18. August 1968: Lernen beim Wandern

18.8.2018, 07:00 Uhr

© Bauer/Launer

Die Grünröcke mit Oberforstmeister Peter Link an der Spitze hoffen nur, daß ihr Werk nicht wie so manche Brücke oder Bank von üblen Burschen bald schon zuschanden gemacht wird.

Die wißbegierigen Großstädter verdanken den Lehrpfad von 3,8 Kilometer Länge der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die das Geld dazu gegeben hat, und dem Idealismus der Forstbeamten, die selbst mit Hand angelegt haben. Revierförster-Anwärter Reinhard Beck hat beispielsweise die Texte entworfen, die Schilder gefertigt, bemalt und aufgehängt.

© Bauer/Launer

Da liest der Wanderer: Hainbuche. Gepflanzt im Jahre 1860. Wird ganz selten über 150 Jahre alt; verlangt mittlere Standorte. Auf frischen, kräftigen Böden jedoch bessere Wuchsleistung. Geringer Lichtbedarf, mäßige Wärmeansprüche. Vorzügliche Heckenpflanze, Hartholz, bestes Drechsel- und Wagner-Holz. Dort sieht er: Irrhain des Pegnesischen Blumenordens. Seit 1644 waren mit diesen prächtigen Eichen, Hainbuchen, Lärchen große Flächen des Reichswaldes vor der Umwandlung (Spätmittelalter) in Kiefernbestände bestockt. Von Streunutzung verschont, kam es zu keiner Schwächung des Bodens wie im übrigen Reichswald.

So erfährt der Städter, wie es zum berüchtigten Steckerlaswald kam. So wird ihm erklärt, weshalb Ameisenhaufen hinter Gitter dem Zugriff von Füchsen und Menschen entzogen sind. So kann er sich sagen lassen, wie das schmutzige Abwasser aus Buchenbühl über Staustufen geleitet wird und nach drei Kilometern reichlich sauber dahinfließt.

Für den Lehrpfad wurde der berühmte Kundmüller-Steig ausersehen, der als vielbegangener Wanderweg schon ein Begriff ist. Fußgänger erreichen ihn von den Omnibus-Haltestellen in Buchenbühl und Kraftshof aus ebenso leicht wie Autofahrer, die ihren Wagen an der Rathsbergstraße beim Flughafen oder auf dem Verbindungsweg von Kraftshof nach Buchenbühl abstellen können. Auf der Mitte des Pfades befindet sich eine Hütte, die ursprünglich nur als Anschlagtafel gedacht war, von den Forstbeamten aber aus eigenem Antrieb überdacht worden ist, eine „überdachte Anschlagtafel“ gewissermaßen.

Oberforstmeister Peter Link und seine Mitarbeiter sind gerne bereit, Klassen oder andere Gruppen von Interessenten zu führen, damit jeder Wissensdurst gestillt werden kann. Sie dürfen hoffen, daß ihr Lehrpfad gut ankommt, denn im staatlichen Forst außerhalb Bayerns sind mit solchen Wegen schon schöne Erfolge erzielt worden. Solche Beispiele haben die Nürnberger auch ermutigt, einen zweiten Lehrpfad zwischen Moorenbrunn und Zollhaus anzulegen, der bis Mitte September begangen und bestaunt werden kann.

Die Männer des Forstamtes Nürnberg-Nord bitten inständig, ihre liebevolle Arbeit möge nicht vergebens gewesen sein. Sie fürchten die Zerstörungswut einiger Jugendlicher, die bisher in den Wäldern schon mehr kaputtgeschlagen haben, als Gutwillige dort errichten konnten. Wenn sich aber der Versuch mit dem Lehrpfad gut anlassen sollte, will Oberforstmeister Link weiter daran bauen. Er denkt sogar an einen Hochsitz, auf dem jeder Städter einmal einen Jäger mimen könnte – ein Erlebnis von seltener Art.

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