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16. September 1969: "Klein-Meran" am Ende

Die roten Reben "Vom Ludwigskanal" werden nun zum letztenmal geerntet - 16.09.2019 07:57 Uhr

Was für ein kleines Idyll! Willibald Schneider achtet sorgfältig darauf, dass keine Traube verschwendet wurde. Am Ludwigskanal entstand so ein echt Nürnberger Wein. © NN


Keine Frage, daß nach diesem heißen Sommer die Abschiedsernte in ihrer Qualität nicht die bitterste ist: zuckersüße Reben hängen an den Ästen. Das gibt einen Jahrgang!

Trotzdem: die Landwirtstochter Anni Schneider aus Dambach am Hesselberg und der gebürtige Nürnberger Willibald Schneider, Autosattler seines Zeichens, brechen ihre Zelte nur ungern ab. „Wir hatten uns hier eingewöhnt“, sagen sie, „aber wir sehen auch ein, daß wir für die Schlachthoferweiterung Platz machen müssen!“ Anfang Oktober ist es soweit. „Dann kommt die Raupe und nimmt alles mit!“

Das ist ein Hochgenuß: Willibald Schneider (links) ist auf die Stehleiter geklettert und pflückt Rebe für Rebe. Kein Wunder, daß auch Frau Anni (rechts) strahlt, wenn die Qualität geprüft wird. „Heuer sind‘s besonders süß, die Trauben“, sagen beide. Zum Abschied tut das wohl. © NN


Mit dem „Häusle“, Garagen und Unterstellplätzen fällt auch der Weinstock, vor fast zwei Jahrzehnten angepflanzt, „damit die Kunden in dieser Einöde etwas Grünes sehen!“. Von Jahr zu Jahr entfaltete sich das Rebengewächs mehr, kletterte hierhin und dorthin, und der Ertrag steigerte sich. 1968 wurden glatt 120 Liter Wein gekeltert und auf Flaschen abgezogen.

„Heuer wird's noch mehr!”, sinniert Willibald Schneider und schaut durchs staubige „Abbruch-Fenster“ auf die Rebenpracht hinaus. „Ein Glück nur“, meint er, „daß wir heuer vier Wochen früher mit der Lese dran sind, denn sonst wären wir ja mit den Bauarbeitern durcheinandergekommen!“.

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„Der Rotwein vom Ludwigskanal“ – so heißt sein Name auf dem eigens gedruckten Etikett – wird also noch einen 1969er Jahrgang zeitigen, in Fässern übersiedelt nach Allersberg, wo die Schneiders künftig ihre Autosattlerei weiterbetreiben. Dort wird er auch gekeltert und angesetzt.

Doch die Weinbauerei soll fern vorn Kanalhafen weitergehen: in der Rother Straße 5 in Allersberg gedeiht bereits ein sechsjähriger Ableger des alten Stocks; er trug einen halben Zentner Trauben schon im letzten Spätsommer. Dieser Rote gedeiht an der kleinen Roth – und nach diesem Flüßchen wird er wohl eines Tages auch seinen Namen haben. Die Kunden der Autosattlerei werden sich über ein solch feuriges Hausmacher-Erzeugnis freuen. Denn echter und roter geht‘s nicht.

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Doch zunächst müssen die (geschätzten) 180 Liter Wein vom Ludwigskanal heimgeholt werden, „hervorragend süß“, wie‘s die Schneiders erwarten. Dann heißt‘s, dem alt Stock Valet zu sagen. Er hat ausgedient.

csb

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