Freitag, 21.02.2020

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21. Januar 1970: Die hässliche "Plombe"

Auch in Friedenszeiten für Katastrophenfälle ausgestattet - 21.01.2020 07:33 Uhr

Die Betonwände des Färbertorbunkers heben sich häßlich von der Stadtmauer ab. © Kammler


Der Färbertorbunker wird ausgebaut. Dazu gehört einmal – nicht zuletzt im Hinblick auf das Albrecht-Dürer-Jahr – die Verkleidung des Betonklotzes, der zur Zeit noch einer häßlichen Plombe im Gesamtbild der Stadtmauer gleicht. Andererseits soll der Bunker, der durch den Abbruch des Schulhauses freigelegt worden ist, im Notfall der Bevölkerung Schutz bieten. Im "Atomzeitalter" bedarf er dazu einer besonders modernen Ausstattung.

Die Außenarbeiten können und sollen unabhängig von den Innenaus- und -umbauten beginnen, damit die Stadtbefestigung möglichst bald wieder ein einheitliches, zusammenhängendes Bild bietet. 1200 Quadratmeter Fassade wollen "versteckt" sein. Das Dach bekommt "stilgerechte Ziegel". Nach den bisherigen Planungen sind dafür die Sandsteinquader des abgebrochenen Färber-Schulhauses vorgesehen.

In dem Bau aus dem 2. Weltkrieg, der jetzt nach den Sicherheitsbestimmungen des ABC-Schutzes restauriert wird, finden im Notfall über 500 Personen Platz – nach den neuesten Plänen könnte er sogar 700 Menschen Schutz und Sicherheit bieten. Diese nach modernsten Erkenntnissen ausgestatteten Unterkünfte sind auch in Friedenszeiten für mögliche Katastrophenfälle von großer Bedeutung. In ihnen können Familien Aufnahme finden, die durch größere Unglücksfälle obdachlos geworden sind oder evakuiert werden müssen.

Alles Lebensnotwendige untergebracht

Auf 900 Quadratmetern Nutzfläche wird im Färbertorbunker alles Lebensnotwendige untergebracht – von einem Vorrat an Trinkwasser (14 cbm) über einen Tiefbrunnen, eine Wasseraufbereitungsanlage, Lebensmittel und Erste-Hilfe-Ausrüstungen bis zu Belüftungsanlagen, Filter für verseuchte Luft (ABC), einem Notstromaggregat und einer Batterieanlage, für den Fall, daß nicht nur die Stromversorgung über das Netz, sondern auch die Dieselmotoren der Notstromversorgung ausfallen. Ein Drittel Liegeplätze und zwei Drittel Sitzplätze werden in den drei Stockwerken eingebaut, von denen eines unter der Erde liegt.

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Einen öffentlichen Schutzraumbau mit dieser kompletten Ausstattung besitzt Nürnberg bereits – den Katharinenbunker. Dort hätten sich im vergangenen Jahr schon die Zeugen Jehovas während ihres großen Kongresses einquartiert, wenn ihre anderen Unterkünfte nicht gereicht hätten. Es wäre für die zuständigen Stellen eine gute Übung gewesen.

E.S.

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