Bald wird gesurft: Nürnbergs Dauerwelle kommt voran

23.11.2020, 05:57 Uhr
Noch fließt das Wasser allein durch die Pegnitz – künftig soll es durch ein Wehr im ursprünglichen Verlauf aufgestaut und in den Kanal gelenkt werden. Dort wollen Surfer eine bis zu acht Meter breite stehende Welle reiten.

Noch fließt das Wasser allein durch die Pegnitz – künftig soll es durch ein Wehr im ursprünglichen Verlauf aufgestaut und in den Kanal gelenkt werden. Dort wollen Surfer eine bis zu acht Meter breite stehende Welle reiten. © Roland Fengler

So hatten sich Thorsten Keck und seine Mitstreiter vom Verein Nürnberger Dauerwelle den Samstagmorgen sicher nicht vorgestellt. Zwar sollte schon bald Wasser durch den parallel zur Pegnitz verlaufenden Kanal am Fuchsloch fließen, um eine stehende Welle erzeugen zu können – aber doch bitte nicht sofort. Was war passiert?

In der Nacht zum Samstag war die Wasserhaltung, die dafür sorgen soll, den Kanal trocken zu halten, ausgefallen. Daraufhin ist das Wasser bis auf Grundwasserniveau angestiegen und der Kanal vollgelaufen. "Wir waren zunächst enttäuscht und dachten, dass wir unsere Arbeiten abblasen müssten", räumt Keck ein.

Doch laut dem Vereinsvorsitzenden konnte die Situation auch dank der Kompetenz in den eigenen Reihen schnell bereinigt werden: "Wir haben ein paar Bauexperten im Verein, die den Strom wiederhergestellt haben. Mit vereinten Kräften haben wir mit den vorhandenen Pumpen die gut 100 Kubikmeter Wasser wieder rausgepumpt."

So konnten die Helfer am Samstag doch noch – wie ursprünglich geplant – weitere Teile der Holzbeplankung installieren. Sie sollen als Aufprallschutz für Mensch und Material dienen, wenn die Surfer hier erst einmal im Einsatz sind.

Verein gründete sich bereits 2012

Fast zehn Jahre ist es inzwischen her, dass in Nürnberg erste Gedankenspiele um eine stehende Welle aufkamen. Ursprünglich war der Wöhrder See als Standort im Gespräch, wurde jedoch bald wieder verworfen. Der lose Verbund Nürnberger Surfer aber schloss sich zusammen und gründete 2012 die Nürnberger Dauerwelle. Der harte Kern des gemeinnützigen Vereins beweist nach wie vor einen langen Atem.

Während die Planungen Jahre in Anspruch genommen haben, geht es auf der Baustelle im Pegnitztal West zügig voran. "Wir liegen im Zeitplan", versichert Keck. Der erste Bauabschnitt ist so gut wie abgeschlossen, wohl noch Ende dieses Jahres soll das Wasser – dann planmäßig – durch den Kanal fließen.

Surfer packen an

Am Samstag haben einige der mittlerweile 230 Vereinsmitglieder begonnen, den Bereich entlang des Fußgängerwegs zu bepflanzen. Auch der Ein- und Auslauf des Kanals ist zum Teil schon begrünt worden.

Im neuen Jahr wird es zunächst darum gehen, das Wehr zu bauen, ehe im dritten und letzten Bauabschnitt die Rampe an der Reihe ist. Da sie aus drei unabhängigen Modulen besteht, lässt sich die Breite der Welle einstellen. Das soll sicherstellen, dass hier das ganze Jahr über gesurft werden kann – unabhängig von den Witterungsbedingungen und davon, wie viel Wasser gerade durchs Flussbett rauscht.

Die Gesamtinvestitionskosten liegen laut Keck weiterhin bei 2,4 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt durch Gelder des Freistaats und der Stadt sowie durch Eigenmittel und Sponsoren.

Für Experten und Neulinge

Auch wenn das Projekt große Fortschritte macht, bleibt es von den Folgen des Coronavirus freilich nicht ganz verschont. So ist es laut Keck derzeit etwa kaum möglich, Rettungsschwimmer auszubilden. Der Vorsitzende des Vereins ist dennoch zuversichtlich, dass die ersten Surfer im Mai 2021 testweise ihr Talent auf der acht Meter breiten Welle unter Beweis stellen können.

Im Sommer dann sollen erfahrene Wellenreiter und Anfänger gleichermaßen das Angebot nutzen können – und das Surfbrett bald zum Nürnberger Stadtbild dazugehören.

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