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Amerikanischer «Teamspirit» als Siegrezept

Die Footballer der Nürnberg Rams orientieren sich am US-Vorbild ihres Sports - 17.06.2008

Erfahrener Leistungsträger: Der US-Amerikaner Terrel Clark von den Nürnberg Rams (vorne) ist einer der größten Punktesammler bei den Franken. © Zink


Nachdem sich die Mannschaft vor kurzem erst wieder neu gegründet hat und in der Aufbauliga beginnen muss, ist der Aufstieg absolute Pflicht. Nach und nach füllen sich die Ränge. Das Publikum ist bunt gemischt. Eingeschworene Fans und neugierige Zuschauer nehmen ihre Plätze ein. Deutsche Football-Neulinge, wenige alteingesessene Sportsfreunde und amerikanische Fans wechseln sich ab. In der Frittenbude werden die letzten Hamburger vorbereitet, die Cheerleaders wärmen sich auf. Ein Hauch von Amerika weht mitten durch Nürnberg.

Schlachtrufe gehören einfach dazu

Auch das Team der Noris Rams will die amerikanische Volkssportart mit seiner Atmosphäre und seinen Ritualen so gut wie möglich adaptieren, um ein Footballerlebnis wie in den USA zu erreichen. Schlachtrufe gehören genauso dazu wie die traditionelle Warm-up-Party in der Tabledance Bar. Doch die typisch amerikanische «Vorbereitung» ist jetzt Nebensache. Konzentration ist angesagt.

15 Uhr. Kickoff. Es geht los. Die Rams haben Antrittsrecht. Ein idealer Start im Lokalderby gegen den direkten Kontrahenten aus Ansbach. «Score, Rams, Score.» Die Cheerleaders feuern lautstark die Mannschaft an. Unter ihnen befinden sich auch die USA-Fans Damla und Tanja, die die Football-Atmosphäre genießen. Die 22-jährige Damla ist dabei vor allem vom «amerikanischen Feeling» begeistert: «Mir gefällt Cheerleading total, weil das Styling, die Stimmung und die Art und Weise, wie die Mannschaft angefeuert wird, amerikanisch sind. Football und Cheerleading gehören zusammen. Unsere Sportart ist ja durch den Football entstanden.»

Ihre Freundin Tanja ist hauptsächlich vom Teamwork fasziniert. «Ich finde gut, dass Vertrauen und Zusammenhalt hier so wichtig sind. Jeder muss einfach seinen Teil dazu beitragen, damit es am Ende funktioniert.»

«Bedeutend ist für uns vor allem Teamspirit», erklärt Quarterback Hannes Kranzfelder. «Wir sind so viele verschiedene Leute, von 18 bis 45 Jahren. Vom Arbeiter bis zum Anwalt sind sämtliche Berufe vertreten. Deshalb sind vor allem gemeinsame Rituale und Trainingscamps nötig, um das Team zusammenzuschweißen.»

Besonders wichtig sind die «erfahrenen» amerikanischen Spieler. «Von ihnen lernen wir einiges. In den USA ist die Sportart ja viel bekannter. Dort lernen viele Football schon von klein auf. Bei den Amerikanern sind zum Beispiel die Bewegungsabläufe oft besser», sagt der 39-Jährige und deutet grinsend auf seinen amerikanischen Teamkollegen Terrell Clark. Doch der 28-Jährige kann sich auch von den Deutschen einiges abschauen. «Es gibt immer etwas Neues, weil jedes Spiel anders ist. Vor allem die Taktik. Man lernt nie aus», sagt der Runningback.

Das Spiel schreitet voran. Es steht 14:0 für die Rams. Rund 300 Zuschauer verfolgen trotz Regen begeistert das Spiel. Beim Auftaktmatch waren es stolze 700. Alles in allem gewinnt die Sportart auch in Nürnberg immer mehr Anhänger. «Urgestein» Johann Liedl ist jedoch schon seit Längerem dabei. Das Herz des Football-Fans schlägt bereits seit 1990 für die Rams. «Mir gefällt Football einfach sehr gut, weil es actionreicher ist als Fußball. Außerdem geht es fairer zu, weil es mehr Schiedsrichter gibt. Die Atmosphäre ist einfach toll. Jeder kommt mit seiner Familie, es gibt keinen Ärger. Eine riesengroße Party.»

Einen Grund zu feiern haben dann auch die Nürnberg Rams. Am Ende steht es 42:10, der vierte Sieg in Folge. Die bunte Mischung stimmte auch dieses Mal. 

Kerstin Fellenzer

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