15. Dezember 1965: Grundstein für Norishalle

15.12.2015, 07:00 Uhr
Aus der tiefen Baugrube, an der sich gestern Gäste und die BLGA-Mitglieder zur Grundsteinlegung versammelten, wird bis zur 100-Jahr-Feier in drei Jahren die neue „Norishalle“ wachsen.

Aus der tiefen Baugrube, an der sich gestern Gäste und die BLGA-Mitglieder zur Grundsteinlegung versammelten, wird bis zur 100-Jahr-Feier in drei Jahren die neue „Norishalle“ wachsen. © Gerardi

Geheimrat Dr. h. c. Ludwig Kastl, der Verwaltungsratsvorsitzende der Bayerischen Landesgewerbeanstalt, legte den Grundstein für die neue „Norishalle“ und das Grundbau-Institut. Für die drei traditionellen Hammerschläge benutzte er das gleiche Werkzeug, das schon 1892 bei der Grundsteinlegung für das Hauptgebäude verwendet worden war.

Das neue Haus am Marientorgraben soll ein Geburtstagsgeschenk werden: es ist bis 1969 zur 100-Jahr-Feier der Landesgewerbeanstalt fertig. Im leichten Nieselregen balancierten die Ehrengäste – Oberbürgermeister Dr. Urschlechter entbot den Glückwunsch der Stadt – auf Brettern in die aufgeweichte Baugrube hinab, wo unter einem geschmückten provisorischen Baldachin aus Stangen und Plastikfolien der Startschuß für den Neubau fiel.

Spätestens in drei Jahren wird am Marientorgraben Wirklichkeit, was bisher nur im Modell vorhanden war: die neue „Norishalle“ mit dem Museumstrakt (links) und dem Institutsgebäude.

Spätestens in drei Jahren wird am Marientorgraben Wirklichkeit, was bisher nur im Modell vorhanden war: die neue „Norishalle“ mit dem Museumstrakt (links) und dem Institutsgebäude. © Gerardi

Dipl.-Ing. Hans Kempter, der Präsident der Bayerischen Landesgewerbeanstalt (BLAG), registrierte stolz, daß zwei Drittel der Kosten aus eigener Kraft erwirtschaftet worden sind. Er wie Oberbürgermeister Dr. Urschlechter assistierten mit dem Mikrophon, als Geheimrat Dr. Kastl die Grundstein-Urkunde verlas. Mit den Hammerschlägen wünschte der Verwaltungsratsvorsitzende, daß der Bau mit Fleiß gelingen und ein Stein beim Aufbau des Vaterlandes sein möge, ebenso, wie er Deutschland gerne als Stein eines geeinten Europa sehen würde.

Die „Norishalle“ – sie hat von 1895 bis 1945 schon an dieser Stelle gestanden – und das Grundbau-Institut wurden von dem Fürther Architekten Heinrich Graber entworfen. Das 20 mal 70 Meter große und 10 Meter hohe Gebäude gliedert sich in zwei, durch einen Innenhof harmonisch zusammengefügte Teile. Zum Museumstrakt gehört im Erdgeschoß eine Halle für Sonderschauen der industriellen und gewerblichen Formgestaltung.

Um den Innenhof liegen die Räume für die mit dem Deutschen Werkbund betriebene Wohnberatung und Ausstellungsateliers. Das erste Stockwerk steht der ständigen Vorbildersammlung – eine Auswahl der einmaligen Bestände des Gewerbemuseums – zur Verfügung, während der Rest der Sammlungen nur den Fachleuten in den Studiendepots im ersten Untergeschoß zugänglich ist.

Das Grundbau-Institut aber bezieht mit seinen Büro- und Verwaltungsräumen den zweigeschossigen Bürobau. Die modernen Laboratorien liegen im ersten und zweiten Untergeschoß des gesamten Gebäudes, das zwischen dem Museumstrakt und der Bastionsmauer an der Pegnitz eine Tiefgarage erhält, in der 17 Autos geparkt werden können. Die getrennten Eingänge für das Museum und das Grundbau-Institut befinden sich am Marientorgraben.

In der neuen „Norishalle“ – so versicherte der Präsident – werde die Landesgewerbeanstalt der vor 100 Jahren gestellten Aufgabe erneut gerecht: gute Vorbilder aus Handwerk und Industrie möglichst vielen Menschen zu zeigen, weil dadurch schlichte Schönheit wiedergefunden werden kann und Formqualität erfreulicherweise ein immer wichtigerer Wirtschaftsfaktor wird

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