2. August 1968: Weißspitze mit Kreuz versehen

2.8.2018, 07:00 Uhr

© Lang

Die Bergsteigergruppe verwirklichte damit einen Entschluß, den sie schon 1965 nach einer großen Unwetterkatastrophe in Osttirol gefaßt hatte. Die Österreicher waren von dem schönen Vorhaben so begeistert, daß der Zoll spontan auf alle Einfuhrabgaben verzichtete.

Die Reichelsdorfer Naturfreunde haben ihre engen Bande zu St. Jakob und dem Defereggental in Osttirol schon 1960 geknüpft. In den folgenden Jahren waren sie Stammgäste auf der Weißspitze, auf deren Gipfel sie 1962 eine Kassette mit einem Buch anbrachten. Als bei der Unwetterkatastrophe Angehörige von Tiroler Bekannten ums Leben kamen, waren sich die Bergsteiger einig: "Auf der Weißspitze soll ein Kreuz von uns stehen, als Dank für die vielen Bergfahrten, als Dank an die gastfreundlichen Menschen und an das Tal selbst, das unsere zweite Heimat geworden ist."

Der Österreichische Alpenverein und der Fremdenverkehrsverband freuten sich über die Idee. "Damit machen Sie den Menschen eine Freude und für Sie selbst ist es eine schöne Aufgabe", ermunterte der Vorsitzende des örtlichen Alpenvereins die Reichelsdorfer.

Das Kreuz wurde dann in zwei Etappen aufgestellt, denn schon vor sechs Wochen waren einige Naturfreunde ins Defereggental gefahren und hatten in einem kraftraubenden Aufstieg bei Regen und Schnee die Einzelteile und das Werkzeug in Richtung Gipfel gebracht. Doch auf diesem lagen noch anderthalb Meter Schnee, so daß das Kreuz in 2800 Meter Höhe eingelagert werden mußte.

Der zweite Versuch klappte dafür um so besser: auf dem Gipfel wurde die "Baugrube" ausgehoben; das Wasser für den Mörtel mußte vom Gschrittsee mit heraufgenommen werden, und während oben die ersten Arbeiten gut vorangingen, holten andere das Kreuz aus seinem Versteck. Das Kreuz der Reichelsdorfer Naturfreunde steht. Im nächsten Jahr, wenn es "abgewittert" und gestrichen ist, wird es vom Geistlichen von St. Jakob feierlich geweiht.

Verwandte Themen


Keine Kommentare