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4. März 1971: Kernkraftwerk soll Strom liefern

Ständige Verteuerung von Heizöl und Kohle zwingt Großkraftwerk, Franken AG zum Handeln
- 04.03.2021 07:00 Uhr

Imponierende Anlage des Großkraftwerks Franken II in Frauenaurach.

03.03.2021 © NN


Die Großkraftwerk Franken AG (GFA) will ihr Vorhaben mit einem Partner verwirklichen. Bisher sind noch keine Entscheidungen gefallen; es läßt sich jedoch absehen, daß der Baubeschluß spätestens 1972 gefaßt werden dürfte. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird dieses Kernkraftwerk, das auf Uranbasis arbeiten soll, in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts in Betrieb gehen und zur Versorgung der Bevölkerung beitragen.

Die Leistung dieses Kraftwerks liegt voraussichtlich nicht unter 800 und nicht über 1200 Megawatt. Nach den gegenwärtigen Preisen liegen die Kosten für dieses Kraftwerk zwischen 600 und 900 Millionen DM.

Großkraftwerk Gebersdorf: mit seinen charakteristischen Schornsteinen ein Wahrzeichen für die Umgebung.

03.03.2021 © NN


Zum Vergleich: das bisher größte deutsche, noch im Bau befindliche Kernkraftwerk, Biblis am Rhein, hat eine Leistung von 1200 Megawatt. Das Großkraftwerk in Frauenaurach, Franken II, das mit Kohlenstaub befeuert wird, leistet 400 Megawatt und hat über 200 Millionen DM gekostet.

Die Energiefachleute haben Sorgen. Heizöl ist teuer wie noch nie. Innerhalb eines Jahres stiegen die Preise um 40 bis 50 Prozent, teilweise noch stärker. Industriebetriebe, Elektrizitätswerke, Fernwärmeerzeuger und andere Großabnehmer sind genauso betroffen wie die „Kleinen“, die kanisterweise einkaufen. Wer zum Beispiel im Raum Nürnberg noch vor einem halben Jahr für einen Liter leichtes Heizöl 12,8 Pfennig bezahlte, muß heute vielleicht 18 oder 20 Pfennig hinlegen – oder auch mehr.

Ein Ende des Preisauftriebs ist nicht in Sicht – ganz im Gegenteil. Für den 1. April 1971 sind übrigens schon neue Steigerungen der Preise für schweres Heizöl – um 12 bis 15 Prozent – angekündigt worden.

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Wer selbst Heizöl einkauft, hat die Entwicklung an den Ölrechnungen beobachtet. Wie berichtet, hat die Energie- und Wasserversorgung AG Nürnberg ihren rund 7000 Fernwärmekunden in Langwasser und in der Parkwohnanlage Süd bereits mitgeteilt, daß sie wegen der gestiegenen Ölpreise und Löhne bei der Endabrechnung mit einer Nachforderung für die Raumheizung rechnen müssen; der Brauchwarmwasserpreis wurde ab Februar angehoben.

Gaspreis noch gehalten

Man braucht keine prophetischen Gaben, um in Nürnberg Strompreiserhöhungen voraussagen zu können. Daß der Gaspreis in unserem Raum bisher noch gehalten werden konnte, hat zwei wesentliche Ursachen: Die Preise für Leichtbenzin sind nicht so angestiegen wie die Ölpreise, und die im vergangenen Jahr erzielten Preise für Koks ließen die Kokerei rentabel arbeiten – obwohl mittlerweile auch die Kohle bis zu einem Drittel teurer geworden ist.

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Doch der Koksbedarf der Stahlerzeuger ist erheblich zurückgegangen, was zur Folge haben wird, daß die Kokspreise, die gewissermaßen den Gaspreis stützten, wieder abnehmen.

Nun bekommt Nürnberg in absehbarer Zeit – ab Oktober 1972, so plant man – Erdgas, das nach den Aussagen aller Fachleute preiswerter angeboten werden wird als Spaltgas und Kokereigas.

Doch auch das Erdgas ist nicht „immun“ gegen steigende Preise: Der Bezugspreis für Erdgas und damit natürlich auch der vom Verbraucher zu bezahlende Abgabepreis orientiert sich über eine Gleitformel am Ölpreisniveau. Immerhin geht eine Verteuerung des Mineralöls aber nur zu einem Teil in den Erdgaspreis ein, er zieht also nicht im gleichen Umfang an, wie die Konkurrenz Heizöl.

NN

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