Hochwasser-Rückhaltung

Zwei Becken schützen Woffenbach

30.7.2021, 10:14 Uhr
OB Thomas Thumann und  Ingenieur Ralf Dotzer halten den Plan für die Regenrückhaltung. Ewald Dotzer ist der Bauleiter der Firma Bögl. Werner Schütt vom Umweltamt ist zuständig für den Hochwasserschutz in der Stadt Neumarkt.

OB Thomas Thumann und Ingenieur Ralf Dotzer halten den Plan für die Regenrückhaltung. Ewald Dotzer ist der Bauleiter der Firma Bögl. Werner Schütt vom Umweltamt ist zuständig für den Hochwasserschutz in der Stadt Neumarkt. © Hauke Höpcke

Vielleicht fünf Zentimeter steht das Wasser im Altweihergraben, der sich hinter dem Kreis-Bauhof mit dem Irlsbach zum Woffenbach vereint. Doch wie schnell sich Rinnsale in reißende Gewässer verwandeln können, haben nicht zuletzt die verheerenden Hochwasser im Westen Deutschland gezeigt. Auch dem unscheinbaren Altweihergraben, trauen die Ingenieur einiges zu: Bis zu 1,10 Meter zeigt der Pegel an der Durchlaufdrossel an.

Bei einem Wolkenbruch wie er vor einigen Wochen im Stadtosten niederging, würden wohl Teile Woffenbachs unter Wasser stehen. Die beiden Becken der Hochwasserrückhaltung sollen dies verhindern oder zumindest deutlich abmildern. Sie fassen 18.000 Kubikmeter Wasser, nehmen im Notfall das Wasser aus einem 2,5 Quadratkilometer großen Gebiet zeitweise auf.

Deshalb ist es übrigens ganz in Ordnung, dass die Becken nach einem gewöhnlichen Regen trocken sind. schließlich sollen sie das Wasser eines so genannten hundertjährigen Ereignisses aufnehmen.

Neumarkt liegt in einem Talkessel an der europäischen Wasserscheide. Es gibt hier zwar keinen großen Fluss, doch viele kleine Gewässer, Nach der Überschwemmung in Pölling 1985 begann man mit der Entwicklung eines Hochwasserkonzepts und einem Entwässerungsplan. es wurden Hochwasserrückhaltebecken gebaut wie am Altweihergraben oder in Pölling am Dillberg, Regenrückhaltebecken etwa unter dem Parkdeck am Freibad und schließlich werden Bäche freigelegt wie der Leitgraben am Stadtpark beziehungsweise renaturiert wie der Maierbach bei Holzheim.

39 Millionen Euro hat dies bisher schon gekostet. 123 Millionen Kubikmeter Wasser können dadurch zusätzlich zurückgehalten werden. Das ende ist noch lange nicht erreicht. Das nächste Projekt ist der Reiterbach in Pölling.

Doch es gibt ein Problem: Auf überschwemmte Bäche kann man sich vorbereiten. Bei solchen Platzregen wie vor einigen Wochen ist dies nahezu unmöglich. "Diese Wassermassen kann keinen Kanalisation der Welt fassen", sagt OB Thomas Thumann.

Eine Gefährdungs-Analyse gibt es bisher nur für die Stadtteile Woffenbach und Pölling. "Wir wollen eine für ganze Stadt machen lassen, damit Bürger wissen wo sie gefährdet sind", sagt Werner Schütt, Leiter des Umweltamts.

Und sich rechtzeitig vorbereiten. Wenn nach einem Wolkenbrüchen die urbane Sturzflut kommt, so nennen die Experten es, wenn der Boden den Regen nicht mehr aufnehmen kann, der Kanal voll ist und das Wasser über die Straßen und Grundstücke fließt, bleibt kaum Zeit zu reagieren.

"Es geht um Menschenleben", sagt Schütt. Die größte Gefahr drohe in ausgebauten Kellerräumen. Wenn jemand schläft und nicht mitbekommt wie der Keller voll läuft, ist er dort gefangen.

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