Bushido-Dreh in Nürnberg war "nicht wirklich" genehmigt

30.10.2015, 16:16 Uhr
Bushido und Shindy auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Ein

Bushido und Shindy auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Ein "möglichst unverkrampfter Umgang" mit dem Areal sei sogar erwünscht, sagt Ingrid Bierer, die Leiterin des Dokumentationszentrums Reichsparteitage. © Screenshot: youtube.com

"Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz", mit solchen Entgleisungen, aber auch mit rassistischen und sexistischen Liedtexten hat der 37-jährige Rapper in der Vergangenheit Aufsehen erregt. In seinem aktuellen Video "G$D (Gott sei Dank)", das auch an Nürnberger Schauplätzen wie Hitlers Sprecher-Kanzel auf der Zeppelintribüne, aber auch hoch droben auf dem Rathaus Wolffscher Bau gedreht wurde, hält sich Bushido aber zurück.

Zwar ist von "Missgeburten" und viel Geld die Rede, antisemitische Anspielungen enthält der kryptische Text allerdings nicht. Mit Bushido unterwegs war Rap-Kollege Shindy, der ebenfalls aus Berlin kommt. "Da ist kein Aufreger drin", kommentiert Ingrid Bierer, die Leiterin des Dokumentationszentrums Reichsparteitage, den Auftritt auf geschichtsbelastetem Gelände.

Ein "möglichst unverkrampfter Umgang" mit dem Areal sei sogar erwünscht, so Bierer. Da habe eben irgend jemand ein Video gedreht, mehr nicht. Das geschehe auf der Tribüne ständig, Mode-Aufnahmen, aber auch indische Holy-Festivals, Rock im Park oder das Autorennen fänden an dem Ort regelmäßig statt. "Genau das Richtige" für den einstigen Aufmarschplatz der Nazis, findet die Chefin des Nürnberger Dokuzentrums.

"Drei Burschen" an der Rathauspforte aufgetaucht

Auch dem Rathaus am Hauptmarkt hat das Kamerateam des selbsternannten "größten Rappers aller Zeiten" einen spontanen Besuch abgestattet. In dem am Donnerstag veröffentlichten neuen Video-Clip lässt Bushido, der eigentlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt, entspannt die Füße aus einem der Turmfenster des Rathauses Wolffscher Bau baumeln.

Genehmigt? Nicht wirklich, sagt Stadt-Pressesprecher Siegfried Zelnhefer und spricht von einem "innerstädtischen Missverständnis". Eines Tages seien "drei Burschen" an der Rathauspforte aufgetaucht und hätten gefragt, ob sie drehen dürften. Daraufhin sei ihnen sowohl der historische Rathaussaal als auch das Türmchen auf dem Rathausdach versehentlich aufgesperrt worden.

Hätte das zuständige Organisationsamt Ja gesagt, wenn alles seinen ordnungsgemäßen Weg gegangen wäre? Zelnhefer legt sich da nicht fest. Mit der Frage habe man sich nicht auseinandergesetzt. Grundsätzlich sei der Wolffsche Bau ein öffentlich zugängliches Gebäude, heißt es. So öffentlich wie der Park rund ums Wiener Schloss Schönbrunn, wo Bushido und Shindy ebenfalls rappend unterwegs waren.

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