Neumarkter Kampfsportler üben jetzt kontaktlos

Kevin Gudd
Kevin Gudd

Neumarkter Nachrichten

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16.6.2020, 18:44 Uhr
Eine kleine Testgruppe der ASV-Ringer traf sich, um erstmals seit März wieder gemeinsam zu üben.

Eine kleine Testgruppe der ASV-Ringer traf sich, um erstmals seit März wieder gemeinsam zu üben. © Foto: ASV Neumarkt/Alexander Fröhlich

Selten genoss Alexander Fröhlich einen Muskelkater so. Das "schöne Gefühl" war Ergebnis der ersten gemeinsamen Trainingseinheit der ASV-Ringer in der Halle am Sportzentrum seit März. "Es war wichtig, wieder die Matten zu spüren", erklärt der Übungsleiter und 75-kg-Freistil-Spezialist. Vordergründig an den sportlichen Belangen interessiert, kitzelt die Rückkehr an die Heimstätte auch die sensible Seite der Kämpfer hervor. Weil statt des gewohnten Geruchs der Staub in der Luft hing, kam als erstes die Kehrmaschine zum Einsatz. Fröhlich registrierte erfreut, wie danach "schnell" die vertraute Atmosphäre Einzug hielt. Doch die Abläufe zeugten von einer veränderten Normalität.

Kontaktlos auf der Matte

Schließlich versuchte sich eine fünfköpfige Testgruppe daran, ein an das Corona-Konzept des Hauptvereins angelehntes und von der Vorstandschaft kurzfristig freigegebenes kontaktloses Programm auszuprobieren. Ohne die fürs Ringen essentiellen motorischen Partnergriffe mussten sich die Akteure auf der Matte in Abständen von zwei Metern und nach strikter Desinfektion mit turnerischen Fall-Übungen begnügen. Der Rest war klassisches Zirkel- und Krafttraining mit dem von Alexander Fröhlich formulierten Ziel, "ein paar Kilos runterzurollen".

Bis zu drei Mal pro Woche könnte der Stamm von 15 bis 20 Kräften schon bald an der Form arbeiten, wobei nicht allein die Plauderei in der Sauna noch fehlen wird. Während die Bundesliga-Runde im Herbst über die Bühne gehen soll und andere Landesverbände die Saison abgesagt haben, steht hinter der angestrebten Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs in Bayern noch ein großes Fragezeichen. "Letztlich müssten die Behörden vor Ort mitspielen", sagt Fröhlich, der sich eine Bayernliga-Saison ohne Zuschauer kaum vorstellen mag. "Das wäre für einige Klubs ein finanzielles Fiasko". In Neumarkt, das zumindest im Derby gegen Oberölsbach eine lukrative Kulisse von gut 500 Besuchern erwartet hätte, sieht Fröhlich nach Monaten der Praxispause vor allem die Verletzungsgefahr als gewichtigstes Kontra-Argument.

Näher an einer echten Wettkampf-Simulation wähnen sich derweil die Vereinskollegen aus der Box-Abteilung. Auf "80 bis 90 Prozent" taxiert Eranos Özdemir die Abdeckung der Bewegungs-Palette, die von Konditions- und Koordinationsarbeit bis zum Schatten-Boxen mit Luftschlägen aus zwei Metern Entfernung aufgeboten sein wird. Der Verzicht auf nette Aufwärm-Spiele mit Bällen könne die Vorfreude kaum beeinträchtigen, findet Özdemir, der "am liebsten vorgestern angefangen" hätte. Am heutigen Mittwoch will er sich "überraschen lassen", wie der Plan für einen geordneten Auftakt anläuft.

Von bis zu neun Sandsäcken, die zwischendurch desinfiziert werden, sollen gleichzeitig nicht mehr als drei in Betrieb gehen. Dafür haben die knapp zehn aktiven Erwachsenen in der restlichen ASV-Halle genug Platz, um sich anderweitig zu beschäftigen. Schweiß-Unterlagen sind wie Handschuhe oder Springseil selbst mitzubringen. Anschließend wird der Boden intensiv gereinigt. Anspruchsvoller, glaubt Özdemir, gestaltet sich die Aufgabe am Freitag, wenn es den natürlichen Berührungsdrang der Kinder zu bremsen gilt. Spätestens mit dem Aufbau des neuen Boxrings jedoch maximiert sich die Verlockung nach echten Vergleichen.

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