7. Februar 1971: Reif für die Bundesliga

7.2.2021, 07:00 Uhr
Ein Bild aus glorreichen Zeiten: die Übergabe der Meisterschale 1968 mit OB Urschlechter als Einheizer. Bereits ein Jahr später ging es eine Etage tiefer, der Club musste sich an die Zweitklassigkeit gewöhnen.

© NN Ein Bild aus glorreichen Zeiten: die Übergabe der Meisterschale 1968 mit OB Urschlechter als Einheizer. Bereits ein Jahr später ging es eine Etage tiefer, der Club musste sich an die Zweitklassigkeit gewöhnen.

Sicher sind zwei Dinge: der Verein hat sich bei der Anlage seines Geländes am Valznerweiher übernommen, er mußte öffentliche Hilfe in Anspruch nehmen, um dieses modernste Sportgelände der Bundesrepublik zu erhalten. Und er müßte zweitens etwa eine Million Mark ausgeben, wenn er in der Bundesliga wieder bestehen sollte. Denn er braucht erfahrene Spieler, die der jungen Mannschaft, die sich in der Punktrunde bravourös schlägt, Rückhalt geben.

Sorgenpaket größer geworden

Das ist die Problematik der Vorstandschaft. Sie weiß um die Risiken einer weiteren Verschuldung. Sie will sich nicht beeinflussen lassen vom Jauchzen der Club-Anhänger, die spätestens seit dem Sieg in Karlsruhe wissen, daß der Wiederaufstieg greifbar nahe scheint. Aber von den Fans spricht keiner von den Risiken in der höchsten deutschen Spielklasse, keiner will die Verantwortung für die Riesensummen übernehmen. In dieser Frage müssen die Verantwortlichen ganz allein handeln.

Vorstand Walter Luther befindet sich in einem Dilemma: natürlich strebt er einerseits den Wiederaufstieg an, aber ebenso natürlich ist sein Sorgenpaket größer geworden. Seine Rechnung ist ziemlich klar: für den Neueinkauf von mehreren „fertigen“ Spielern braucht er schätzungsweise knapp eine Million Mark. Aus der Aufstiegsrunde kann er etwa 300 000 DM erwarten.

Woher soll der Rest kommen? Dazu kommt noch die Schwierigkeit, daß der Verein jetzt handeln und verhandeln muß, um prominente Kicker in die Noris zu locken Sichere Garantien können freilich keinem gegeben werden, denn niemand weiß, ob der 1. FCN in der Aufstiegsrunde besteht. So wird auch die Anwerbung neuer Spieler zum Problem.

In den beiden Regionalligajahren kam der Club finanziell glatt über die Runden. Er erwirtschaftete keinen großen Gewinn, zahlte aber auch nicht drauf. In der Bundesliga wird alles wieder unsicher. Die höheren Spielergehälter bedingen höhere Eintrittspreise, höhere Eintrittspreise wiederum könnten die Zuschauer aus dem Stadion fernhalten. Der Club plant deshalb vorsorglich großzügige Werbemaßnahmen, falls die Mannschaft wieder in die Bundesliga kommt.

Pro

Das wäre ja noch schöner, wenn der Club aus finanziellen Gründen an einem Wiederaufstieg uninteressiert wäre. Dann bräuchten wir überhaupt keine sportliche Qualifikation mehr und die Bundesliga würde sich aus den finanzstärksten Vereinen bilden.

Kürzlich hat jemand gesagt, die Stadt Nürnberg könnte sich das ganze Dürer-Jahr schenken, wenn nur der Club wieder aufstiege. Für die viel strapazierte Imagepflege der Stadt Nürnberg ist der Wiederaufstieg fast unerläßlich. Man denke nur daran, wie berühmt das bis vor wenigen Jahren weithin unbekannte Mönchengladbach durch seinen Fußballclub geworden ist.

Der Abstieg des FCN vor zwei Jahren war zweifellos ein Prestigeverlust, der einzig und allein durch den Wiederaufstieg ausgebügelt werden kann. So verschieden die Ebenen sein mögen: kein Kybernetikon, kein Enkomion, kein Graciale kann daran etwas ändern. Dazu kommt die Ausstrahlung eines Bundesligaspiels auf den gesamten nordbayerischen Raum. Die Zuschauer kommen aus Schwandorf und Bamberg, aus Weißenburg und Pegnitz.

Ein Spitzenspiel wie „Club gegen Bayern" lockt 60 000 Zuschauer an. Und die bringen allzumal Geld in die Stadt. Daran sollten Industrie und Handel denken, wenn auch sie sich mit dem Problem des Wiederaufstiegs des FCN befassen. Es ist nicht ganz abwegig, wenn der FCN die Unternehmer bittet, den Wiederaufstieg mit zu ermöglichen. Schließlich werden beide Partner davon profitieren. E. S.

Kontra

Gewiß wäre es schön, wenn der 1. FCN wieder ganz oben mitmischen würde. Aber für den Verein, der sich mit der Valznerweiher-Anlage finanziell verausgabt hat, tun sich Abgründe auf. So astronomisch hoch sind die Zahlen für die Ablösesummen, Handgelder und was dergleichen heute im Berufsfußball eine wichtige Rolle spielt. Sie machen den Aufstieg zu einem „Ritt über den Bodensee", Denn in der Bundesliga steigen die Aufwendungen. Das ist sicher. Ungewiß dagegen ist, wieviel die Bundesliga einträgt. Die Einnahmen hängen leider von der Gunst des Publikums und vom Tabellenstand ab. Dafür gibt es keine Garantie. Die Mannschaft braucht nur die ersten Spiele zu verlieren. Und wenn das Wetter die Zuschauer noch zusätzlich vergrault, wird es zapfenduster.

Hier hört der Spaß auf. Nürnberg mangels Masse schon auf dem besten Weg, kulturelle Provinz zu werden, gezwungen, wichtige Bauvorhaben auf die lange Bank zu schieben, kann den Berufsfußball (welchem Verein hat er eigentlich schon das „große Geld" gebracht?) nicht mitfinanzieren. Der Clubvorstand, der es fertiggebracht hat, in der Regionalliga eine ausgeglichene Basis zu schaffen, wäre gut beraten, wenn er verzichten würde, anstatt nach dem Motto „Es wird schon gut gehen" ins Abenteuer zu schlittern. Die Mannen um Walter Luther haben schon manchen Sturm ausgehalten. Die Protestwelle, die prompt folgen wird, sollten sie auch noch überstehen. K. E.

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