Klinikum Neumarkt: Wirbel um den neuen Vorstand

19.6.2020, 05:23 Uhr
Wer wird im Oktober neuer Vorstand des Klinikums Neumarkt? Diese Frage wird voraussichtlich erst bei einer Sitzung der Kooperationspartner – des Landkreises Neumarkt und der Sozialstiftung Bamberg – abschließend geklärt.

Wer wird im Oktober neuer Vorstand des Klinikums Neumarkt? Diese Frage wird voraussichtlich erst bei einer Sitzung der Kooperationspartner – des Landkreises Neumarkt und der Sozialstiftung Bamberg – abschließend geklärt. © Foto: Kliniken des Landkreises Neumarkt i.d.OPf.

Am 1. April hatten Landkreis und Klinikum  den designierten Chef  Ralf-Michael Schmitz bekanntgegeben. Was damals unerwähnt blieb: Der Manager verließ seine letzte Wirkungsstätte als Chef des Klinikums Stuttgart nicht nur im Unfrieden, sein eigentlich bis 2021 laufender Vertrag wurde bereits 2016 aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den gebürtigen Osnabrücker wenig später wegen des Verdachts auf Betrug, Bestechung und Untreue Ermittlungen ein, berichteten damals Stuttgarter Medien.

Der 58-jährige Schmitz firmiert aktuell unter anderem als Chef einer Beratungsfirma namens "Minds" (Abkürzung für "Management Institut Dr. Schmitz"), deren Internetseite den promovierten Betriebswirtschaftler unter anderem mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigt. Schmitz leitete in der Vergangenheit unter anderem das Zentralklinikum Suhl (Thüringen) und eben das Klinikum Stuttgart.

Hier wurde Ralf-Michael Schmitz in einen Abrechnungsskandal verwickelt. Seit 2016 ermitteln Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung wegen Steuervergehen in Zusammenhang mit der "International Unit" (IU) des Klinikums. Dabei ging es um Medizintourismus wohlhabender Privatpatienten aus arabischen Ländern, etwa aus dem Arabischen Emirat Kuwait. Mehrere Beteiligte sind mittlerweile wegen des Verdachts auf Betrug, Bestechung und Untreue angeklagt.

Der Medizin-Manager Schmitz kam zudem ins Gerede, weil er trotz seiner ungeklärten Rolle in der Betrugssache von der Stadt Stuttgart eine hohe Abfindungszahlung kassierte und bei Eintritt ins Rentenalter zudem eine ansehnliche Apanage aus Stuttgarts städtischen Töpfen beziehen soll.

 

 

Fragt man den Neumarkter Landrat Willibald Gailler, dann steht bis dato nur fest, dass die Sozialstiftung Bamberg, eine Stiftung des öffentlichen Rechts, ihre Management-Expertise im Dienst des Neumarkter Klinikums einsetzen soll. Die Stiftung ist auch im Klinikum Bamberg federführend und schafft hier den Spagat zwischen Kosteneffizienz und am Menschen orientierter Humanmedizin.

Das habe zusammen mit anderen Faktoren den Ausschlag gegeben, sich für die Sozialstiftung zu entscheiden und mit dieser Ende Februar einen entsprechenden Vertrag zu schließen, erklärt Gailler.

Modernisierung und Renovierung

Zurzeit wird im Klinikum Neumarkt fleißig modernisiert und renoviert, an einem weiteren Operationssaal arbeitet man ebenso wie an einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach. Drüben in Parsberg baut der Landkreis das "Haus der Gesundheit" auf, bei dem die Sozialstiftung ebenfalls mit im Boot ist. Flankierend läuft die Umwandlung des früheren Parsberger Krankenhauses in eine Altenpflegeeinrichtung.

"In alle diese Prozesse ist die Sozialstiftung Bamberg jetzt schon eingebunden", führt der Landrat aus. Besonders wichtig – hohes Qualitätslevel und guter Ruf des Klinikums sollen gleichermaßen erhalten bleiben – ist laut Gailler der "Aufbau eines stimmigen und tragfähigen Personaltableaus", zumal nicht nur Geschäftsführer Peter Weymayr das Haus verlässt, sondern auch die Pflegedienstleitung wechselt. Der künftige Vorstand sei "nur ein Name unter mehreren", unterstreicht Willibald Gailler.

Der Landrat lässt in diesem Zusammenhang durchblicken, dass die Personalie Ralf-Michael Schmitz im Hinblick auf das neue, von der Sozialstiftung Bamberg in Abstimmung mit dem Landkreis Neumarkt zu bestellende Klinikums-Team "alles andere als in Stein gemeißelt" ist. "Es gibt keinen Vertrag mit Herrn Schmitz", betont Willibald Gailler auf eine entsprechende Frage.

Endgültige Entscheidungen würden in einer Sitzung am 21. Juli fallen, an der die Entscheidungsträger der Kooperationspartner teilnehmen. Danach dürfte feststehen, wer sich künftig Vorstand des Klinikums Neumarkt nennen darf.

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