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Bald jeder zweite Nürnberger mit Migrationshintergrund

Wurzeln im Ausland können aber schon Jahrzehnte zurückliegen - 10.11.2015 20:24 Uhr

Durch die Zuwanderung in Nürnberg wird die Zahl der Ausländer auch in diesem Jahr deutlich zunehmen. © dpa


Davon gehen die städtischen Statistiker aus. Ende 2014 waren in Nürnberg 102.134 Ausländer mit Hauptwohnsitz registriert, 4114 oder 4,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das war ein Anteil an der Gesamtbevölkerung von 19,8 Prozent. Insgesamt zählte das Amt für Stadtforschung und Statistik 516.770 Einwohner.

Schon 2014 zogen viele Menschen ohne deutschen Pass in die Stadt. Viele davon kamen – im Zuge der EU-Freizügigkeit oder aufgrund der Wirtschaftskrise – aus Rumänien, Bulgarien und Griechenland. In diesem Jahr sind es auch weiterhin Bulgaren und Rumänen sowie Bewohner vom Westbalkan und Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen unsicheren Herkunftsländern.

Die Grafik zeigt, wie viele Migranten in den einzelnen Stadtteilen im Jahr 2014 lebten. © NN-Infografik


Viele Asylbewerber im Herbst

Gerade im September und Oktober kamen viele Asylbewerber nach Nürnberg, erläutert Wolf Schäfer, Chef des Statistikamts. Noch kann er nur vermuten, wie sich die aktuelle Zuwanderung auf die Einwohnerzahlen auswirken wird. Vorsichtig geschätzt, könnten aber am Ende des Jahres 108.000 bis 110.000 Ausländer in Nürnberg registriert sein. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Asylbewerber während ihres Verfahrens erst einmal in Nürnberg bleiben werden“, sagt er.

Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund umfasst aber noch mehr als die Ausländer ohne deutschen Pass und ihre Nachkommen in erster Generation. Nach dieser Definition leben in Nürnberg insgesamt 218.349 Menschen mit Migrationshintergrund (Stand 31. Dezember 2014). Das ist ein Anteil an der Gesamtbevölkerung von 42,3 Prozent, nun weiter steigend.

Ungleiche Verteilung

Von der Tendenz her bewegt sich diese Zahl wohl langfristig Richtung 50 Prozent. So dass eines Tages jeder zweite Nürnberger Wurzeln im Ausland hat; auch wenn diese teils schon einige Jahrzehnte alt sein können. Es gibt schon jetzt einige statistische Bezirke in Nürnberg, wo der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund deutlich höher ist. Dazu zählen Schweinau (71,8 Prozent), Sandreuth (67,5), Gibitzenhof (66) oder St. Leonhard (65). Deutlich unter dem Durchschnitt liegen etwa Buchenbühl (11,3) oder Großgründlach (12,7).

„Alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten“ zählen laut Definition des Statistischen Bundesamts zu dem Kreis der Menschen mit Migrationshintergrund.

Dazu gehören auch „alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“. Zu den Migranten werden auch Kinder von Aussiedlern, Spätaussiedlern oder Eingebürgerten gezählt. Personen, die während oder unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge oder Vertriebene nach Deutschland gekommen sind, gelten dagegen nicht als Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Stadt Nürnberg nutzt für die Erfassung verschiedene Kennzeichen in der Meldestatistik — wie Staatsangehörigkeit, Geburtsort oder Herkunftsland des Zuzugs.

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Andreas Franke

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