2. April 1967: Gäste aus dem Norden

2.4.2017, 07:00 Uhr

© Ulrich

Ihm gehört das alte Rentiergehege heute ganz allein. Der Nachwuchs zieht in einem neuen Pferch unweit der Adler-Bahnlinie seine Kreise: zwei weibliche und ein männliches Rentier , die den guten Ruf des Tiergartens als Pflegestätte dieser schwierig zu züchtenden Gattung anschaulich erhärten.

Über die vielfachen Probleme bei der Rentierhaltung berichtet eine kleine Schrift, die Tiergartendirektor Dr. Alfred Seitz jetzt als Sonderdruck der Reihe „Der Zoologische Garten“ herausgegeben hat. Für ihre drucktechnische Gestaltung zeichnet – als seltenes Beispiel innerdeutscher Zusammenarbeit – eine sächsische Druckerei verantwortlich, die Forschungsergebnisse, die darin veröffentlicht sind, hat Dr. Seitz in langandauernden Korrespondenzen mit zehn Tiergärten ausgearbeitet.

Überall macht vor allem die Ernährung Sorgen. Die in Freiheit lebenden Rene fressen Moos und Flechte, auch Fische und sogar Lemminge. In den zoologischen Gärten bietet man ihnen neben importierten Flechten – Nürnberg bezieht sie aus Wien – noch Knäckebrot und Haferflocken, dazu Laub, Salze und Kalk an. Doch noch immer liegen keine genauen Untersuchungen darüber vor, was ein hinter Gittern und Balkenzäunen lebendes Rentier nun eigentlich am liebsten mag.

Sind bei den Jungtieren oder den frisch importierten Exemplaren die Anfangsschwierigkeiten überwunden – meistens sind die Rene „verwurmt“ und leiden unter Fliegen – dann haben sie eigentlich das schlimmste schon hinter sich. Der Tiergarten am Schmausenbuck kann erfreut auf bemooste Häupter hinweisen: die Renkuh „Enare“ wurde zwölf Jahre alt, ehe sie im letzen Sommer an Altersschwäche und an den Wunden einging, die ihr einer der zahlreichen Nachkommen beigebracht hatte.

Der rabiate Sohn, der Zäune zu überspringen und sich dabei im Maschendraht einzuwickeln pflegte, wurde nach Berlin verkauft. „Da brauchten sie dringend einen kräftigen Hirschen“, freut sich Dr. Seitz noch heute. . .

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