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Freitag, 07.08.2020

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Protest in Berching: "Die Juraleitung braucht kein Mensch"

FW-MdL Gotthardt: Verantwortung liege bei der Bundespolitik. BI-Appell an regionale Mandatsträger - 15.07.2020 12:00 Uhr

Die Gegner der Starkstromtrasse durch die Region zeigen sich besonders streitbar und machen ihrem Unmut nicht nur durch persönliche Präsenz, sondern auch durch eindeutige Transparenttexte Luft.

© Foto: Anton Karg


Um mehr zu erreichen, haben sich 21 Bürgerinitiativen zu gemeinsamen Aktionen zusammengeschlossen und unter anderem Tobias Gotthardt, FW-MdL, nach Berching zu einer Gesprächsrunde eingeladen.

Den Auftakt bildete ein offenes Schreiben, das den Neumarkter Nachrichten vorliegt. Darin wenden sie sich im Namen von mehr als 3000 Unterstützern an Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte aus Kommunen, die die Starkstromleitung tangieren könnte. Da nur Kommunen im Raumordnungsverfahren Einwände erheben können, seien jetzt die Mandatsträger gefordert, "im Sinne der Gesundheit der Anwohner zu handeln, unsere schützenswerte Natur zu erhalten und die Gemeindeentwicklung mit den einzelnen Ortschaften hin zu nachhaltigen und lebenswerten Wohn- und Arbeitsorten für unsere Familien voranzutreiben", heißt es in der "Handlungsaufforderung" der Initiativen. Sie verweisen auf mittelfränkische Nachbarkommunen wie Rohr, Büchenbach, Kammerstein, Schwanstetten, Rednitzhembach und Wendelstein, die auf dezentrale Eigenversorgung setzen. Wichtig sei der Umbau der Verteilnetze hin zum zellularen, intelligenten "smart grid".

Im Hotel Post in Berching gab es eine Gesprächsrunde mit MdL Tobias Gotthardt (Freie Wähler) mit 72 Teilnehmern aus dem Landkreis Neumarkt und aus Mittelfranken. Die Runde leiteten Micha Wild, Sprecherin BI Winterzhofen, und Klaus Aurbach von der BI Pollanten. Aurbach stellte die Fragen, die den BI-Aktiven auf den Nägeln brennen: "Wie können wir die Leitung verhindern und wie die Energiewende vorantreiben?"

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Alles, was Sie über die Stromtrasse wissen müssen

Der Netzbetreiber Amprion plant eine rund 450 Kilometer lange Hochspannungsleitung von Sachsen-Anhalt bis ins schwäbische Meitingen. Ursprünglich verlief der bevorzugte Trassenkorridor quer durch Ober- und Mittelfranken sowie durch die Oberpfalz. Im Juni 2015 präsentierte Wirtschaftsminister Gabriel einen neuen Verlauf.


Zunächst meldeten sich die Bürgermeister Martin Hundsdorfer, Ludwig Eisenreich, Peter Meier und Alexander Dorr, sie und ihre Stadt- und Gemeinderäte stünden voll hinter den Forderungen der Bürgerinitiativen.

Der Regensburger MdL Gotthardt sagte, er wolle die Anregungen der Menschen vor Ort in die Fraktion der Freien Wähler tragen. "Die geplante Juraleitung zwischen Raitersaich und Altheim ist Teil der bundespolitischen Orientierungslosigkeit beim Netzausbau", sagte er und fügte an: "Diese Trasse braucht kein Mensch". Sie diene letztendlich dem europäischen Stromverbund. Die Verantwortung sieht Gotthardt bei Bundesregierung und dem Bundestag, nicht bei der bayerischen Landespolitik.

Ziel: Energie-Autarkie

Nach Meinung der Bürgerinitiativen werde in Bayern in Bezug auf Erneuerbare Energien (EE) noch zu wenig getan. Windkraftanlagen könnten praktisch nicht ausreichend gebaut werden wegen der H10-Gesetzgebung, und weil Betroffenen sich dagegen aussprechen. "Bürgerwindräder" würden aber akzeptiert. Solaranlagen seien auch mit diversen Vorschriften behaftet, sollten aber ausgebaut werden, um in Richtung Autarkie zu kommen.

Berching und Mühlhausen hätten in Bezug auf EE bereits ihre Hausaufgaben gemacht, hieß es. Noch fehlten aber Speichermöglichkeiten und eine wirtschaftliche Technologie in Bezug auf Wasserstoff. Daran werde in Bayern bereits intensiv geforscht. "Bayern muss aber auch eine wirkliche Energiewende machen wollen", so Gotthardt. Und auch jeder Einzelne könne einen kleinen Beitrag durch Energieeinsparung leisten.

Ein Gedanke, der sich vielleicht realisieren lässt, war der, dass man zur Verhinderung der Ersatzleitung alle Gemeinde- und Stadträte, alle Bürgermeister, alle Landräte in der Region und zahlreiche Abgeordnete in Bayern und im Bund für die Thematik mobilisieren müsse.

Weiter war das "Recht auf öffentliche Beteiligung" beim Genehmigungsverfahren Thema. Die Initiativen wollen sich nicht mit "Webinare" abspeisen lassen. Um auf sich aufmerksam zu machen, könne man ja mal mit dem Bulldog nach Berlin fahren, meinte Leo Fuchs aus Sulzbürg.

Vorher hatten sich bei einem Treffen bei Wangen/Gemeinde Mühlhausen rund 200 Trassengegner mit großformatigen Transparenten aus der Region aus betroffenen Orten versammelt, denn bei Wangen würde die Trasse in einem Abstand von 400 Metern vom Dorf den nahen Wald auf dem Weg hinauf auf die Jurahöhen bei Döllwang/Gemeinde Deining durchtrennen.

ANTON KARG

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