Saber Junction 21

Tausende Soldaten üben in Hohenfels den Ernstfall

Gut abgesichert ist der Gefechtssstand der Stryker nahe der ehemaligen Ortschaft Kittensee, im Bildhintergrund zu sehen.

Gut abgesichert ist der Gefechtssstand der Stryker nahe der ehemaligen Ortschaft Kittensee, im Bildhintergrund zu sehen. © Paul Böhm, NN

Zu den teilnehmenden Nationen gehören zusätzliche Truppenkontingente aus Bosnien, Herzegowina, Bulgarien, Ungarn, Italien, Litauen, Moldawien, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich. Insgesamt sind es etwa 3800 Teilnehmer, die derzeit in Hohenfels üben.

Erstmals sind auch Soldaten der 3. Britischen Division in die Ausbildungseinrichtung der US Army nach Hohenfels zur Übernahme der Leitfunktion verlegt worden. Wie zu hören war, handelt es sich um eine Validiierungsübung des gemeinsamen multinationalen Bereitschaftszentrums der USA für das 2. (US) Kavallerie-Regiment /2 CR) und die 1. Combat Aviation Brigade (1CAB).

Das Ziel ist es, die beiden Brigaden auf dem bayerischen Truppenübungsplatz, der größten US-Ausbildungseinrichtung in Europa, eine Reihe von anspruchsvollen Missionen durchzuspielen, um sich für die Einsatzbereitschaft in möglichen europäischen und afrikanischen Krisengebieten zu qualifizieren, um den Verbündeten Sicherheit zu geben und das Bündnis der NATO zu stärken. Außerdem soll die Zusammenarbeit der 14 teilnehmenden Verbündeten und Partnernationen gefördert werden. Ein etwa 50-köpfigen Team des Hauptquartieres der 3. Britischen Division leitet und koordiniert dieses Mal die Ausbildung.

„In Hohenfels zu üben ist wie der Super-Bowl“

Für Major John Ambelang vom 2d Calvalry Regiment ist es wie der „Super Bowl“ wenn man nach Hohenfels zum Üben kommen kann, erzählt er in Kittensee, wo seine Einheit den rückwärtigen Gefechtsstand betreibt. „Das Gelände ist sehr abwechslungsreich strukturiert und sehr fordernd“. Es ist ein imposanter Übungsplatz mit immens vielen Möglichkeiten, die verschiedensten Trainingsszenarien abzubilden.

Man musste schon früh am Morgen nach Hohenfels kommen, um in das Übungsgelände zu gelangen. Herbstnebel hängt noch in den Wäldern zwischen Albertshof und Kittensee und es ist beunruhigend ruhig. Man hört zwar Hubschraubergeräusche und nur wieder den eigenen Motor. Frische Spuren führen hie und da in die Wälder, wo sich die einzelnen Einheiten ihre Gefechtspositionen eingerichtet haben.

Lautlos rollen die Stryker

Gesicherte Stacheldrahtsperren sind auszumachen. Um eine Waldecke kommen fast lautlos einige Stryker-Schützenpanzer gefechtsmäßig gefahren. Man winkt sich höflich zu und dann ist es auch schon wieder vorbei, obwohl sich auf dem Truppenübungsplatzgelände mehr als 3000 Soldaten draußen in der Box aufhalten. Im Zeltlager von Kittensee, dem Gefechtsstand der Stryker, gibt uns Hauptmann Fong einen kleinen Lagebericht.

Ein erstes Ziel ist ein Besuch der Stabs- und Versorgungskompanie der 3rd Squadron , 2nd Stryker Cavalry Regiments, das versteckt hinter Buschgruppen ihre Gefechtsstand samt Feldküche eingerichtet hat. Ein regennasse Spur ist der Wegweiser bergwärts. Ihr Chef, Major Tyler Inman berichtet, dass sich seine Einheit nicht nur um die Verpflegung zu kümmert, sondern auch noch eine ganze Menge militärischer Aufträge für die eigene Sicherheit zu erfüllen hat. Er erzählt, dass er erst drei Monate in Deutschland sei, aber er hoffe, dass seine Standzeit mindestens drei Jahre oder auch länger sein kann. „I like it, to stay here in Bavaria“, sagt er, obwohl er bisher auch am Standort Vilseck ziemlich eingespannt ist. „Ich mag die Leute, ich mag die Menschen, sie sind alle sehr freundlich zu uns“. Wir haben dies auf der Herfahrt von Vilseck wiederholt bemerkt, als man uns immer wieder zugewunken hat. Freilich einen Traum hätte der dann schon noch, und das wäre dann für ihn, einmal ein Besuch des Oktobrfestes, meint er lachend.

Aufgeweichter Boden

Wir verabschieden uns von ihm, als wären wir schon immer Freunde gewesen. Unser Weg führt zurück über aufgeweichten Boden zum Bus. Beim OP 19 (Operation-Point 19) in der Nähe der ehemaligen Ortschaft Pielenhofen scheint die Lage angespannt. Infanterie hat sich hinter Felsblöcken verschanzt und die Schiedsrichter schauen hinüber zum Schauerstein und warten mit einem Karton Pyrotechnik und Nebelkerzen unter dem Arm auf ihren Einsatz.

In der Nähe des Dorfes Albertshof an der westlichsten Ecke des Truppenübungsplatzes haben wir die Möglichkeit, einem Schwarm von „Black-Hawk“ Hubschraubern zuzuschauen, der sich gerade zu einem Einsatz aufmacht. Der Wind der Rotoren fegt über das herbstliche Gras und aus Richtung Raversdorf, Weidenhüll und Schwend mischt sich entfernter Gefechtslärm dazwischen. Es sind keine Panzermotoren, sondern nur das leichte Knattern von Maschinenwaffen, denn die Stryker sind fast lautlos bei dieser Übung in Hohenfels unterwegs. Man hört sie nicht, man sieht sie erst in letzter Sekunde, aber sie sind da.

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