1. Februar 1971: Berg gegen Trichter getauscht

1.2.2021, 07:00 Uhr

© Ranke

Der letzte Träger der karnevalistischen Auszeichnung war Kanzleramts-Minister Professor Dr. Horst Ehmke, dessen Kopf im Vorjahr auf dem Hauptmarkt mit mittelfränkischer Weisheit gefüllt worden war.

Die Stimmung im Saal war anfangs mäßig. Der Applaus zäh. Vielen der Gäste steckte offenbar noch das Pressefest in den Gliedern. Und so gebot Trichter-Präsident Rolf Sperl, „um die Stimmung im Saal anzuheizen“, allgemeines Schunkeln. Die Kapelle intonierte „Wer soll das bezahlen?“ Eine Frage, die angesichts der Preisliste (eine Flasche Whisky 90 DM) durchaus berechtigt schien.

Dann war schon der Höhepunkt der Veranstaltung da: die Eintrichterung von Luis Trenker, dem Sperl gleich versprach: „Lieber Luis, wir werden Dich heute abend schon noch schaffen.“ Erst als der Delinquent auf der Bühne Platz nahm und der Trichter bereits drohend über seinem Haupt schwebte, wurde ihm eröffnet, warum ausgerechnet er unter 11 Anwärtern auserkoren worden war.

Zunächst habe man an Politiker gedacht. Aber die Vergangenheit lehrte, „daß allen, die wir bisher eingetrichtert haben, der Nürnberger Trichter nichts genützt hat“. Auch bei Max Merkel sei kein voller Erfolg zu verzeichnen gewesen, denn er habe den Club „zwar herauf, aber auch wieder heruntergebracht“.

Die Stimme des Meisters

Heuer, offenbar unvermeidlich, erschien in wallendem Mantel und braungelockter Perücke Albrecht Dürer auf der Bühne, den zwei Dinge „aus der Friedhofsruhe aufgeschreckt“ hatten: der doppelte Sieg des Clubs und die Eintrichterung von Luis Trenker. Die Stimme des Meisters kam manchem vertraut vor, und als Sperl das Inkognito lüftete, war der Jubel groß: OBM Urschlechter war es, der in Gestalt des Malers die Eintrichterung vornehmen wollte.

„Gsund schaust aus“, stellte Sperl fest, worauf der (Oberbürger-)Meister ein wenig schuldbewußt den Mantel zusammenraffte, bevor er nach der grünen, mit Pegnitzwasser gefüllten Gieskanne griff. „Ganz ruhig bleiben, Luis, stelle Dir vor, Du hast die letzten 30 Zentimeter vom Matterhorn vor Dir“ und zum Inhalt der Kanne: „Es ist nicht mehr ganz so, wie vor 500 Jahren. Sollt‘s a weng schmutzig sein, so mußt bedenken, es ist das Pegnitzwasser von 1971.“ – Nach diesen beruhigenden Worten gluckerte es und die mittelfränkische Weisheit schwappte durch den Trichter in des „lieben Loisl‘s“ Kopf.

Der hatte damit endlich nachgeholt, was ihm sein Vater schon vor langen Jahren angedroht hatte: „Bua, mir schicken Di nach Nürnberg, und da stecken‘s Dir an Trichter auf‘n Kopf. Da werden‘s Dir scho a bisserl Weisheit eintrichtern. Du Depp, Du.“ So nahm er strahlend die Urkunde als Ehrensenator des Trichters, die goldene Trophäe und einen Händedruck von „Dürer“ in Empfang (der erfreut feststellte: „Es hat was genutzt, der Händedruck ist schon viel stärker.“)

Dann traten die Pagen und Damen der Garde an. „Du kannst jede nun ein- oder zweimal küssen, Loisl.“ Der „Loisl“ begnügte sich mit einer Runde und Wangenküßchen. Und die Nürnberger, vom Trichterpräsidenten gepriesen als „Die Spanier Deutschlands, sie haben das meiste Temperament“, bemühten sich redlich. Sie steigerten den Applaus von Tempo eins (Klatschen) über Tempo zwei (Stampfen) bis zur Endstufe drei (Pfeifen, Klatschen, Stampfen).

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