12. April 1967: Ein Angriff auf die letzten Kolosse

12.4.2017, 07:00 Uhr

© Ulrich

Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter hat selbst tüchtig mitgemischt, damit die Einigung zustande kam. Die Travertin-Kolosse müssen verschwinden, noch ehe sie vollends "zugebaut" werden. Inzwischen ist der Umzug der Amerikaner auch schon weitgehend bewältigt, so daß die Hindernisse in der Landschaft in nächster Zeit von Bundeswehr-Pionieren in die Luft gejagt werden können.

Der Stadt Nürnberg und ihrer Wohnungsbaugesellschaft fällt damit ein Stein vom Herzen. Denn es ist nun gelungen, die große Unbekannte in der Bebauung von Langwasser zu lösen, noch ehe der Ersatzflugplatz für die Amerikaner bei Feucht einsatzbereit ist. Die Märzfeldtürme im Nordwestteil von Langwasser müssen beseitigt sein, bevor weitere Wohnhäuser in der nächsten Nachbarschaft die Sprengung vereitelt und kostspieligere Abbruchmethoden notwendig machen.

Für dieses Anliegen zeigten die Amerikaner viel Verständnis. Sie stimmten der Verlegung zu, während die WBG als Gegenleistung das einige hundert Meter vom alten Platz entfernt liegende Gelände planieren ließ, Versorgungsleitungen legte, ein Bürogebäude aufstellte und einen 40x15 Meter großen Hangar errichtete, der das offene Runddach ersetzt, unter dem die Männer der Wind um die Ohren pfiff.

Flugbetrieb geht weiter

Beide Teile sind mit der Lösung zufrieden. Der Flugbetrieb – durchschnittlich 100 Start und Landungen in der Woche – kann ungehindert weitergehen. Der Richtungsscheinwerfer, der jetzt noch auf einem Märzfeldturm montiert ist, wird heute oder morgen per Hubschrauber an seinen neuen Platz transportiert: auf ein 25 Meter hohes Rohgerüst; das neben dem Gebäude für die Flugleitung aufgestellt wird. Am meisten aber freuen sich die Amerikaner über den neuen, geschlossenen Hangar, der mehr einem Zelt denn einer Halle für Hubschrauber gleicht. "Darin kann man viel angenehmer arbeiten", versichert Sergeant Frank Darcy, der bis 1964 in Fürth stationiert gewesen und soeben aus Vietnam "heimgekehrt" ist.

Dipl.-Volkswirt Joseph Haas, der Direktor der WBG, und seine leitenden Mitarbeiter rühmen dagegen die unbürokratische Art und Weise, in der der NATO-Partner mithalf, den Umzug möglichst reibungslos über die Bühne zu bringen. "Wir hatten gedacht, es wäre schwieriger", erklären sie und freuen sich, daß alles klappt, auch wenn sie "ein Stück Geld" dafür ausgeben müssen. Schließlich kommt die Verlegung viel billiger als das mühsame Abtragen der Türme. Denn vor dieser Aufgabe wären sie eines Tages bestimmt gestanden.

Eines aber ist schon heute gewiß. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Nürnberg hat sich, als sie die Bebauung von Langwasser anpackte, nicht träumen lassen, daß sie deswegen sogar einen kleinen Flugplatz verlegen muß: für eine Baugesellschaft – auch von der Größe der WBG – wahrlich keine alltägliche Aufgabe.

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