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Montag, 30.11.2020

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Neumarkter Schlossbad: Kommt ein Pufferspeicher geflogen

17,5 Tonnen Stahl am Haken - Wichtigster Bestandteil der Energiezentrale - 23.11.2020 09:49 Uhr

Da schwebt er ein: der Vakuum-Pufferspeicher für das Neumarkter Schlossbad.

21.11.2020 © Günter Distler


"Punktlandung.“ Uwe Gailler, Teamleiter Anlagenprojektplanung bei den Stadtwerken, ist hörbar zufrieden. Beim ersten Anlauf hat der Kran den Vakuum-Pufferspeicher punktgenau abgesetzt auf dem Betonsockel neben den Abluftkaminen. Eine Millimeterarbeit.

17,5 Tonnen wiegt der elf Meter hohe Zylinder. Sein Durchmesser beträgt 3,6 Meter. Er speichert Energie in Form von 63.600 Liter Warmwasser, die er bei Bedarf wieder abgibt.

Einen Vakuum-Pufferspeicher kann man sich dabei wie eine überdimensionale Thermoskanne vorstellen. Dank einer luftleeren, doppelwandigen Stahlhülle und Vakuumdämmung geht viel weniger Wärme verloren. „Nur ein Prozent statt zehn Prozent bei herkömmlicher Technik“, sagt Gailler.

Bäder, Knabenrealschule und Turnhalle erhalten Wärme

Mit der Aufstellung des Vakuum-Pufferspeichers ist die Modernisierung der Energiezentrale am Schlossbad weitgehend abgeschlossen. Mit einer Wärmeleistung von 3800 Kilowatt (kW) werden die beiden Bäder, die benachbarte Knabenrealschule und die Turnhalle versorgt.

 

Die beiden Blockheizkraftwerke, die von der Firma Burkhardt aus Mühlhausen gefertigt wurden, erzeugen darüber hinaus 440 kW Strom.

Dank des Pufferspeichers laufen sie immer mit dem höchsten Wirkungsgrad unabhängig vom aktuellen Energiebedarf. 
Die Anlage hat das Contracting-Team der Stadtwerke von Grund auf selbst konzipiert.

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Pufferspeicher für das Schlossbad

17,5 Tonnen Stahl: Der Vakuum-Pufferspeicher für das Schlossbad ist eingeflogen. Er kann bis zu 63600 Liter Warmwasser speichern.


Die Pläne stammen von der Ingolstädter Straße und auch der Aufbau erfolgt in Eigenregie. „Jede Naht schweißen wir selbst“, sagt Gailler. Wobei es einen gewissen Extra-Stress bedeutet, dass die Installation während des laufenden Badebetriebs erfolgte. 

OB Thomas Thumann (li.) und Stadtwerkechef Dominique Kinzkofer (re.) gingen Projektleiter Uwe Gailler zur Hand.

20.11.2020 © Foto: Günter Distler


Die Abwärme der Blockheizkraftwerke ist die hauptsächliche Energiequelle für den Pufferspeicher. Künftig soll auch überschüssiger Strom aus der Photovoltaik-Anlage am Pöllinger Bahndamm und den Windkraftanlagen der Stadtwerke verwendet werden. Power2Heat nennt sich das Verfahren. Mit einer Leistung von 1000 Kilowatt (kW) wird das Wasser im Speicher auf bis zu 90 Grad erhitzt. 

Nach dem Aufstellen des Vakuum-Pufferspeichers kann Anfang 2021 das Forschungsprojekt „StoEx2“ beginnen. Dabei handelt es sich um ein Pilotvorhaben des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung der Universität Stuttgart (IGTE), dem Projektträger Jülich (PTJ) und der Allgäuer Firma Sirch Tankbau GmbH, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bezuschusst wird.

Forschungsprojekt StoEx2 mit der Uni Stuttgart

Für die Forscher ist die Neumarkter Energiezentrale besonders interessant, weil aus der drei unterschiedlichen Energiequellen drei unterschiedliche Abnehmer mit ganz verschiedenen Spitzenlasten bedient werden. Der Pufferspeicher nicht nur ein dummes Fass, sondern ist das Herzstück der Anlage, der fortlaufend Energie speichert oder abgibt.

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Neumarkter Schlossbad: So weit sind die Bauarbeiten bisher

Kaum zu glauben, dass vor drei Jahren noch Neumarkts tiefstes Loch, an der Mühlstraße klaffte. Längst ist das Schlossbad Neumarkts größter Rohbau. Die Außenwände sind eingerüstet, warten auf die Fassade.


„Wahrscheinlich ist das Schlossbad das technisch komplexeste Gebäude in Neumarkt“, sagt OB Thomas Thumann. Die meisten Besucher dürfte dies kaum interessieren. „Doch wir liefern auch sonst in allen Bereichen“, so der OB. Er erwartet einen großen Ansturm über die Region hinaus.

HAUKE HÖPCKE

 

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