20. April 1967: Erinnerung an Adenauer-Besuche

20.4.2017, 07:22 Uhr

© Gerardi

Oberbürgermeister Dr. Urschlechter und die Stadtverwaltung haben in Schreiben an die Familie des Verstorbenen, an den Bundesvorstand der CDU und an den Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ihr Beileid zu dem Verlust ausgesprochen, der die Angehörigen und das ganze deutsche Volk getroffen hat. Viele Nürnberger aber werden sich gerade in den letzten Tagen an die vier Besuche von Konrad Adenauer in ihrer Stadt zurückerinnert haben, bei denen der Staatsmann ein ums andere Mal herzlicher von der Bevölkerung begrüßt worden ist.

Obwohl der erste Regierungschef der Bundesrepublik stets als Wahlredner nach Nürnberg kam, konnte er an dem Jubel der Menge ermessen, welcher Wertschätzung er sich mit den Jahren seiner Amtszeit erfreute.

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Nicht immer war der Politiker Adenauer den Nürnbergern so willkommen gewesen wie bei seinem letzten Besuch vor eineinhalb Jahren, bei dem seine Fahrt vom Flughafen zur Stadt einem Triumphzug gleichkam. Als der 89jährige im September 1965 stehend im offenen Wagen durch die Straßen fuhr, da brandete ihm Jubel von allen Seiten entgegen. Auf dem Weg zu seiner jetzigen Wahlkundgebung auf bayerischem Boden mußte er viele Hände schütteln, viele Autogramme geben und viele Komplimente ("Der Alte besitzt noch die alte Zugkraft") anhören.

Das war ein ganz anderer Empfang als bei Konrad Adenauers erstem Auftreten in einer Nürnberger Arena. Als der damalige Präsident des Parlamentarischen Rates im August 1948 vor den ersten Wahlen zum Bundestag im Holzmüller-Bau sprach, kam es zu Tumulten in der Versammlung. Bei der Abfahrt wurde der Wagen des Redners sogar mit Steinen beworfen. Dieses Erlebnis hat Adenauer nie vergessen, denn neun Jahre später sagte er in der Messehalle angesichts eines Geschenkkartons: "Diese Lebkuchen sind mir lieber als das, was ich damals in Nürnberg erlebt habe".

Der Kanzler sprach seinerzeit zwar selbst von „den Wandlungen, die hier vorgegangen sind“, aber für seinen Besuch bei einem außerordentlichen Landesparteitag der CSU im Juli 1957 waren größte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Bis zur letzten Minute vor der Ankunft wußten selbst die offiziellen Stellen der Stadt nicht, ob Adenauer mit einem Sonderzug oder einem Flugzeug eintreffen wird. Es stellte sich erst später heraus, daß der Sonderzug des Regierungschefs im kleinen Bahnhof Wendelstein abgestellt war. Auf jeden Schritt und Tritt war der Kanzler von Kriminalbeamten umringt; selbst beim Gottesdienst in der Klarakirche wurde die Bevölkerung im weiten Umkreis von ihm ferngehalten.

Ein denkwürdiger Satz fiel

Damals überraschte der Kanzler bei einer Hitze von 40 Grad im Schatten selbst seine Parteifreunde. Seine politischen Gegner aber schreckte er zum ersten Mal mit einem Satz auf, den er vier Jahre später in der Messehalle noch einmal wiederholen sollte: "Nie darf die SPD zur Macht kommen. Ihr Sieg ist gleichbedeutend mit dem Untergang Deutschlands!"

Trotz solcher Äußerungen nahm die Bevölkerung den großen alten Mann aus Rhöndorf bei seinem nächsten „Gastspiel“ noch herzlicher auf als zuvor. Im Mai 1961 kam der 85jährige direkt aus seinem Urlaubsort Cadenabbia zu einer Versammlung der jungen Union, um den Wahlkampf der CDU/CSU in der Bundesrepublik zu eröffnen. Er fuhr vom Flughafen durch ein Spalier von Menschen, in dem Fähnchen geschwenkt wurden und Beifall aufbrandete. Erstaunt sagt Konrad Adenauer: "Das hab ich nicht erwartet – gerade hier in Nürnberg nicht!"

Die Nürnberger aber jubelten ihm noch einmal zu, im September 1965. Sie grüßten herzlich und dankbar dem Mann, der die Bundesrepublik in glanzvollen Nachkriegsjahren geführt hat.

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