Sanierungsarbeiten

Lärm am Bahndamm: Katharina die Große schüttelt das Gleisbett auf

4.6.2021, 15:00 Uhr
Die Arbeiter überwachen, dass Katharina die Große auch sorgfältig arbeitet. Wenn sie mit der Arbeit fertig ist, kommt ein Schienenlegezug zum Einsatz, der dann Schwellen und Schienen austauschen wird.

Die Arbeiter überwachen, dass Katharina die Große auch sorgfältig arbeitet. Wenn sie mit der Arbeit fertig ist, kommt ein Schienenlegezug zum Einsatz, der dann Schwellen und Schienen austauschen wird. © Wolfgang Fellner, NNZ

Der Name verpflichtet: Katharina die Große steht auf der Maschine, die sich ganz langsam, ohrenbetäubend krachend und scheppernd, über den Bahndamm Richtung Pölling schiebt. Die Deutsche Bahn Netz AG lässt das Gleisbett zwischen Neumarkt und Postbauer-Heng erneuern.

Im Zeitlupentempo über den Bahndamm

Wie ein gelber Lindwurm rollt der Bauzug im Zeitlupentempo über die Schienen. Vorneweg leere Waggons, die über Förderbänder verbunden sind. Über sie wird der Schotter, den die Maschine weiter hinten aus dem Gleisbett frisst, befördert, bis sie voll sind.
Hinter der Arbeitseinheit namens RPM-RS-900 hängen weitere Waggons. In ihnen lagert aufbereiteter Schotter, der ebenfalls über Förderbänder nach vorne befördert und wieder eingebaut wird.

Prunkstück aus Berlin

Katharina die Große: Das ist das Prunkstück der Spitzke SE aus Berlin, die die Arbeiten für die Bahn durchführt. Damit es nicht so staubt, wird das Gleisbett zuerst befeuchtet. Aus Düsen wabert dichter Wassernebel. Die Maschine hebt die Schienen samt der Schwellen vorsichtig an, eine große Kreiselscheibe mit Stahlfingern fegt scheppernd den Schotter vom Bahndamm. Zwei herabhängende Schächte saugen Steine samt Erde und Dreck ein und schicken sie in die Bunker.

Gleichzeitig rollen zwei Rüttler, die an der Maschine montiert sind, über den Bahndamm und verdichten den Untergrund. Eine mechanische Bürste fegt Steine von den angehobenen Schwellen, diese werden vorsichtig abgesenkt, während gleichzeitig aus einem Schacht aufbereiteter Schotter auf den Bahndamm spritzt. Die Stopfmaschine im anschließenden Wagenteil presst die Steine wieder zwischen den Schwellen fest.

Hohes Alter der Anlage

Beachtlich: Die Räder des Zuges drehen sich kaum. Sieht man, glaubt man. Doch plötzlich hat der Zug dann doch eine schöne Strecke zurückgelegt. 100 Meter schafft er in der Stunde, heißt es dazu bei der Spitzke SE. Es gibt noch viele weitere Daten, doch die müssen nicht sein.

Grund für die Erneuerung ist das hohe Alter der Anlagen, teilte die Bahn auf Anfrage mit. Die Bauarbeiten werden noch bis zum 21. Juni dauern. Dann sollte das 7,5 Kilometer lange Stück zwischen Neumarkt und Postbauer-Heng abgearbeitet sein.

Bei der Baumaßnahme werden rund 15500 Meter Schiene, 12700 Schwellen und 7000 Tonnen Schotter ausgetauscht, sagt ein Sprecher der DB in München Das ausgebaute Material wird auf einem Acker zwischen Pölling und Woffenbach gelagert. Der wurde eigens dafür vorbereitet: Ein Bagger schob das Erdreich ab, das deckten Arbeiter mit Folien ab, auf die Sand und dann ein Sand-Schottergemisch kam. Darauf wird nun der ausgebaute Schotter verschoben. Ist der wieder abtranportiert, kommen Schotter, Sand und Folie raus und die Erde wird wieder aufgebracht.

Der Bahndamm wird im Zuge der Gleiserneuerung nicht erneuert, sondern die Gleisanlage. Zur sicheren Betriebsabwicklung werden alle Bahnanlagen auf ihre ordnungsgemäße Beschaffenheit untersucht, sagt der Bahnsprecher. Art, Umfang und Häufigkeit der Untersuchung richten sich nach Zustand und Belastung der Bahnanlagen sowie nach der zugelassenen Geschwindigkeit.

Die Arbeiten derzeit sind vor allem eines: Unüberhörbar. Mit zahllosen Hupen werden die Arbeiter gewarnt, wenn auf dem zweiten Gleis ein Zug passiert. Auch nachts machen die Gleisbauer keine Pause, allerdings soll von 22 bis 6 Uhr auf akustische Warnungen verzichtet werden. Arbeiten laufen daher in dieser Zeit nicht im Gleisbett. Die Warnsignale nerven schon jetzt so manchen Anwohner: In den sozialen Medien finden sich zahllose Kommentare, teilweise recht boshafte, über die "nervige Huperei".

Wie die Züge derzeit fahren, können die Fahrgäste über die App „DB Navigator“, „DB Bauarbeiten“ oder im Internet unter www.bahn.de/aktuell sehen.

Keine Kommentare