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3. August 1970: Der Heimat den Rücken gekehrt

CSSR-Schönheitskönigin 1969 bittet in Nürnberg um Asyl in der Bundesrepublik - 03.08.2020 07:00 Uhr

Die schöne Kristina dreht am berühmten Ring des Schönen Brunnens. Sie tat es schon einmal und die Sage erfüllte sich, sie kam wieder.

© Ulrich


Kristina war bei der Wahl der Miss Nürnberg, Monika Rauscher, in der Meistersingerhalle anwesend und seit dieser Zeit schätzt sie die Stadt. Das 20 Jahre alte Mädchen mit den Traummaßen 94, 58, 90 hat ihrer Heimat den Rücken gekehrt und ist seit einigen Tagen im Ausländerlager Zirndorf. Dort wartet sie darauf, in der Bundesrepublik Asyl zu bekommen.

Die Schöne aus der CSSR kommt jetzt gerade aus den Vereinigten Staaten. Sie nahm dort an der Wahl zur Miß Universum in Mami Beach teil und konnte sich aus 68 Bewerberinnen unter den ersten 15 platzieren. Auf der Wahl zur Miß Expo 70 in Osaka wurde die Blonde aus der Slowakei immerhin Zweite. Auf dem Rückflug von New York in die Heimat verließ Kristina in Nürnberg das Flugzeug. Hier will sie bleiben.

Eine romantische Stadt

Sie findet, daß Nürnberg eine sympathische und romantische Stadt ist. Mit der deutschen Sprache ist es allerdings noch nicht weit her. „Grüß Gott“ und „Prost“ bringt sie schon heraus, aber das reicht noch nicht ganz. Als Dolmetscher hat Kristina einen Freund aus der Heimat, der vor etwa drei Wochen unter abenteuerlichen Umständen nach Nürnberg kam und der nun gleichfalls in der Bundesrepublik leben möchte, Einen „Job“ in Nürnberg hat er schon, der Ivan Hlavac, der. wie seine Bekannte, ein Slowake ist.

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„Irgendwie sind es immer politische Gründe, wenn man seine Heimat verläßt“, sagt Kristina und lächelt dazu. Verfolgt – nein, verfolgt wurde sie nicht gerade. Aber da ist die Sache mit dem Film, der während der Dubcek-Ära noch gedreht wurde und in dem sie eine Hauptrolle spielte und der bis heute keine Premiere hatte. Der auch wahrscheinlich in der Tschechoslowakei so schnell nicht gezeigt werden darf. Und da ist das Interview, welches das Starlet einer Zeitung gab und in dem Kristina sagte, daß sie in ihrem Leben ein einzigesmal geweint habe. Damals nämlich, als Dubcek entmachtet wurde. Es paßt ihr halt, so scheint es, die ganze Richtung nicht.

Hoffnung auf Aufträge

Als nächstes will Kristina Hanzalova so schnell wie möglich die deutsche Sprache erlernen. Sie hofft auf Aufträge als Fotomodell und Mannequin und sie glaubt, daß sie eines Tages wieder in ihrem Beruf als Schauspielerin arbeiten kann. Sie war an einer Bühne in der Ostslowakei engagiert und sie hatte schon einige Rollen beim tschechischen Fernsehen.

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Kalenderblatt: Nürnberg im August 1970

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Ihre Eltern ließ Kristina in Vranov, einer slowakischen Kreisstadt von 15.000 Einwohnern zurück. „Dort gibt es die hübschesten Mädchen der Welt“, schwärmt Begleiter Ivan. Nun ja, ein Beweis dafür lebt nun mitten unter uns.

H. L.

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