Windstrom wird zu Wasserstrom

4.10.2014, 12:00 Uhr
Reservoir, Kraftwerk, Windpark: Die Darstellung erklärt die Kombination von Wind- und Wasserkraft.

© Grafik: MBS Reservoir, Kraftwerk, Windpark: Die Darstellung erklärt die Kombination von Wind- und Wasserkraft.

Alternativstromerzeugung unbedingt – nur nicht vor der eigenen Haustür: Pumpspeicherprojekte mobilisieren nicht nur im Freistaat sogleich Proteste. So auch im baden-württembergischen Gaildorf. Dort will die MBS Naturstromspeicher GmbH eine Prototyp-Pilotanlage hochziehen, gegen die Projektgegner bereits 2011 ein Bürgerbegehren initiiert haben. Doch die Gaildorfer sagten zu 57 Prozent „Ja“ zu dem Vorhaben, an dem das Sengenthaler Bauunternehmen beteiligt ist. Im inzwischen erfolgreich abgeschlossenen Genehmigungsverfahren gab es zwar insgesamt 900 Einsprüche, doch der Bauherr will das Vorhaben nicht gegen, sondern mit den Bürgern verwirklichen. „Wir haben extrem sorgfältig gearbeitet“, sagte Geschäftsführer Alexander Schechner im NN-Interview.

Das Konzept ist beeindruckend: Auf den Limpurger Bergen bei Gaildorf oberhalb des Kochertales sollen vier Windkraftanlagen mit je fünf Megawatt Leistung und einer Nabenhöhe bis zu 172 Meter entstehen. Doch die Windräder sehen etwas anders als herkömmliche aus: Am Fuß bekommen die Bögl-Türme bis zu 45 Meter hohe „Speicherfundamente“. Diese können bis zu 25 000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. An jedem Rad gibt es auf den Rodungsflächen Wasserbecken mit 15 000 Kubikmeter Volumen. Bergseits steht so ein Wasserreservoir von 160 000 Kubikmetern Fassungsvermögen zur Verfügung.

Der Bau von Türmen für Windkraftanlagen ist eine Spezialität der Firmengruppe Max Bögl.

Der Bau von Türmen für Windkraftanlagen ist eine Spezialität der Firmengruppe Max Bögl. © Edgar Pfrogner

Drunten im Kochertal soll eine geplante Flutmulde zu einem Speichersee mit einer Fläche von vier Hektar ausgebaut werden. Auch dort soll es Raum für 160 000 Kubikmeter Wasser geben. Zwischen den Windpark und das talseitige Reservoir soll ein Wasserkraftwerk geschaltet werden.

„Wirtschaftlich zu betreiben“

Bläst der Wind sehr stark zu Zeiten, in denen der Öko-Strom wegen eines Überangebotes auf dem Markt oder wegen geringer Abnahmemengen nicht im offerierten Maß gebraucht wird, dann kann die überschüssige Energie dazu verwendet werden, Wasser aus dem Tal nach oben zu pumpen. Herrscht Flaute bei entsprechendem Strombedarf, dann fließt Wasser talwärts und erzeugt mit Hilfe einer Turbine und eines Generators Strom.

Nach Geschäftsführerangaben ist noch unbestimmt, wann mit dem Bau der genehmigten Anlage begonnen werden kann. Die Pilotanlage könnte 2016/2017 in Betrieb gehen.

MBS-Chef Schechner versichert, dass die Pilotanlage „von Anfang an wirtschaftlich zu betreiben“ sei. Über das Investitionsvolumen wollte der Geschäftsführer allerdings keine Angaben machen. Auch im Hinblick auf Wirtschaftlichkeitsberechnungen blieb Schechner im Ungenauen. Die Erlöse aus der Windstromerzeugung würden 20 Jahre lang durch die Vergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aufgebessert. Der Strompreis für die Pumpspeicher-Erzeugung bilde sich dagegen auf dem Markt. Deshalb gebe es „Korridore für die Preiserwartung“. Alexander Schechner: „Es ist schwierig, eine Zahl zu nennen.“ Aber auch für die Gaildorfer Windkrafträder gilt die Faustregel: Nach rund 20 Jahren sind die Anlagen verbraucht und müssen ersetzt werden. Anders dagegen das Wasserkraft-System: Hier geht der Bauherr von einer Lebensdauer von 60 Jahren aus. Jedenfalls hat er sich das Gelände per Erbbaurechtsverträgen für diesen Zeitraum gesichert — mit einer Verlängerungsmöglichkeit.

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