1. April 1967: April, April – im Rathaus

1.4.2017, 17:00 Uhr

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Die Ungeduldigen, die den Aufmarsch der Gulaschkanone auf der Schweinauer Kaserne im Innenhof des Wolff‘schen Rathauses erwartet und zur „zehnten Wiederkehr des Bundeswehr-Einzugs in Nürnberg“ auf leckere Eintopf-Portionen mit ansehnlicher Fleischeinlage spekuliert hatten, sind auf einen Aprilscherz hereingefallen.

Denn die Bundeswehr feiert heuer keinen zehnten Geburtstag. Sie war schon im Mai 1956 mit der Standortkommandatur nach Nürnberg gekommen. Und den kochkundigen Stabsfeldwebel Gerhard Hungerling gibt es natürlich auch nicht.

Die ersten Hungrigen, die von der Großzügigkeit der Bundeswehr profitieren wollten, haben dem Vernehmen nach schon um 11 Uhr beim Pförtner des Wolff‘schen Rathauses nachgefragt, der seinerseits kein Spielverderber sein mochte und alle, die an seine Türe pochten, auf 13 Uhr vertröstete. Als die Mittagsstunde geschlagen hatte, kamen die Nürnberger in größerer Zahl, traten ohne Zögern durch die Einfahrt in den Hof und stutzten. Statt des erhofften Küchenwagens fanden sie nur zwei Autos: den Wagen von Oberbürgermeister Dr. Urschlechter und die Karosse des CSU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Oscar Schneider.

Viele kapierten sofort, daß an diesem Ort nichts Eßbares zu holen war und markierten erfolgreich den Fremden, der nur erschienen war, um Brunnen und Fassaden zu bestaunen. Die Verwandlung fiel einigen um so leichter, weil sie Kameras mitgenommen hatten, offenbar zu dem Zweck, das Heerlager im Rathaushof auf‘s Bild zu bekommen.

Die übrigen aber formierten sich zu einer Gruppe, die wie eine Art Schicksalsgemeinschaft vor dem Tor stand. Der eine zog ein Exemplar der Nürnberger Nachrichten aus der Tasche und las ein zweites Mal den Bericht, den er für bare Münze genommen hatte. Die anderen diskutierten über den Reinfall. Alle aber – das sei zu ihrer Ehre gesagt – lachten nach einer kurzen Erholungspause herzlich darüber, daß sie sich an der Nase hatten herumführen lassen.

Über dieses Spalier lachender Gesichter freuten sich auch Oberbürgermeister Dr. Urschlechter, seine Frau Lilo und Fahrer Heiner Esser, als sie das Rathaus verließen.

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