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Dienstag, 01.12.2020

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Neumarkt: Wohin mit all den Ferkeln?

Schweinezüchter in der Oberpfalz schlagen Alarm: Preise im Keller, in den Ställen wird es eng - 27.10.2020 09:08 Uhr

Seit die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Deutschland vorgedrungen ist, müssen Bauern noch penibler auf Hygiene im Stall achten. Zudem wird es eng in den Ställen, weil immer weniger Schweine geschlachtet werden.

26.10.2020 © Foto: Sina Schuldt


"Die Situation ist für Züchter und Mäster sehr bedrohlich", sagt auch Werner Gollwitzer vom Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung am Amt für Landwirtschaft und Forsten in Schwandorf, das für den Landkreis Neumarkt zuständig ist. In den Schweineställen komme es zunehmend zu einem "Ferkelstau".

Normalerweise werde eine Sau bei einem Gewicht von 30 Kilogramm vom Mäster abgeholt, aktuell liege der Durchschnitt bei 42. "Das wird den Züchtern aber nicht bezahlt, im Gegenteil: Die Tiere wachsen, fressen, verursachen höhere Kosten. Und das bei drastisch sinkenden Erlösen", erläutert Werner Gollwitzer. Besonders fatal: Während auf der einen Seite Ferkel nicht an Mastbetriebe abfließen, bekommen trächtige Muttersauen schon die nächsten Ferkel.

Preise im freien Fall

Seit Beginn des Jahres ist der Preis für ein Kilogramm Schlachtgewicht im freien Fall. Im Frühjahr erzielten die Mäster noch 2 Euro, mit Corona rutschte der Preis auf 1,70 Euro, die drohende Schweinepest drückte ihn nochmal auf aktuell 1,27 Euro.

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Hinzu kommt, dass Hauptimporteur China aktuell kein deutsches Schweinefleisch mehr abnimmt. "Das betrifft vor allem Sonderteile wie Schnuffen und Ohren, die in China als Delikatesse gelten", führt Gollwitzer weiter aus. Die Angst vor einem weiteren Preisverfall sei gegenwärtig groß.

Strengere Auflagen für Nutztierhaltung

Die Zucht zu unterbrechen und so für Entspannung in den Schweinestellen zu sorgen, sei keine Option. Es dauere zu lange, den Betrieb wieder hochzufahren, das sei absolut unwirtschaftlich. Erschwerend komme hinzu, dass in den kommenden Jahren strengere Auflagen für die Nutztierhaltung umgesetzt werden müssen. Auch das, so Gollwitzer, werde die Betriebe viel Geld kosten. "Die Prognosen für die Branche sind schlecht", fürchtet er. Die Angst, dass die Schweinepest auf die Hausschweine überspringt, ist groß.

Gollwitzer ruft daher zu besonnenem Verhalten auf: "Man muss derzeit nicht auf deftigen Schweinebraten verzichten. Jeder kann jetzt einen Beitrag leisten, dass die Zukunft unserer Schweinehaltung nicht gefährdet wird." Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland bislang nur in Brandenburg nachgewiesen worden, für den Menschen ist sie ungefährlich.

PHILIP HAUCK

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