Bahn frei unter der Erde

10.12.2011, 18:00 Uhr
Mit Fotoapparat in Reihe eins haben gestern zahlreiche Bürger ihre erste Fahrt auf der neuen U-Bahn-Strecke erlebt.

© Stefan Hippel Mit Fotoapparat in Reihe eins haben gestern zahlreiche Bürger ihre erste Fahrt auf der neuen U-Bahn-Strecke erlebt.

Die vielen Hobby-Fotografen haben es eilig. Nach nur 45 Sekunden muss das Bild im Kasten sein. Die Zeit benötigt die automatische U-Bahn für den neuen Streckenabschnitt zwischen den gestern feierlich eingeweihten U-Bahnhöfen Kaulbachplatz und Friedrich-Ebert-Platz. Kinder, Anwohner und Bahn-Fans haben die neuen Stationen bei der Eröffnung – einen Tag vor dem  Fahrplanwechsel am Sonntag – unter die Lupe genommen. Ein Grund, die neue Teilstrecke der U3 aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

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Petra Maly muss sich kein Bild machen. Sie kennt die exakt 1083 Meter lange und 66 Millionen Euro teure U-Bahn-Strecke gut. Vier, fünf Mal ist sie bereits unter der Erde zwischen Maxfeld, und Friedrich-Ebert-Platz entlang gegangen. Denn: Die Frau von Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ist die Patin der neuen Teilstrecke. „Eigentlich gibt man nur seinen Namen dafür, ich habe das aber schon ernst genommen“, sagt sie.

Sechs Jahre haben die Bauarbeiten gedauert. Die offizielle Einweihungstour für geladene Gäste ist aber auch für sie die erste echte Fahrt auf der neuen Strecke. „Kurz und schön“, lautet ihr Fazit. Der Petra-Tunnel zwischen den beiden neuen Bahnhöfen trägt den Namen der Patin, die auch in Zukunft – Ehre verpflichtet — ein Auge auf die Teilstrecke haben will.

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Gabriele Bleier kann die U-Bahn jetzt schon nicht mehr sehen. Eine Fahrt, die am Eröffnungstag kostenfrei ist, macht sie nicht. Stattdessen hat sie zwei Plakate auf dem Fenster ihrer Wohnung direkt gegenüber des U-Bahnhofs Kaulbachplatz gehängt. „Bombastische Hässlichkeit“ steht da zum Beispiel. Sie leidet unter der Architektur der U-Bahnhof-Aufgänge. „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur noch eine Wand.“ Einen Blick ins Innere des U-Bahnhofs hat sie riskiert, „aber da ist ihnen wohl das Geld ausgegangen“, findet sie.

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Es sei nicht alles architekturpreisverdächtig, sagt auch Ulrich Maly. Der Oberbürgermeister spricht mit Blick über den Friedrich-Ebert-Platz lieber von einem „funktionalen Platz, mit dem man sich nirgends bewerben möchte“. Im Hintergrund teilen Demonstranten lautstark ihre Meinung mit. Sie sind gegen den Beton-Bau und gegen zu hohe Fahrpreise. Ulrich Maly ist trotzdem sicher, „dass die U-Bahn ihre Fans in der Nordstadt finden wird“. Mit dem Streckenabschnitt sind weitere 22000 Einwohner und Beschäftigte an die U-Bahn angeschlossen – und damit inzwischen 66 Prozent von ganz Nürnberg. Dafür aber ist viel Geduld nötig gewesen, sagt der VAG-Vorsitzende Josef Hasler. Vor allem von Seiten der Anwohner, für die mit der Fertigstellung eine „leidvolle Phase zu Ende geht“. Als Gegenleistung verspricht Hasler, können diese sich nun – dank des schnellen Takts, in dem die U3 verkehrt – den Blick auf den Fahrplan sparen.

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Einen Fahrplan benötigen Dennis (13) und Andreas (12) nicht. Sie haben nur Augen für die Strecke vor ihnen. Deshalb haben sie sich auch einen Platz vorne am Panoramafenster der führerlosen U-Bahn gesichert. „Wir sind die Strecke aber schon mal gefahren – am Tag der offenen Tür.“ Trotzdem sind sie wieder da, mit ihren Kameras in Reihe eins. Sie nehmen Videos auf, können währenddessen aber ohne weiteres erklären, wie eine automatische U-Bahn funktioniert. Und sie kennen auch die Vorteile der neuen Strecke: „In sieben Minuten ist man am Hauptbahnhof.

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Wolfgang Roscher will erstmal gar nicht weiterfahren. Er begutachtet den U-Bahnhof am Friedrich-Ebert-Platz lieber ganz genau. „Das Farbspiel ist sehr gelungen“, findet er. Nach einer elfstündigen Putzschicht am Vortag glänzen nicht nur Rolltreppen und Aufzug, sondern auch die Wände in knalligem orange. Auch sonst stimme das Konzept, sagt Roscher, Mitglied im Fahrgastbeirat der VAG. „Vor allem ist hier sehr viel Platz.“ Dem stimmen Rolf und Barbara Henseler aus Thon zu. Sie haben für den Einkauf bewusst die neue U-Bahn „vor der Haustür“ genommen. Nur einen Verbesserungsvorschlag hat Rolf Henseler: „Weihnachtsschmuck in den U-Bahn-Röhren“, scherzt er.

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