13. Dezember 1968: Tausende erlebten Jubiläumszug

13.12.2018, 06:52 Uhr

© Kammler

Vor zwanzig Jahren gehörten manche, die gestern frierend und dennoch fröhlich am Straßenrand warteten, selbst zu den Hunderten von Jungen und Mädchen, die mit leuchtenden Augen ihre Lampions den Burgberg hochschwanken ließen. Vor zwei Jahrzehnten sah die Szenerie freilich etwas anders aus. Der Lichterzug führte damals über Trümmerfelder hinweg und an zerbombten Häusern vorbei. 1948 zogen zum ersten Mal in Nürnbergs Geschichte Schulkinder mit selbstgefertigten Laternen durch die Stadt.

Oberschulrat a. D. Otto Barthel hatte damals die schöne Weihnachtsidee geboren, die sich inzwischen zu einer liebgewordenen Tradition ausgewachsen hat. Im Laufe der Jahre wurde der Lichterzug immer länger, die Menge der Zuschauer immer größer, die Kunde der einmaligen Weihnachtsattraktion sprach sich immer mehr herum. Als weitere Sehenswürdigkeit kam als Höhepunkt das Krippenspiel in lebenden Bildern unterhalb der Walpurgis-Kapelle hinzu. Der gestrige Lichterzug machte seinem runden Geburtstag alle Ehre. Superlative gaben den Ton an: bitterste Kälte seit Jahren beim großen Ereignis, die meisten Kinder – es beteiligten sich rund 1.300 –, die schönsten Laternen – wie alle Jahre wieder.

Autofahrer zeigten viel fair play

Schon lange bevor sich die drei Züge zu ihrem „Auftritt“ formierten, gaben die Fußgänger in der Innenstadt den Ton an. Die Autofahrer trugen mit vier fair play dem Weihnachtszauber Rechnung. Sie nahmen unliebsame Umleitungen und Absperrungen in Kauf, ohne mit Hupkonzerten die feierliche Stunde zu stören. Die Eltern, Verwandten und Bekannten überbrückten die Wartezeit mit einem Bummel über den Christkindlesmarkt. Mit heißen Bratwürsten, Lebkuchen und gebrannten Mandeln ließ sich die ungeduldige Kinderschar vorübergehend trösten.

Doch dann war es endlich soweit: die Kerzen oder auch die mit Batterie betriebenen „Dauerbrenner“ erstrahlten, die Züge setzten sich in Bewegung, einer durch die Innenstadt, ein weiterer durch den Vestnertorgraben, ein dritter vom Tiefen Brunnen her durch das Himmelstor. Unter all den Nürnberger Kindern marschierten diesmal erwartungsvoll auch 34 „fremde“ Buben und Mädchen mit die 5. Klasse einer Volksschule in Bad Nauheim, die mit selbstgebastelten Laternen einen Schulausflug nach Nürnberg unternommen hatte.

Tausende von Zaungästen säumten hinter den Absperrungsseilen die Straßen. Viele waren von weit her gekommen, um das einmalige Ereignis zu erleben. Zwei Sonderzüge hatte die Bundesbahn eingesetzt, um all die Schaulustigen aus Frankfurt nach Nürnberg zu befördern. Ganz international war das Publikum auf den reservierten Plätzen unterhalb der Kaiserstallung. Das Goethe-Institut hatte eine Delegation hierher gesandt, damit die Ausländer aus aller Herren Länder einmal echt fränkischen Weihnachtszauber kennenlernen.

Auch sie führten wie unzählige andere Zuschauer als unentbehrliches Requisit eine Kamera mit, die den strahlenden Lampionzug für die Erinnerung festhalten sollte. Im milden Schimmer des warmen Kerzenlichtes, beim brausenden Orgelspiel aus den Lautsprechern am Straßenrand und angesichts des einmaligen Schauspiels auf der Burg, wo sich die Laternenträger als flackernde Kulisse für das Krippenspiel formiert hatten, war für ein paar Minuten etwas vom unverfälschten Zauber des Weihnachtsfestes zu spüren.

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