Asbest in Nürnberger WiSo: Ärger um Uni-Baustelle

Christina Merkel
Christina Merkel

Hochschule & Wissenschaft

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20.3.2019, 05:18 Uhr
So sieht das WiSo-Gebäude im Moment aus: Bauzäune und Container stehen im Innenhof. Das Dach wird saniert. Ein Imbisswagen ersetzt seit zwei Jahren die geschlossene Cafeteria.

So sieht das WiSo-Gebäude im Moment aus: Bauzäune und Container stehen im Innenhof. Das Dach wird saniert. Ein Imbisswagen ersetzt seit zwei Jahren die geschlossene Cafeteria. © Christina Merkel

"Die Firma hat geschlampt", sagt Dieter Maußner, Leiter des Staatlichen Bauamts Erlangen-Nürnberg. "Wir haben sofort einen Gutachter beauftragt, der Proben genommen hat." Ergebnis: Keine Gefahr. Der überprüfte Staub auf den Schreibtischen enthält keine Asbestfasern. Trotzdem hätte gar kein Staub austreten dürfen. "Die Firma hätte Geräte verwenden müssen, die ihn sofort aufsaugt."

Das Gebäude des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, kurz WiSo, steht im Nordosten der Nürnberger Altstadt und ist aus den 70er Jahren. Asbest war damals ein Standard-Baustoff, weil die Mineralfasern besonders fest und leicht, aber trotzdem beständig gegen Feuer, Hitze, Säure und andere Einflüsse sind. Erst 1993 wurde das Material in Deutschland verboten, weil es krebserregend ist.

Als die Sanierung der WiSo im Mai 2016 losgeht, ist klar, dass die Arbeiter womöglich auf gesundheitsgefährdende Stoffe stoßen. "In den Fugen der Trockenbauwände, wo die Gipskartonplatten aneinanderstoßen, haben wir bei Probebohrungen asbesthaltige Spachtelmasse gefunden", erklärt Maußner. Hochschulbau ist Ländersache. Bauherr ist der Freistaat Bayern, vertreten durch das Wissenschaftsministerium, das das Staatliche Bauamt beauftragt. "Sofort veranlasste Messungen haben gezeigt, dass die Raumluft bei ausgesetzten Bauarbeiten unbedenklich ist. Für Mitarbeiter und Studierende kann die Universität daher Entwarnung geben", schreibt die Uni im Internet.

"Jetzt reicht es"

Solange niemand bohrt, passiert nichts. Die Bauarbeiter müssen aber bohren. Sie sanieren die Tiefgarage und die Cafeteria. Sie installieren Brandmeldeanlagen in den Büros und Sicherheitsbeleuchtung in den Fluren. Sie bauen eine Fluchttreppe an der Westfassade, erneuern die Lüftungstechnik in den Hörsälen. Es gibt feuerhemmende Wandverkleidungen und eine Brandschutzdecke in den Treppenhäusern.

"Das waren immer wieder Kleinigkeiten, über die man natürlich auch mal hinwegsehen kann, aber jetzt reicht es", sagt einer der Uni-Mitarbeiter. Vergangenen Mittwoch haben sich 50 getroffen und entschieden, dass es so nicht weitergehen kann. "Bei mir im vierten Stock wackeln die Lampen, wenn sie in der Tiefgarage arbeiten", erzählt ein anderer. Die Gänge, in denen gearbeitet wird, sind nicht abgesperrt. Alle laufen durch, vorbei an Leitern, Eimern und Schubkarren, über Stromkabel und unter offenen Decken. Anschließend klopfen sie sich den Staub von den Kleidern.

Asbest-Diskussion sorgt für Angst

Manche Lehrstuhlinhaber haben ihre Mitarbeiter zum Arbeiten nach Hause geschickt, andere stellen es frei, manche bestehen auf Anwesenheitspflicht. Es hat schon eine gekündigt, die sagt, sie hält den dauernden Lärm nicht aus. Studenten haben erzählt, dass sie ihren Master lieber an einer anderen Uni machen. Die Asbest-Diskussion macht den Leuten Angst. Das Bauamt hat eine Spezialfirma beauftragt, die mit Ausnahmegenehmigung bohren darf. Ein Gutachter überwacht die Arbeiten. "Auch die Hörsäle und Seminarräume sind betroffen, da bekommt in den Semesterferien nur keiner mit, wenn gebohrt und anschließend geputzt wird", sagen die Mitarbeiter.

Maußner will nichts verharmlosen: "Natürlich darf kein Staub austreten", sagt er. "Aber dass es auf einer Baustelle laut ist, geht nun einmal nicht anders." Am Mittwoch und Donnerstag stehen laut Bauamt die letzten 15 bis 20 Bohrungen in den Büros an - unter Aufsicht. Die Cafeteria soll zum Beginn des Sommersemesters Ende April wieder öffnen. Nur die Rauchmeldeanlagen fehlen noch. "Die gesamte Baumaßnahme wird im Spätsommer abgeschlossen sein", verspricht der Uni-Kanzler. "Wir werden definitiv nie wieder Baumaßnahmen dieser Art unter diesen Bedingungen machen."

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