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Auch in Nürnberg gibt es Rückenwind für Gründerinnen

Nur 16 Prozent der Startups sind aktuell weiblich - 07.07.2020 11:18 Uhr

One Mission startete mit einem Kick-off Workshop: Gründerinnen, Unternehmerinnen und eine Vertreterin des Digitalministeriums überlegten gemeinsam, woran es liegen kann, dass sich Frauen seltener selbständig machen. 

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Auch im Tech-Inkubator Zollhof in Nürnberg wünscht man sich mehr weibliche Startups. Während Frauen in der gesamten deutschen Gründungslandschaft sehr aktiv sind – ihr Anteil liegt bei 40 Prozent – ist ein Anstieg des Frauenanteils in der innovativen Startup-Welt nicht in Sicht. „Der enorm hohe Anteil männlicher Teams verweist auf deutliche Zugangsbarrieren für Frauen im Startup-Ökosystem“, heißt es im Female Founders Monitor. Dilan Sinem Sert arbeitete als Gynäkologin, bis sie ihre Firma Sedidoc gründete. „Ich hatte den Drang, mitzugestalten und zu verändern.“ Sedidoc vermittelt zwischen Kliniken, die kurzfristige Aufträge haben, und Medizinern. Dass viel weniger Frauen als Männer gründen war für die Leipzigerin, deren Startup an den Digital Health Hub des Zollhofs in Nürnberg angedockt ist, anfangs kein Thema.

„Für mich stand meine Idee im Vordergrund. Ich bin lösungsorientiert und versuche, Hürden zu ignorieren.“ Aber im Laufe der Gründung spürte sie die Nachteile als Unternehmerin. „Die Portfolio-Unternehmen der Investoren bestehen vor allem aus Gründern und die haben wiederum hauptsächlich Startups mit reinen Männerteams gelistet.“ Und Investmentmanager gingen eben eher mit Gründern ein Bier trinken, um dabei über das Geschäft zu sprechen, als mit Gründerinnen. Laut Female Founders Monitor haben Frauen grundsätzlich weniger Zugang zu Risikokapital und großen Unternehmen. Männer fördern eher Männer, Geldgeber bewerten weibliche Startups nach anderen Kritieren als die von Männern. Der Zollhof sei sehr hilfreich mit seinem Netzwerk, sagt Sert. Spezielle Initiativen für Gründerinnen sollten aus ihrer Sicht die Basics des Gründens vermitteln, aber auch Kontakte zu Investoren, Kunden und Business Angels herstellen. „Gründerinnennetzwerke sind wichtig als Schritt in eine Zukunft, in der es keine Hürde mehr ist, als Frau ein Unternehmen zu starten“.

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Im Mai zogen zehn neue Startups in den Zollhof ein. „Davon wird nur eins von einer Frau geleitet“, sagt die Leiterin des Digital Health Hubs, Anne Christin Braun. Das Team wolle unbedingt mehr Gründerinnen gewinnen, die Frage sei nur wie. Denkbar wäre ein Inkubator nur für Frauen, „als geschützter Bereich“. In Berlin geht der Grace Accelerator in diese Richtung. Braun hat auch keine eindeutige Antwort darauf, wo Frauen auf dem Weg zur Gründung verloren gehen. Ihr Mindset unterscheide sich von dem der Männer. Für sie sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein größeres Thema. Außerdem fehlten Rollenvorbilder. In dem Münchner Gründerzentrum Werk1 haben drei Frauen aus dem Team das Projekt One Mission ins Leben gerufen. Das Ziel: Mehr Gründerinnen gewinnen. „Von aktuell 45 Startup-Teams im Werk1 sind nur zehn Prozent weiblich, zwölf Prozent bestehen aus Frauen und Männer“, sagt Maike Wursthorn, die One Mission mit verantwortet.

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Dabei sind gemischte Teams nachweislich besonders erfolgreich, „der geringe Anteil schmälert die Innovationsfähigkeit.“ One Mission startete mit einem Kick-off Workshop: Gründerinnen, Unternehmerinnen und eine Vertreterin des Digitalministeriums überlegten gemeinsam, woran es liegen kann, dass sich Frauen seltener selbständig machen. Jetzt verfolgt das Projekt hauptsächlich drei Ziele. „Wir möchten eine Community aufbauen“ sagt Marlene Eder, im Münchner Gründerzentrum für Events verantwortlich. One Mission plane Veranstaltungen, Webinare, Coachings und ein Mentoringprogramm. Netzwerke sollen außerdem die Räume im Werk1 nutzen können. Und drittens gehe es um Sichtbarkeit, erklärt Vanessa Provenzano von One Mission. In den sozialen Netzwerken sollen Erfolgsgeschichten von Gründerinnen erzählt werden und Infos rund ums Gründen und die Investorensuche zu finden sein. „Bis Ende des Jahres möchten wir eine Webseite aufgebaut haben“, sagt Marlene Eder. Möglichst mit finanzieller Unterstützung aus dem bayerischen Digitalministerium.

 „Ich hatte den Drang, mitzugestalten und zu verändern", erklärt Dilan Sinem Sert.

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Auch in Nürnberg gibt es Rückenwind für ein Gründerinnenprojekt. Carsten Rudolph, Geschäftsführer der BayStartUp GmbH, einem wichtigen Motor in der bayerischen Gründungsszene, findet: „Das Thema Gründerinnen stärker hervorzuheben ist wichtig.“ Er habe aber kein Rezept, was man anders machen müsste. Auch Yvonne Stolpmann von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg sieht in einem Gründerinnenzentrum einen „zusätzlichen wertvollen Baustein zur Förderung von Gründerinnen und damit einen zusätzlichen Antrieb für mehr Gründungsdynamik“. Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König möchte ebenfalls Existenzgründerinnen bestärken. „Für mich steht im Vordergrund, mehr Frauen in die bestehenden Netzwerke und Gründerzentren zu bringen.“ Er plane Unternehmerinnen, Gründerinnen und Netzwerkerinnen an einen Tisch zu bringen, um Ideen zu sammeln.

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