ließ er anklingen. Der Weg müsse saniert werden, sonst sei er nicht mehr befahrbar.

Am Ende entschied der Rat, einen Bauentwurf aufstellen zu lassen. Damit man wisse, was alles koste und wie und ob es machbar sei. Dann werde entschieden.

WOLFGANG FELLNER

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