Alarm am Airport Nürnberg: Polizei probt Terror-Ernstfall

12.5.2018, 09:27 Uhr
Alarm am Airport Nürnberg: Polizei probt Terror-Ernstfall

© Günter Distler

Gespielte Terroristen schießen um sich, Filmblut fließt, immer mehr Einsatzkräfte rücken an und versuchen, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Erst gab es Hilfeschreie, dann fallen Schüsse. Menschen liegen auf dem Boden der Abflughalle im Albrecht-Dürer-Flughafen, die einen scheinen verletzt zu sein, die anderen tot. In der Nacht von Freitag auf Samstag ist der Nürnberger Airport zum ersten Mal Schauplatz einer Großübung der Polizei geworden.

Die Ausgangslage: Terroristen feuern mit Schusswaffen wahllos in die Menschenmenge, wollen möglichst viele in den Tod reißen. "Das ist ein Szenario, das uns in der Realität hoffentlich niemals treffen wird", sagt Einsatzleiter Hermann Guth. Gespenstisch wirkt der Airport. Die U-Bahn steht still, auch Linienbusse fahren die Haltestellen nicht mehr an. Streifenbeamte haben einen Sperrring um das Areal gezogen, es darf nur noch rein, wer eine Berechtigung hat. Um 23.12 Uhr hob die letzte Maschine vom Rollfeld ab. Ihr Ziel: Sofia. 400 Einsatzkräfte sind an der Übung beteiligt, an deren Vorbereitung ein kleiner Kreis von führenden Polizisten rund zwei Monate lang gefeilt hat. Streng geheim, versteht sich.

Denn die beteiligten Einsatzkräfte sollen ja nicht wissen, was sie konkret erwartet. "Das ist im Ernstfall ja auch nicht so", erklärt Guth. Mit dabei sind Beamte verschiedener Dienststellen des Polizeipräsidiums Mittelfranken, die Einsatzzentrale, Einsatzzüge der Bereitschaftspolizei, das Spezialeinsatzkommando Nordbayern (SEK) und die Hundestaffel. Abgesehen davon sind aber auch Rettungsdienste, Nürnberger Feuerwehren, der Zoll und die VAG in das Training eingebunden. "Wir wollen unter anderem das Zusammenwirken der verschiedenen Behörden üben", so der Einsatzleiter.

Zeugen hatten Schüsse gemeldet

Als Trainingsorte haben die Planer drei Plätze vorgesehen. Dazu gehören das Hauptgebäude mit seinen zwei Abflughallen und seiner Ankunftshalle, aber auch ein Parkhaus und der Bahnsteig der U-Bahn. Nach und nach rücken jetzt Polizeifahrzeuge an, es sind die Interventionsgruppen, die als erste am Tatort ankommen. Diejenigen, deren Anfahrt am kürzesten von allen ist. Über Notruf waren zuvor von Zeugen mehrere Meldungen in der Einsatzzentrale eingegangen, dass Schüsse gefallen sein sollen. Die alarmierten Beamten kommen daher schon in voller Montur an: Sie tragen Helme, schusssichere Westen und positionieren sich mit ihren Maschinenpistolen im Anschlag hinter ihren Einsatzfahrzeugen.

Erst nach rund 60 Minuten rollt ein Bus mit den Spezialkräften heran. Warum so spät? Das Training läuft in Echtzeit, die Kräfte sind nicht am Flughafen stationiert, sie haben eine gewisse Anfahrtszeit, die hier eingerechnet werden soll. In den Hallen treffen sie auf die Komparsen, die Opfer der gespielten Attacke – allesamt Polizeischüler. Den Statisten hat man Wunden geschminkt, es soll ja so echt wie möglich wirken.

Übung dauert bis in die Morgenstunden

In die Rolle der Täter, die mit Platzpatronen um sich ballern, sind erfahrene Polizei-Einsatz-Trainer (PE-Trainer) geschlüpft. Den Vertretern der Presse hat die Polizeiführung allerdings ein fest definiertes Plätzchen vor dem Airport zugewiesen. Die Hallen dürfen sie nicht betreten. Der Ablauf des Trainings soll möglichst ohne äußere Störung über die Bühne gehen. Außerdem will man Einsatztaktiken nicht in die Öffentlichkeit tragen – denn der potentielle Gegner ließt, hört oder guckt möglicherweise mit. Die Großübung endet Samstagfrüh gegen 4.30 Uhr.

Dass es stundenlang keine Flugbewegung gegeben hat, liegt aber nicht am Polizeitraining – auf diese Feststellung legt Flughafensprecher Christian Albrecht großen Wert. "An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden laufen bei uns planmäßig nachts Sanierungsarbeiten." Diese Gelegenheit habe die Polizei nutzen wollen. Der erste Flieger startet am heutigen Samstagmorgen um 7.55 Uhr. Sein Ziel: Paris – von Terroristen in jüngster Zeit mehrfach heimgesucht.

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