Bier-Historie: Das wussten Sie noch nicht über Nürnberger Biere

23.4.2018, 05:51 Uhr
1516 wurde bekanntermaßen das Bayerische Reinheitsgebot in Ingolstadt erlassen. Was in der hiesigen wie überregionalen Öffentlichkeit aber wenig Beachtung findet: In Nürnberg hat es ein solches Gebot mindestens 46 Jahre früher gegeben, wie der ehemalige Brauer Joch Sprotte in akribischer Kleinarbeit dokumentiert hat. Sein umfangreiches Archiv mit historischem Material - insgesamt 69 Ordner - wird er bald dem Nürnberger Stadtarchiv übergeben.
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1516 wurde bekanntermaßen das Bayerische Reinheitsgebot in Ingolstadt erlassen. Was in der hiesigen wie überregionalen Öffentlichkeit aber wenig Beachtung findet: In Nürnberg hat es ein solches Gebot mindestens 46 Jahre früher gegeben, wie der ehemalige Brauer Joch Sprotte in akribischer Kleinarbeit dokumentiert hat. Sein umfangreiches Archiv mit historischem Material - insgesamt 69 Ordner - wird er bald dem Nürnberger Stadtarchiv übergeben. © Armin Weigel/dpa

1699 drohte Kaiser Leopold I. den Ratsherren mit Exekutionen, sollten diese ihren Streit mit den örtlicheren Brauern nicht beilegen. Der sogenannte
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1699 drohte Kaiser Leopold I. den Ratsherren mit Exekutionen, sollten diese ihren Streit mit den örtlicheren Brauern nicht beilegen. Der sogenannte "Nürnberger Bierstreit" hatte knapp ein Jahrzehnt zuvor begonnen, als die Brauer vom Rat forderten, dass dieser sein Weizenbrauhaus stilllegt. Dieses wurde bereits 1672 eingeweiht - und sogleich zum Zankapfel, da der Rat anno 1579 eigentlich beschlossen hatte, kein neues Brauhaus mehr zu errichten. © privat

1862 treffen sich in Nürnberg knapp 1000 bayerische Brauer zum Protest gegen die Auswirkungen des sogenannten Bierregulativs. Damit weichen sie von München auf Nürnberg aus, weil hier eine liberalere Stimmung herrscht.
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1862 treffen sich in Nürnberg knapp 1000 bayerische Brauer zum Protest gegen die Auswirkungen des sogenannten Bierregulativs. Damit weichen sie von München auf Nürnberg aus, weil hier eine liberalere Stimmung herrscht. © Daniel Karmann/dpa

1903 findet ein großes Turnfest in Nürnberg mit 10.000 Aktiven aus dem ganzen Deutschen Reich statt. Von den Bierkrügen, die Tucher verteilt hatte, fehlen am Ende 4000 Stück. Offenbar waren sie damals schon beliebtes Sammelgut.
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1903 findet ein großes Turnfest in Nürnberg mit 10.000 Aktiven aus dem ganzen Deutschen Reich statt. Von den Bierkrügen, die Tucher verteilt hatte, fehlen am Ende 4000 Stück. Offenbar waren sie damals schon beliebtes Sammelgut. © André De Geare

1541 kommt eine zweite Biersorte in Nürnberg an, das „Niederländische Weiße Bier“. Von 1682 bis 1714 sitzen ununterbrochen Vertreter der Brauerfamilie Schmauß im Kleinen Rat. Die Familie häuft einen sagenhaften Reichtum an und macht sogar die Patrizierfamilien neidisch. Die heutige Schmausengartenstraße erinnert noch heute an einen barocken Garten, den die Familie mit ihrem Geld angelegt hatte.
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1541 kommt eine zweite Biersorte in Nürnberg an, das „Niederländische Weiße Bier“. Von 1682 bis 1714 sitzen ununterbrochen Vertreter der Brauerfamilie Schmauß im Kleinen Rat. Die Familie häuft einen sagenhaften Reichtum an und macht sogar die Patrizierfamilien neidisch. Die heutige Schmausengartenstraße erinnert noch heute an einen barocken Garten, den die Familie mit ihrem Geld angelegt hatte. © Stadtarchiv Nürnberg

1370 wird der
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1370 wird der "Kleine Rat" (das Stadtparlament) um acht Handwerksvertreter erweitert, darunter zwei Brauer. Später schaffen es Brauer sogar, als Losunger (Oberbürgermeister) zu amtieren. Ab 1386 wird ein Umgeld, also eine Steuer, auf das Bier erhoben. Auch dies gab Anlass für viele Streitereien zwischen Brauern und Rat, der in manchen Jahren die Hälfte des städtischen Haushalts mit der Biersteuer deckte. © Ralf Hirschberger/dpa

1672 entsteht mit dem bereits erwähnten reichsstädtischen Weizenbrauhaus die Wiege der heutigen Tucher-Brauerei. Der Rat einigte sich später mit den Brauern, es trotz kaiserlichem Erlass nicht zu schließen, indem er im Gegenzug den Brauern einen feststehenden Gewinn je Sud garantierte - dadurch verloren die Brauer jahrelang die Lust auf Innovationen. Wurde das Wissen über die Bierherstellung bislang von einer Generation an die nächste weitergegeben, wird ab 1810 am Nürnberger Realinstitut erstmals ein Studium angeboten.
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1672 entsteht mit dem bereits erwähnten reichsstädtischen Weizenbrauhaus die Wiege der heutigen Tucher-Brauerei. Der Rat einigte sich später mit den Brauern, es trotz kaiserlichem Erlass nicht zu schließen, indem er im Gegenzug den Brauern einen feststehenden Gewinn je Sud garantierte - dadurch verloren die Brauer jahrelang die Lust auf Innovationen. Wurde das Wissen über die Bierherstellung bislang von einer Generation an die nächste weitergegeben, wird ab 1810 am Nürnberger Realinstitut erstmals ein Studium angeboten. © Stadtarchiv Nürnberg

1826 wird per königlichem Dekret erlaubt, in Nürnberg das in Mode gekommene Braunbier herzustellen. Damit wird sowohl das Ende des Rotbiers als auch des Weißen Biers eingeläutet.
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1826 wird per königlichem Dekret erlaubt, in Nürnberg das in Mode gekommene Braunbier herzustellen. Damit wird sowohl das Ende des Rotbiers als auch des Weißen Biers eingeläutet. © Caroline Seidel/dpa

Am 11. Juli 1836 sind zwei Fässer Lederer-Bier das erste Frachtgut auf der ersten deutschen Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth.
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Am 11. Juli 1836 sind zwei Fässer Lederer-Bier das erste Frachtgut auf der ersten deutschen Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth. © nn-archiv

1880 steht Nürnberg mit seinem Bierexport an der Spitze der bayerischen Städte, gefolgt von Kulmbach, Erlangen und München.
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1880 steht Nürnberg mit seinem Bierexport an der Spitze der bayerischen Städte, gefolgt von Kulmbach, Erlangen und München. © Andreas Gebert/dpa

1917 hat das Nürnberger Bier kriegsbedingt nur noch eine 3,5-prozentige Stammwürze, es enthielt also kaum noch Alkohol. Dies entspricht etwa der Hälfte der Stammwürze eines heutigen Leichtbiers.
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1917 hat das Nürnberger Bier kriegsbedingt nur noch eine 3,5-prozentige Stammwürze, es enthielt also kaum noch Alkohol. Dies entspricht etwa der Hälfte der Stammwürze eines heutigen Leichtbiers. © dpa

1855 kauft das Gesamtgeschlecht der Tucher das Weizenbrauhaus und benennt es in „Freiherrlich von Tucher’sche Brauerei“ um. Dieses Brauhaus setzt als letzte noch existierende Brauerei Nürnbergs die alte Tradition fort.
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1855 kauft das Gesamtgeschlecht der Tucher das Weizenbrauhaus und benennt es in „Freiherrlich von Tucher’sche Brauerei“ um. Dieses Brauhaus setzt als letzte noch existierende Brauerei Nürnbergs die alte Tradition fort. © Repro: Archiv/Foto: Martin Schülbe

1880 steht Nürnberg mit seinem Bierexport an der Spitze der bayerischen Städte, gefolgt von Kulmbach, Erlangen und München.
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1880 steht Nürnberg mit seinem Bierexport an der Spitze der bayerischen Städte, gefolgt von Kulmbach, Erlangen und München. © dpa

1925 existiert in Nürnberg keine der um 1800 noch arbeitenden Brauereien mehr, die fünf existierenden Brauhäuser sind Neugründungen.
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1925 existiert in Nürnberg keine der um 1800 noch arbeitenden Brauereien mehr, die fünf existierenden Brauhäuser sind Neugründungen. © Foto: dpa/Peter Endig