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Amtszeit endet: Nürnberger Christkind zieht Bilanz

Termine, Stress, aber auch Wehmut: "War schon immer mein Traum" - 24.12.2018 05:59 Uhr

Wochenlang war der Christkindlesmarkt in Nürnberg der Arbeitsplatz von Rebecca Ammon. © Michael Matejka


Natürlich war alles toll, aufregend und spannend. Aber es gibt da diese eine Begegnung, die Rebecca Ammon wohl ihr Leben lang nicht mehr vergessen wird. In ihrer Rolle als Nürnberger Christkind hat sie ein Seniorenheim besucht. Nach einigen netten Gesprächen und lustigen Geschichten, war es höchste Zeit, weiterzuziehen. Der Terminplan ist eng, die Besuche in diversen Einrichtungen der Stadt sind ganz genau getaktet. Auf dem Weg zur Tür kommt Rebecca ein Bewohner des Seniorenheims entgegen. Er stellt sich vor sie, lächelt sie an, verabschiedet sich und wünscht ihr ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Die erstaunten Blicke der Pfleger hat die 18-Jährige in diesem Moment nicht wahrgenommen. Erst an der Tür erfuhr sie von einem Mitarbeiter des Seniorenheims, dass der Mann, der sich gerade so freundlich von ihr verabschiedete, schon seit Monaten mit niemandem mehr gesprochen hatte.

"Sofort schossen Tränen in die Augen"

"Es ist unglaublich, was man als Christkind in den Menschen auslöst. Das ist immer wieder faszinierend", sagt Rebecca – auch etwas wehmütig. Denn ihre Amtszeit geht heute zu Ende. Ihr selbst kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass der städtische Presseamtsleiter Siegfried Zelnhefer im November 2017 ihren Namen vor Pressevertretern und der Jury verkündet hat. "Das neue Nürnberger Christkind heißt Rebecca Ammon" – sofort schossen der jungen Frau Tränen in die Augen. "Das war schon immer mein größter Traum", schluchzt sie in eines der Mikrofone, die plötzlich alle auf sie gerichtet waren.

Ein kleiner Vorgeschmack auf ein Leben in der Öffentlichkeit, das, wie Rebecca heute weiß, nicht immer einfach ist. Deshalb wird sie ihrer Nachfolgerin, die sie im Herbst 2019 mit auswählen darf, auch einen wichtigen Tipp geben: "Man darf sich nicht alles zu Herzen nehmen, denn man kann nicht jedem gefallen", sagt Rebecca. Auch sie habe lernen müssen, dass es Menschen gibt, die sie in dieser Rolle nicht "passend" fanden. "Da muss man drüberstehen", weiß das scheidende Christkind heute.

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Von der Maske zum Prolog: Eröffnungstag mit dem Christkind

Während sich am Hauptmarkt bereits mittags die Besucher stauten, folgte beim Nürnberger Christkind schon vor dem Prolog ein Termin dem nächsten. Von der Generalprobe über den Besuch bei der Maske bis zum großen Auftritt - wir haben Rebecca Ammon den ganzen Tag begleitet und alle Bilder zur aufregenden Eröffnung des Christkindlesmarkts.


Auch einen zweiten Tipp hat sie für ihre Nachfolgerin parat: "Man sollte immer gut vorbereitet sein, sich einige Antworten zurechtlegen." Gerade bei etwas älteren Kindern, die langsam aber sicher an der Existenz eines Christkinds zweifeln, wird man oft mit kniffligen Fragen konfrontiert. "Mein wichtigstes Rat ist aber eigentlich, dass man das Ganze von Herzen gerne machen muss, sonst geht es gar nicht", so Rebecca.

Ganz ablegen wird Rebecca Krone noch nicht 

Das Nürnberger Christkind absolviert in der Adventszeit weit über Hundert Termine, nicht alle davon sind einfach. "Aber viele Erfahrungen prägen einen als Mensch und dafür bin ich sehr dankbar." Im Religionsunterricht zum Beispiel, hat die Klasse kürzlich über ethische Fragen diskutiert. "Ganz ehrlich, nach einem Besuch als Christkind auf der Palliativstation kann ich mich in manche Menschen besser hineinversetzen und auch verstehen, dass man sterben möchte, wenn man sehr krank ist," sagt die Gymnasiastin.

Ganz ablegen wird Rebecca die Krone und das goldene Kleid aber noch nicht. Traditionell eröffnet das Ex-Christkind anschließend zwei Jahre lang Weihnachtsmärkte in Amerika. "Darauf freue ich mich sehr und bin gespannt." Aber dass ihre Amtszeit in Nürnberg nun vorbei ist, "ja, das wird mich schon noch eine Zeit lang sehr traurig machen", sagt Rebecca Ammon.

 

Stefanie Taube

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