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Freitag, 03.07.2020

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Linke und Neonazi geraten in Neumarkt aneinander

Nach der von Neonazis im Park gestörten Demo war es am Oberen Markt soweit - Polizei geht dazwischen - 27.06.2020 19:21 Uhr

Die Demonstranten trugen im Stadtpark ihre Forderungen vor. © Wolfgang Fellner


Der Ort war mit Bedacht gewählt: Vor den Überresten des Dietrich-Eckart-Denkmals, zu dessen Einweihung 1933 Diktator Adolf Hitler nach Neumarkt gekommen war, fand die Kundgebung statt. Die verschiedenen Redner listeten die Polizei-Übergriffe auf Migranten in Deutschland auf, prangerten die Morde des NSU und das Versagen der Polizei bei der Ermittlung an, brandmarkten rechte Seilschaften in Uniform, solidarisierten sich mit den US-Amerikanern, die nach dem brutalen Tod von George Floyd gegen Polizei-Gewalt auf die Straße gehen.

„Wir müssen Rassismus und Nationalismus unbeugsam bekämpfen“, forderte ein anderer. Die arbeitende Klasse werde vom System ausgebeutet, kein Arbeiter erreiche gesund das Rentenalter. Dazwischen gab es Rap-Songs auf Deutsch und Englisch, in denen die Polizei als willenloser Handlanger des Systems beschimpft wurde oder noch schlimmer.

Neonazis provozieren

Gebraucht hat es die Beamten, die ihren Dienst unaufgeregt versahen, trotzdem. Denn die SDAJler waren noch nicht mit dem Aufbau fertig, als eine Handvoll Neumarkter Neo-Nazi auf die Schanze kamen. Mit Megafon und deutlich auf Krawall gebürstet. „Zeckenschweine“ und „Schlampe“ brüllte einer zwei Frauen hinterher, „ihr Kanacken, Untermensch“ schrie ein anderer einen Teilnehmer der Demo mit etwas dunklerem Teint an. 
Worauf es vom Denkmal schallte: „Hoch die internationale Solidarität“, vom Rand des Stadtparks kam ein „hoch die nationale Solidarität“ zurück.

Zeigt her eure Persos: Die Polizei kontrolliert die Neo-Nazis im Stadtpark. © Wolfgang Fellner


Es flogen noch üblere Ausdrücke nach vorne zum SDAJ, aber die Beamten wahrten den Sicherheitsabstand. Was nicht einfach war, weil sich auch die linke Seite im Provozieren gefiel. Wie kommentierte ein unbeteiligtern Passant mit Blick auf die Rechten, die sich neben die Hainbuchen-Hecke gestellt hatten: „Die stehen wohl im Schatten, damit sie nicht so braun werden.“

Nach 60 Minuten war die Demo vorbei. Die Polizei war gerade beim Aufsitzen, als der erste Streifenwagen mit Blaulicht und eingeschaltetem Martin-Horn losschoss; die anderen folgten schnell. Die Fahrt führte nicht weit, endete am Oberen Markt. Hier waren Rechte und Linke aneinandergeraten, sollte dem verbalen Vorspiel im Stadtpark wohl ein non-verbaler Schlagabtausch folgen. Einer der Linken soll eine Kette geschwungen haben – aber bevor es ernst wurde, war die Polizei da und die Linken weg.  

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