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Bunker im Bleiweißviertel wird zum Kinderhort

Keine Alternativen in der Südstadt - Meterdicker Beton wird durchbohrt - 06.09.2017 05:55 Uhr

Aus dem Bleiweißbunker in der Nürnberger Südstadt entsteht ein Kinderhort. © Michael Matejka


Alles ist möglich. Die Kita auf dem Parkhaus gibt es schon, den Kindergarten auf dem Norma-Dach ebenso. Jetzt also ein Bunker im Bleiweißviertel.

Das Jugendamt steht mit dem Rücken zur Wand, die Nachfrage ist erdrückend. Getränkemarkt, Malerbetrieb, das Dach eines Jugendhauses, alles wurde erfolglos abgegrast, heißt es im Jugendamt.

Als grauer Klotz ragt der Bunker Baujahr 1941 zwischen Seniorenzentrum und Jugendhaus empor. In den 80er Jahren ist er für den Zivilschutz für eine Million Mark modernisiert worden. Danach stand er weiter leer.

Schulkinder hinter Luftschutzmauern? Kein Problem, sagt Unternehmer Peter Schüttler, der den Hochbunker an der Augustenstraße vor fünf Jahren vom Bund ersteigert hat. 20 Löcher will er mit Diamantseilen in die Zwei-Meter-Mauern schneiden lassen, alle raumhoch, damit reichlich Licht ins Innere fällt. Dazu kommt ein neues Treppenhaus mit Aufzügen, die kleine Grünfläche vor dem Haus können die Schüler nutzen. Unterm Dach zieht der Hausherr selbst ein.

Insgesamt 3,8 Millionen Euro will Schüttler investieren, für den Hort auf fünf Etagen gibt es öffentliche Zuschüsse. Mieterin für mindestens 25 Jahre wird die Stadt sein; die Miete liege „gerade noch im Rahmen“, heißt es im Jugendamt.

Mit der Illusionsmalerei auf den fensterlosen Mauern ist es dann vorbei. Der Nürnberger Künstler Wolfgang Harms hat den Bleiweißbunker 1987 rundum bemalt. Der Umbau wird diese Komposition zerstören.

Das Jugendamt freut sich

Im Jugendamt kann man darüber nicht traurig sein. Statt nur 32 Prozent wird die Stadt Ende nächsten Jahres 60 Prozent aller Schulkinder im Bereich St. Peter/Bleiweiß einen Hortplatz anbieten können; der bereits im Bau befindliche Hort an der nahen Forsthofstraße mit 125 Plätzen ist da schon mit eingerechnet.

Architekt des Bleiweiß-Projekts ist Patrick Schreiner (querwärts Architekten). Dass er auch unkonventionelle Bauten stemmen kann, hat sein Büro mit der Kindertagesstätte "Wolke 10" bewiesen, die auf dem Dach des Parkhauses in der Wölckernstraße entstanden ist.

Dass es sich hinter meterdicken Mauern äußerst komfortabel leben lässt, wissen die Bewohner des Grübelbunkers in der Altstadt schon lange. Er ist 1999 zu Wohnungen umgebaut worden. 

Claudine Stauber

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