14. Juni 1969: Neues Warenhaus in der City

14.6.2019, 07:00 Uhr
Ein Blick auf die Baustelle, auf der nach einem ausgeklügelten System mit Fertigteilen gearbeitet wird. Die zweigeschossige Anlage erhält eine überdachte, klimatisierte Ladenstraße mit einer Schaufensterfront von rund einem Kilometer. Bis in vier Monaten soll das Einkaufszentrum im Herzen des neuen Stadtteils soweit vollendet sein, daß die Geschäfte bereits ihre Pforten öffnen können und die Bewohner von Langwasser ein vielfältiges Warenangebot vorfinden werden. Das Vorhaben soll neue städtebauliche Akzente setzen.

Ein Blick auf die Baustelle, auf der nach einem ausgeklügelten System mit Fertigteilen gearbeitet wird. Die zweigeschossige Anlage erhält eine überdachte, klimatisierte Ladenstraße mit einer Schaufensterfront von rund einem Kilometer. Bis in vier Monaten soll das Einkaufszentrum im Herzen des neuen Stadtteils soweit vollendet sein, daß die Geschäfte bereits ihre Pforten öffnen können und die Bewohner von Langwasser ein vielfältiges Warenangebot vorfinden werden. Das Vorhaben soll neue städtebauliche Akzente setzen. © NN

Dank einer ausgeklügelten Fertigteilmaschinerie schoß auf dem 45.000 Quadratmeter großen Areal zwischen dem Gemeinschaftshaus und der Breslauer Straße der Rohbau in Rekordzeit in die Höhe. In diesem Tempo wird es aber auch in der nächsten Zeit weitergehen, denn schon in vier Monaten soll „urbanes Leben“ im Inneren des Kolosses herrschen, dessen Außenfronten mit verschieden gestalteten Waschbetonplatten verkleidet werden.

Zwei hochragende Gebäude – ein Wohnhochhaus und ein Wohnheim – vervollständigen später einmal das Zentrum der Trabantenstadt, das in den Vereinigten Staaten für so interessant befunden wurde, daß das Modell „über dem großen Teich“ das ganze Jahr über ausgestellt wird.

Während 31.000 Quadratmeter auf Straßen, Wege und auf die 1.300 Parkplätze entlang der Glogauer Straße entfallen, liegt der Rest der Fläche unter Dach. In ihn teilen sich die Karstadt AG mit ihrem Warenhaus (6.000 Quadratmeter) und weitere 35 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Darunter befinden sich überregionale wie alteingesessene Nürnberger Firmen, die sich den Markt in Langwasser erobern wollen.

Eine 10 Meter breite, 160 Meter lange und über mehrere Eingänge zugängliche Ladenstraße – sie ist obendrein klimatisiert – ermöglicht dem Kunden einen ungestörten Einkaufsbummel: ob es draußen stürmt und schneit oder Hundstagshitze über den Häusern brütet. Die Höhenunterschiede helfen Rolltreppen überwinden. Gastronomische Betriebe im Obergeschoß mit dem Blick ins Innere runden das Bild des modernen Basars ab.

Zur Ladenstraße hin öffnen sich die Geschäfte mit mannigfachen Schaufenstervarianten. Zum Teil sind verschiebbare Glaswände vorgesehen, so daß der Käufer direkt in einen Laden ohne Tür treten kann, zum anderen handelt es sich um konventionelle Gestaltung. Glasvitrinen, schräg geschnittene Eingänge, zurückspringende Fassaden beleben das Bild.

Obwohl der Bau bereits durch die Architektonik innen und außen beeindruckt, möchte Dipl.-Ing. Horst Fink – er hat zusammen mit Dipl.-Ing. Albin Hennig die Gesamtplanung übernommen – noch einige hübsche Kleinigkeiten dazutun: einen Springbrunnen beispielsweise und Ruhebänke. Außerdem hat er einen „Anschlag“ auf die Stadt vor. Von ihr möchte der Architekt die Uhr bekommen, die vor dem Umbau am Bahnhofsplatz stand, um ihr im Langwasserzentrum einen Platz zu geben.

Ein weiterer Vorteil für den neuen 80-Mill.-Bau bringt die Lage. Er ist über Autobahn und Bundesstraße von den Bewohnern der Nachbargemeinden gut zu erreichen, aber auch die Verbindungen zur Stadt und in Langwasser selbst spielen eine sehr große Rolle. Zehn Omnibuslinien enden später im überdachten Busbahnhof an der Breslauer Straße. 1971 werden die beiden U-Bahnhöfe Breslauer Straße und Gemeinschaftshaus in Betrieb genommen, zwischen denen das Einkaufszentrum liegt.

Neben der guten Nachricht vom Richtfest gibt es eine zweite, nicht minder erfreuliche für Nürnberg. Die Karstadt AG will in der nordbayerischen Metropole nicht nur auf einem Bein stehen, sondern beschäftigt sich mit Plänen auch in der City ansässig zu werden, wobei sich ihr der bisher von der Dresdener Bank in der Karolinenstraße benutzte Bau als „Sprungbrett“ anbot. Inzwischen sind zahlreiche Grundstücke dazugekauft worden. In einem letzten Fall steht der Kaufvertrag vor dem Abschluß. Bis jedoch das Unternehmen mit genaueren Angaben über das gewaltige Bauvorhaben an die Öffentlichkeit treten kann, wird noch einiges Wasser die Pegnitz hinunterfließen.

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